Birnen – edles Obst für gute Böden

Themen: Birnen, Obstanbau
Birne Clapps Liebling

Clapps Liebling ist eine frühreifende, robuste Birne mit zart schmelzendem Fruchtfleisch, kräftiger Süße und milder Säure.

Birnen sind durchaus anspruchsvoll. Wer sich den Spaß leisten möchte, sollte seinen Baum mit Bedacht auswählen. Der Obstbau-Profi Hubert Siegler gibt Tipps zur Kultur der anspruchsvollen Kernobstart.

Auf welchen Standorten gefällt es Birnen am besten?

Birnen lieben Wärme. Je edler und je später die Sorte, desto höher sind die Ansprüche. Späte Sorten mit Pflückreife im Oktober wie die sehr aromatische ‘Vereinsdechant’ oder die gut lagerfähige ‘Gräfin von Paris’ stehen deshalb besser an geschützten, vollsonnigen Standorten oder im Weinbauklima. In kühleren Gegenden bilden die Früchte mitunter weniger Zucker, weniger Aroma und mehr Steinzellen. In strengen Wintern, vor allem bei späten Frösten nach Wärmephasen, können Frostrisse und frostgeschädigte Knospen auftreten. Daher sollten Talsenken, moorige, staunasse Böden und stark frostgefährdete Lagen als Standort vermieden werden.

» Birne – Die Königin im Obstgarten

Nun wohnt der eine oder andere aber in einer raueren Gegend.

BirnenspalierDer kann z. B. mit Spalieren an Südwänden oder vor Mauern in voller Sonne die ungünstigen Bedingungen ausgleichen. So wird es im Alpenvorland praktiziert. Wichtig ist aber eine gute Durchlüftung. 15 cm Abstand zur Wand sind das Minimum. Oder es werden weniger empfindliche Tafelbirnen wie ‘Gellerts’, ‘Gute Graue’, ‘Herzogin Elsa’, ‘Condo’ und ‘Harrow Sweet’ gewählt. Oder auf starkwachsende Unterlagen veredelte Bäume. Und: Die Baumschule vor Ort oder vielleicht auch schon der Nachbar kennen gut angepassten Lokalsorten.

» Übersicht: Empfehlenswerte Birnensorten

Was ist mit dem Boden? Da gibt’s doch große Unterschiede.

Er sollte durchlässig sein, möglichst humos und nährstoffreich, im leicht sauren bis neutralen Bereich. Bei zu hohem pH-Wert, auf schweren Böden und bei Staunässe neigen auf Quittenunterlagen veredelte Birnen mitunter zu Eisenmangel. Ansonsten gilt es, die Baumscheiben bewuchsfrei zu halten. Eine Mulchschicht hält den Boden feucht und krümelig. Den Mulch im Herbst entfernen, sonst nisten sich Mäuse ein.

Ihr Tipp zur Düngung.

In der Regel reicht pro Jahr eine Stickstoffgabe aus, denn die meisten Gartenböden sind gut mit Phosphor versorgt. Geben Sie Ende März Schwefelsaures Ammoniak, Hornspäne oder Kalkammonsalpeter. Wenn Volldünger, dann einen phosphorarmen, aber kaliumbetonten. 60 Gramm pro Baum reichen. Wird Kompost oder Stallmist gegeben, kann eine weitere Düngung entfallen. Stickstoff nie nach Juli geben, sonst reift das Holz nicht richtig aus und wird frost- empfindlicher.

» Die Felsenbirne – fast vergessene Sommerfrüchte

Wie lange muss man sich eigentlich bis zur ersten Ernte gedulden?

Birnen in Spindelform, die auf schwachen und mittelstarken Unterlagen wachsen, tragen schon regelmäßig ab dem 2. Standjahr . Spalierobst trägt ab dem 3. bis 4. Jahr. Bäume mit Rundkrone auf mittleren und stärkeren Unterlagen tragen das erste Mal nach 5 bis 8 Jahren. Sie alternieren allerdings, das heißt: sie tragen unregelmäßig. In jedem Fall muss die Befruchtung gewährleistet sein.

Birnen sind also selbstunfruchtbar?

Richtig. Das heißt, ein einzeln stehender Baum trägt in aller Regel keine Birnen. Im Umkreis von etwa 100 m sollten deshalb Bäume anderer Sorten stehen. ‘Williams’ Christ, ‘Gellerts’, ‘Conference’, ‘Vereins- dechant’ oder ‘Boscs Flaschenbirne’ sind gute Pollenspender. So genannte Triploide wie ‘Alexander Lucas’ oder ‘Gute Graue’ hingegen können andere Birnensorten nicht befruchten. Und: Die Blütezeit muss übereinstimmen. Das ist in der Regel der Fall. Nur ‘Alexander Lucas’ und ‘Verdi’ blühen besonders früh, ‘Vereinsdechant’, ‘Clapps Liebling’, ‘Boscs Flaschenbirne’ dagegen später als die meisten anderen Sorten.

» So bleibt ihr Apfelbaum in Form

Reden wir hier ausnahmsweise mal über Krankheiten.

Es sind nur zwei gegen den unheilbaren Feuerbrand resistente Sorten bekannt, ‘Harrow Sweet’ und ‘Harrow Delight’. Gegen den Birnengitterrost dagegen, der die Blätter stark schädigt, gibt es keinerlei Toleranzen oder gar Resistenzen. Jede Sorte kann erkranken, vor allem nach regenreichen Maiwochen. In der Nähe von Parks, Friedhöfen und Wohnsiedlungen ist der Befall besonders stark. Hier stehen häufig Wacholder-Arten wie Juniperus chinensis oder Juniperus sabina, die Winterwirte dieser Pilzkerreger. Von ihnen geht die Infektion im Frühjahr aus.

Stichwort: Birnenschorf.

Sorten wie ’Williams Christ’ oder ‘Gräfin von Paris’ sind da empfindlich. Vor allem in feuchten Regionen. Auch die sonst recht robuste ‘Gellerts’ Butterbirne ist da aus- gesprochen anfällig. Weniger empfindlich sind ‘Clapps Liebling’ ‘Conference’, ‘Alexander Lucas’ oder ‘Uta’ . Wie beim Birnengitterrost kommt es vor allem bei feuchtem Wetter in der Zeit zwischen Austrieb und Ende Mai zu Infektionen.

» Obstspaliere – eine Frage der Erziehung

Welche Sorten schmecken Ihnen eigentlich am besten?

Birne Williams ChristBesonders aromatisch finde ich z. B. ‘Vereinsdechant’, ‘Williams’Christ’, ‘Uta’ oder ‘Dessertnaja’. Am besten, man probiert sich durch. Viele Baumschulen und Gartencenter bieten zur Reifezeit Verkostungen an. Hier findet jeder bestimmt seine zukünftige Lieblingssorte und kann sich gleich ein Bäumchen für den Garten mitnehmen.

Hubert Siegler ist Gartenbau-Ingenieur und Obstbau-Profi an der bayerischen Landessanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim. Die Fragen stellte GartenFlora-Redakteur Acim Werner.

Birnen mögen warme Standorte

Da kommt eine südlich ausgerichtete Hauswand gerade recht. Außerdem verleiht ein Wandspalier romantischländlichen Charme. Wer eins erziehen möchte, sollte bedenken, dass es mehrmals im Jahr aufwändig zurückgeschnitten werden möchte. Langtriebe müssen angebunden werden. Das dafür nötige Spalier aus Spannseilen oder Latten sollte gut in der Wand verankert sein.

Extra-Wissen

Williams in der Flasche
In der Flasche mit Birnengeist steckt traditionell eine ‘Williams Christ’. Es eignet sich aber auch jede andere Sorte. Benötigt wird eine Flasche mit kurzem Hals, durch den eine junge Birne noch hindurchpasst. Die Flasche so im Baum festbinden, dass es nicht hinein regnet. Zur Reifezeit abnehmen, auspülen und mit Birnengeist auffüllen. Fertig!

Asienbirnen (Nashis)
Die runden Birnchen sind saftiger, erfrischender als Europäerbirnen. Aber etwas weniger aromatisch. Sie gedeihen hierzulande sehr gut.

» Rezept: Feldsalat mit Birne und gebackenem Ziegenkäse
Newsletter-Anmeldung

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Das Ratgebermagazin für Gartenliebhaber. Jeden Monat neu mit einer Vielzahl Tipps und Ratschlägen für den Zier- und Nutzgarten, mit Gestaltungsideen, Trends und Neuheiten rund um das Hobby Garten. Dazu wunderschöne Fotos aus liebevoll angelegten Privatgärten.

Editorial lesen Abonnieren

Aktuelle Ausgabe

GartenFlora Shop

Folgen Sie uns auf Facebook    Folgen Sie uns auf Twitter

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr