GEMÜSEGARTEN neu gedacht

Krauser Grünkohl in Lila und Grün

Mit den Augen eines Staudenarrangeurs entstand dieses lila-grüne Gemüsebeet mit gekraustem Grünkohl in dunklem Lila und Grün und zarten helllila Blütenständen des Patagonischen Eisenkrauts. Später erscheinen noch Gladiolen.

Schon lange ist es her, dass der Gemüsegarten als reiner Nutzgarten für die Versorgung der Familie angelegt wurde – und auch eher sachlich-schick als aufreizend-schön aussah. Heute sind wir nicht mehr auf das Gartengemüse angewiesen, um satt zu werden, doch der Gemüsegarten ist längst wieder mehr ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit gerückt.

Wir lösen uns nach und nach von der alten Vorstellung eines Nutzgartens und wählen das Gemüse nun eher danach aus, welche Farbe Blätter und Früchte und welche Wuchsform die Pflanzen haben. Und wir kombinieren es mit anderen Gemüsearten und Blumen beinahe schon nach Kriterien, die wir auch für Staudenrabatten anwenden. Daraus entsteht etwas Neues, das die ernste Sachlichkeit mit der spielerischen Leichtigkeit der Ziergärten kombiniert.

» Saisonstart im Gemüsegarten

Von den Franzosen lernen

Dabei ist dieser spielerische Umgang mit Gemüse gar nicht so neu! In Frankreich praktiziert man den schon seit langer Zeit. Der Küchengarten heißt dort „potager“. Das klingt fast schon poetisch. Er unterscheidet sich deutlich von unserem klassischen Gemüsegarten mit seinen rechteckigen Beeten mit den schnurgeraden Reihen. Eher gleicht er einem Ziergarten, in dem man Farben, Formen, Strukturen und Düfte immer wieder neu kombiniert.

Die Beete sind hier zwar auch aus praktischen Erwägungen meist rechteckig, aber mit Bordüren aus Kräutern und Buchs oder mit bunten Holzleisten eingerahmt. Die Obelisken, an denen die Stangen- und Feuerbohnen emporranken dürfen, sind ein Blickfang, bis zum Frühsommer, wenn die Bohnen sie komplett erobert haben und verdecken. Direkt am Beetrand stehen niedrige Apfel- und Birnenspaliere als Umrahmung. Manchmal breiten die Spaliere ihre Äste wie eine Pergola übereinen kleinen, zentralen Platz inmitten der Beete.

Das ähnelt dann wieder sehr unserem klassischen Bauerngarten mit vier buchsumrandeten Beeten, die sich um einen Mittelpunkt mit einem Brunnen oder einer besonderen Pflanze scharen. Eben nur viel spielerischer.

» Gemüse, das garantiert gelingt

Mit Gemüse gestalten

Probieren Sie es aus, und versuchen Sie, wie ein Staudenarrangeur zu denken. Ordnen Sie die Beete anders an, geben Sie ihnen vielleicht auch eine runde, ovale, dreieckige oder quadratische Form. Setzen Sie farbige Akzente mit Obelisken und Beeteinfassungen aus Holz, die in knalligen Farben oder in Pastelltönen lackiert sind. Wählen Sie die Gemüsearten und -sorten nach ihrer Attraktivität aus. Aber nicht nur, schließlich soll ein Teil ja noch geerntet werden.

Die einjährigen Gemüse haben einen großen Vorteil gegenüber den mehrjährigen Stauden: Sie können immer wieder neu zusammengestellt werden. Spielen Sie mit den wunderbaren Farben von Pflück- und Kopfsalaten: Der altbekannte ‘Lollo rosso’ mit seinen rotbraunen, stark gekräuselten Blättern macht sich gut im Duett mit dem gelbgrünen, glattrandigen ‘Australischen Gelben’.

Der Markt gibt mehr als ein Dutzend Salatsorten mit ungewöhnlichen Blattformen und -farben her: mit schmalen, an Hirschzungenfarne erinnernden Blättern (‘Deer Tongue’) oder rotbraungeflecktem Laub (‘Forellenschuss’). Kohl, Mangold und Fenchel sind so schmuck, dass sie mittlerweile schon in Staudenbeeten für Ohos und Ahas sorgen. Holen wir sie also wieder zurück in den Gemüsegarten und lernen von den Staudengärtnern!

» Gemüse statt Stauden


Drei-Felder-Wirtschaft

Bei aller Neuinterpretation des Gemüsegartens sind – wie früher – ein paar grundlegende Dinge zu beachten. Werden die gleichen Gemüsearten und ihre Verwandten mehrere Jahre nacheinander auf derselben Beetfläche angebaut, können sich Probleme einstellen. Der Boden laugt einseitig aus, selbst Kompost und andere Dünger können nicht mehr die dringend benötigten Nährstoffe nachliefern. Oder im Boden sammeln sich auf diese Gemüse spezialisierte Pilzsporen und Schädlinge an, die den Pflanzen zu Leibe rücken.

Beides führt zu einem empfindlichen Ernteausfall. Der sich aber vermeiden lässt: mit einer Drei-Felder-Wirtschaft, bei der die Gemüse nach ihrem Nährstoffbedarf in aufeinanderfolgenden Jahren die Beete bevölkern, und mit Anbaupausen von mindestens vier Jahren zwischen Vertretern derselben Gemüsefamilie.

Natalie Faßmann
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