Vom Charme alter Gemäuer

Gartenruinen

Unterm lichten Blätterdach einer Birke hat der Mauerwinkel einen perfekten Platz gefunden.

Alte Backsteine. Sie sind im Nachbargarten fein säuberlich gestapelt. Was will er bloß mit den vielen Klamotten? Eine Woche später ist das Rätsel gelöst. Auf dem Grundstück nebenan steht jetzt eine kleine Ruine mit Torbogen und schmiedeeisernem Fensterahmen. So, als würde sie dort schon Jahrzehnte stehen. Schon einige Jahre hält dieser „ruinöse“ Gartentrend an. Künstliche Ruinen sind keine neue Erfindung. Bereits in der Renaissance und im Barock schmückten kullissenhafte Zierbauten die herrschaftlichen Gartenanlagen. Im späten 18. sowie im 19. Jahrhundert wurden die englischen Landschaftsgärten mit nachgebauten Burgen, Aquädukten und Brücken sowie antiken Tempeln in unterschiedlichen Verfallsstadien ausstaffiert. Später kamen Aussichtstürme in der offenen Landschaft dazu. Diese Schmuckbauten, von den Briten „Follies“ (Verrücktheiten) genannt, waren keinesfalls funktionslos. Die alt anmutenden Gemäuer waren Rückzugsorte, an denen man allein und ungestört war. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die künstlichen gotischen Ruinen, was unter anderem von der Begeisterung für das Mittelalter herrührte. Denn schon damals waren die Menschen von Wehmut, Schauer und Freude erfüllt, wenn sie an den Ruinen zerstörter mittelalterlicher Raub- und Ritterschlösser vorübergingen.

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Gotische Ruinen sind wieder gefragt

Wer sich das Mittelalter in den Garten holen möchte, für den gibt es sogar komplette Bausätze. Sie mögen es individueller? Spezialisierte Firmen bieten recyceltes, zum Teil auch historisches Baumaterial an. Das Angebot reicht von alten Ziegeln und Dachpfannen über Holztüren und -balken bis hin zu rostigen Fenster- und Türrahmen. Größere Bauwerke sollten Sie besser dem Fachmann überlassen. Niedrige Ruinen oder Mauern können Sie selbst verwirklichen. Wichtig: Mauerwerk benötigt ein frostfrei gegründetes Fundament (mindestens 70 cm), für Trockenmauern reicht ein verdichtetes Kiesfundament. Damit Ihr Bauwerk schön alt aussieht, empfiehlt es sich, Ziegel mit unterschiedlichen Farbnuancen, vorzugsweise mit abgeschlagenen Kanten, zu verwenden. Die Mauerkrone kann ungleichmäßig gestuft sein. Auch offene Fugen sorgen für den gewünschten Verwitterungseffekt. Dazu kratzen Sie den (zementarmen) Mörtel noch vor dem Abbinden unregelmäßig aus den Fugen.

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Die lückige Mauerkrone und die offenen Fugen werden mit geeigneten Pflanzen besetzt: Auf der Sonnenseite fühlen sich Hauswurz (Sempervivum), Pfingst-Nelke (Dianthus gratianopolitanus), Steintäschel (Aethionema) sowie Igelpolster (Acantholimon) wohl. Die Schattenseite ist für Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), Moos-Steinbrech (Saxifraga Arendsii- Hybride), Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria) und Gelber Lerchensporn (Pseudofumaria lutea) reserviert. Und fürs wild-romantische Flair lassen Sie Kletterrosen, Efeu, Wilden Wein und Clematis an den Mauern emporranken.

Doch bevor es ans Mauern geht, sollten Sie beim Bauamt klären, ob Sie auf Ihrem Grundstück überhaupt eine Ruine oder eine Mauer bauen dürfen, ob also eine Baugenehmigung nötig ist. So ein marode anmutendes Gemäuer kommt in einem eingewachsenen Garten, versteckt unter großen Bäumen am besten zur Geltung – ein perfekter Platz für eine lauschige Sitzecke. Ruinenmauern können ebenso als Raumteiler verschiedener Gartenbereiche fungieren oder unschöne Ecken wie Geräteschuppen oder Komposthaufen verdecken. Übrigens: In unserem Garten lehnt jetzt am Birnbaum ein rostiges Stallfenster. Fortsetzung folgt ...
Monica Lietzau

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