Gärtnern in der Senke

So richtig gemütlich ist es draußen noch nicht. Frühjahrswinde fegen durch den Garten und lassen die ohnehin recht kühlen Temperaturen noch unfreundlicher erscheinen. Bis zum ersten Kaffeetrinken auf der Terrasse ist es wohl noch eine Weile hin... Es sei denn, Ihre Terrasse liegt wie die im Bild ganz rechts windgeschützt etwa 1,50 m unter Bodenniveau, im von Mauern gestützten Senkgarten. Hier ist man schon an den ersten Frühlingstagen des Jahres gut aufgehoben, verborgen vor schneidenden Böen und neugierigen Blicken. Und die Mauersteine speichern die Sonnenwärme des Tages und tragen dadurch zusätzlich zum milden Kleinklima bei – auch am Abend, wenn sie die gespeicherte Wärme allmählich wieder abgeben. Das behagt natürlich auch all den Pflanzen, die an jeder Innenwand ein anderes Biotop vorfinden, mal sonnig und trocken, mal eher schattig und feucht. So lassen sich unterschiedlichste Gewächse mit ganz verschiedenen Ansprüchen auf kleinem Raum kombinieren – und bequem vom Sitzplatz aus in Augen- und Nasenhöhe genießen.

» Immergrüne: sie geben dem Garten die Form

Aus den sonnenbeschienen, trockenen Mauerfugen quellen Pölsterchen von Felsen-Fetthenne (Sedum reflexum), Heide- oder Pfingstnelke (Dianthus deltoides, D. gratianopolitanus), Polster-Phlox (Phlox subulata) und verschiedenen Thymian-Arten. Ohnehin fühlen sich die Mittelmeerkräuter hier richtig wohl: Salbei, Oregano, Berg-Bohnenkraut und Ysop, Lavendel und Basilikum wachsen quasi direkt auf den Teller. Im kühleren und feuchteren Mauerschatten gedeihen Minzen, Polster-Glockenblumen (Campanula portenschlagiana, C. poscharskyana), Hellgelber Lerchensporn (Corydalis ochroleuca) oder Farne, wie der herrlich grazile Pfauenrad-Farn (Adiantum pedatum). Natürlich muss es nicht immer gleich 1,50 m tief hinab gehen. Auch eine kleine Senke, vielleicht von nur 40 cm, vermittelt bei ansprechender Gestaltung ein Gefühl der Geborgenheit. Sie bietet Abwechslung in der Gartenlandschaft und schafft allein durch den geringfügigen Höhenunterschied optisch mehr Weite. Wind- und Sichtschutz sind hier natürlich weniger gegeben, dafür genießt man ungehindert den freien Ausblick.

» Illusionen: kleine Gärten größer erscheinen lassen


Vorbild aller heutigen Senkgärten waren die „sunken gardens“ englischer Landhausgärten: streng geometrisch angelegte Areale, die ursprünglich Duftpflanzen und besonderen botanischen Raritäten einen gebührenden Rahmen verleihen sollten. Karl Foerster (1874–1970), der berühmte Staudenzüchter und Gartengestalter, entwickelte den Begriff weiter und schuf auf seinem Grundstück in Potsdam-Bornim einen Gartentraum von europaweiter Bedeutung: Sein ab 1912 angelegter, rechteckiger Senkgarten misst ganze 25 x 40 m, ist in mehrere üppig bepflanzte Geländestufen gegliedert und mündet an seinem tiefsten Punkt in ein von prachtvollen Seerosen besiedeltes Wasserbecken – ein plausibler und weit verbreiteter Mittelpunkt von Senkgärten, auf deren unterster Ebene nun einmal das Regenwasser zusammenfließt. Wer statt eines Wasserbeckens ein formales Rasenbeet oder einen Sitzplatz zum Zentrum der heimeligen „Grube“ machen möchte, sollte daher auf ausreichende Drainage achten. Insbesondere dann, wenn nicht auf brandenburgischem Streusand, sondern auf fettem, gut wasserhaltendem Lehmboden gebaut wird. Nachdem die Senke im gewünschten Umfang ausgehoben ist (Mini-Bagger sind im Baugerätehandel anzumieten), werden unterirdisch mehrere Drainageschläuche verlegt. Diese leiten das Wasser ins umliegende Erdreich oder auch direkt in einen naheliegenden Kanal, wobei für letzteres unbedingt die Genehmigung der jeweiligen Gemeinde einzuholen ist.


Das an die Grube angrenzende Erdreich wird in den meisten Fällen durch eine attraktive Natursteinmauer gestützt, aus deren offenen Fugen bald allerlei Blümchen quellen. Eine etwa 10 cm dicke Kiesschicht unter der Mauer verhindert ein allmähliches Absinken der schweren Steine. Die möglichst quaderförmigen Brocken werden mit einer leichten, etwa 10 %igen Neigung zum Hang so aufeinander geschichtet, dass Kreuzfugen möglichst vermieden werden. Ein Kiesfutter zwischen Mauer und Erdreich sorgt für zügigen Wasserabfluss. Fehlt nur noch die Treppe in die neue Wohlfühloase: Stufenmaße von 15 cm Höhe und 35 cm Tiefe sind dafür besonders zu empfehlen.
Kerstin Ackermann




Buchtipp:
Carsten Mehliß

„Karl Foerster – Seine Blumen, seine Gärten“

Biografie des bedeutenden Staudenzüchters, Gartengestalters und Autors
Gebunden ● 142 Seiten ● 34,90 €
ISBN 978-3-8001-7632-8
Verlag Eugen Ulmer, 2012
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