Gefahren in Heim und Garten

Themen: Giftpflanzen
Giftpflanzen für Tiere

Besonders verspielt sind Welpen. Sie nehmen alles ins Maul, um darauf herumzukauen.

Hund, Katze, Kaninchen – viele Gartenfreunde teilen ihr grünes Reich mit Haustieren. Aber welche Pflanzen sind hier giftig? Was sollten Sie außerdem beachten? GartenFlora im Gespräch mit Tierarzt Christoph Ladwig.

Welche Gewächse sollte man besser nicht anpflanzen?

Besonders kritisch sind Gartengewächse, deren Wirkstoffe schon in geringer Dosierung lähmend aufs zentrale Nervensystem, auf Herz und Kreislauf wirken, beispielsweise Rhododendren oder Kirschlorbeer. (Weitere Pflanzen in der Liste rechts oben.) Abhängig von der Substanz, der verzehrten Menge, der Größe und des Gesundheitszustandes des Tieres stellen sich innerhalb kurzer Zeit erste Vergiftungssymptome ein, die sogar zum Tod führen können.

Wie erkenne ich, dass sich mein Tier vergiftet hat?

Vergiftungen führen in den meisten Fällen zunächst zu heftigem Speichelfluss mit Erbrechen, Durchfall, plötzlicher Unruhe oder Apathie. Später kann es zu Bewegungsstörungen wie Taumeln und Umfallen bis hin zu Krämpfen und Bewusstseinstrübung kommen. Schlimmstenfalls drohen Organversagen, Atemlähmung und Herzstillstand.

Erkennen Haustiere nicht instinktiv, was gut oder schlecht für sie ist?

Nein, das ist leider nicht so. In Verbänden oder Rudeln lebende Tiere lernen voneinander, welche Pflanzen sie meiden oder verzehren können. Einzeln gehaltene Haustiere können nicht von den Erfahrungen ihrer Artgenossen profitieren. Sie probieren eben – einige von ihnen zum letzten Mal.

Entwickeln denn die Pflanzen nicht schon aus Eigennutz Strategien gegen Fressfeinde?

Sicherlich gibt es pflanzliche Abwehrmechanismen: Bitterstoffe im Milchsaft von Wolfsmilchgewächsen, scharfe Inhaltsstoffe bei Speisezwiebeln, aber auch bei Tulpen-, Krokus- oder Narzissenzwiebeln. Die verhindern oft, dass an ihnen geknabbert wird. Aber manchmal reichen ja auch schon geringe Mengen für ernsthafte Vergiftungen aus. Außerdem passiert es besonders jungen, unerfahrenen und neugierigen Tieren, dass sie beim Spielen im Grünen versehentlich Pflanzenteile verschlucken.

Welche Haustiere sind besonders gefährdet?

Vor allem die Hunde. Sie schlingen alles (scheinbar) Fressbare ohne großes Zögern herunter. Besonders gefräßig und verspielt sind Welpen. Sie nehmen alles ins Maul, um darauf herumzukauen. Nager wie Meerschwein, Hamster und Kaninchen können sich oft nicht frei im Garten bewegen, deshalb ist die Gefahr für sie geringer. Gefährlich wird es aber, wenn ihnen der Tierhalter aus Unkenntnis unbekömmliche oder sogar giftige Futterpflanzen verabreicht, z. B. solaninhaltiges Kartoffelkraut oder löwenzahnähnliches Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea). Beim Sammeln von Grünfutter wurde schon fälschlicherweise die giftige Hundspetersilie (Aethusa cynapium) anstelle Wilder Möhre oder Gartenpetersilie gesammelt. Katzen prüfen ihr Fressen gründlich, bevor sie es vertilgen. Bei ihnen bestehen andere Risiken: Freigänger können sich mit vergifteten Beutetieren wie Mäusen, Wühlmäusen und Ratten gefährden. Wohnungskatzen knabbern aus Langeweile schon mal Zimmerpflanzen an.

Also drohen Gefahren auch im Haus?

Ja, Zimmerpflanzen sind nicht harmloser als ihre Verwandten draußen: Zimmer- Azaleen (Rhododendron simsii) besitzen ebenso wie Garten-Rhododendren Wirkstoffe, die zu Krämpfen mit Atemlähmung und Herzstillstand führen können. Alpenveilchen können Übelkeit, Erbrechen, und Kreislaufstörungen verursachen. Ihr Saft wirkt auch äußerlich entzündlich auf die Haut und auf die Augen.

» Übersicht: Giftige Zimmerpflanzen

Passieren Vergiftungen bei Haustieren nur durch Aufnahme übers Maul?

Es gibt auch Vergiftungen, bei denen der Tierhalter oder Tierarzt zunächst eher auf Sonnenbrand oder Verbrennungen schließt. In Wirklichkeit hat man es aber mit den Auswirkungen so genannter phototoxischer Pflanzen zu tun. Das sind z. B. bestimmte Doldenblütler wie Engelwurz (Angelica archangelica), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) oder die Herkulesstaude (H. mantegazzianum). Das Berühren in Verbindung mit Sonnenlicht ruft Hautreizungen, ja sogar Verätzungen in fellfreien Bereichen (Nase, Maul, Pfoten) hervor.

Gibt es noch mehr giftige Überraschungen aus dem Pflanzenreich, auf die der Tierhalter nicht so ohne Weiteres kommt?

Giftig für alle Haustiere sind rohe Kartoffeln, unreife Tomaten und rohe Bohnen. Stoffe in Speisezwiebeln führen zur Auflösung der roten Blutkörperchen. Also bitte keine „Leckerchen“ wie Tartar mit roher Zwiebel geben! Aber auch alle anderen Zwiebelpflanzen wirken toxisch – sogar schon beim Schlecken vom Vasenwasser, in dem vorher Tulpen oder Narzissen standen. Bereits in geringen Dosen lebensgefährlich für Hunde sind Weintrauben und Rosinen. Exotische Früchte wie Avocado, Kiwi, Papaya und Auberginen sind ebenfalls tabu. Kein Spielzeug für Hunde sind Apportier-Stöckchen aus Robinien- und Eibenholz. Ebenso gesundheitsgefährdend sind Sägespäne aus Robinienholz als Einstreu für Nager. Bitte auch keine Tierställe aus Robinie bauen! Kakao und Tabak zieht man ja eher selten daheim als Pflanze heran. Als Genussmittel in Form von Schokolade und Zigaretten liegen sie aber oft für Haustiere erreichbar herum – mit fatalen Folgen! Auch Alkohol, besonders sahnig-süßer Likör, sollte stets katzensicher aufbewahrt werden. Nachlässig abgestellte Gläser mit Trinkresten sind im Nu vom Stubentiger ausgeschleckt.

» Ratgeber: Mein Hund, mein Garten und ich

Unwissenheit und Unachtsamkeit im Garten … an was denken Sie da noch?

Hunde im GartenBeispielsweise an die gesamte Palette der von Gärtnerhand ausgebrachten Pflanzenschutzpräparate, Düngemittel, Schneckenkorn oder an sorglos ausgelegtes Rattengift. Es besteht die Gefahr, dass Haustiere in Kontakt mit behandelten Pflanzen kommen oder die eingefärbten Pellets von Schneckenoder Mäusegift zum Fressen gern haben. Außerdem bleiben in Fell oder Pfoten Düngereste hängen, die dann später bei der Fellpflege übers Maul in den Verdauungstrakt gelangen können. Selbst Biogärtner sollten aufpassen: Wussten Sie, dass Hornspäne mit Ricin, dem extrem giftigen Wirkstoff der Rhizinuspflanze (Rizinus communis), behandelt sein können? Als Stickstofflieferant auf die Beete ausgebracht oder im offenen Sack gelagert, wird das geraspelte Horn gerne von Hunden aufgenommen. Tabak-Spritzbrühe, die als „biologische“ Ungezieferbekämpfung auf befallene Pflanzen gesprüht wurde, kann Ihrem Haustier ebenfalls gefährlich werden.

Christoph Ladwig besitzt seit über zehn Jahren eine eigene Kleintierpraxis in Berlin. Tierschutzprojekte führten den Tierarzt nach Spanien und in die Türkei.

Beispiele für giftige Gartengewächse

Ziergehölze: Goldregen (Laburnum, großes Foto), Seidelbast (Daphne), Pfaffenhütchen (Euonymus), Ginster (Genista), Besen ginster (Cytisus), Buchs (Buxus), Eibe (Taxus), Stechpalme (Ilex), Wurmfarn (Dryopteris)
Stauden: Fingerhut (Digitalis), Maiglöckchen (Convallaria), Eisenhut (Aconitum), Herbstzeitlose (Colchicum), Christund Lenzrosen bzw. Nieswurze (Helleborus), Aronstab (Arum), Adonisröschen (Adonis)
Kübelpflanzen: Oleander (Nerium), Engelstrompete (Brugmansia) 

Die Aufstellung von die Tiergesundheit gefährdenden Pflanzen ist keinesfalls vollständig. Weiterführende Informationen erhalten Sie unter www.botanikus.de. Beratung geben auch Giftnotrufzentralen: Vorwahl/19240 (z. B. 030/19240 für Berlin).

Was tun bei akuten Vergiftungssymptomen?

• Pflanzenteile so komplett wie möglich aus dem Tiermaul entfernen.
• Keine Milch geben, bei Bedarf evt. reines Wasser verabreichen.
• Vom Tier wieder hervorgebrachte Reste, ggf. auch verdächtige Pflanze einsammeln.
• Bei Vergiftungen mit Pflanzenschutzmittel oder Dünger gründlich die Pfoten waschen.
• Bei Kontakt mit phototoxischen Pflanzen geschädigte Bereiche mit viel Wasser und Seife waschen, Tier für mind. 10 Tage nicht in die Sonne lassen.
• Auf keinen Fall Selbstmedikation, umgehend den nächstgelegenen Tierarzt konsultieren!
• Giftige Substanzen aus dem Tiermagen zu entfernen, ist nur ca. 1,5 bis 2 Stunden nach Aufnahme sinnvoll. Danach wurden schon die meisten Giftstoffe in Organe und Blut transportiert. 

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