Die Schönheit des Schlichten - Teil 1: Moorteich

Teich mit Frosch

Frösche hüpfen in diesem Garten zuhauf ins Wasser. Doch es gibt in dieser grünen Oase auch botanische Raritäten wie Sonnentau und Frauenschuh

in Fleckchen Land im Spreewald. Um hier gärtnern zu können, lässt mancher erstmal tonnenweise Mutterboden auffahren, zieht Dränagerohre ein. Ute und Wilfried Günther aber, beeindruckt von der vielfältigen Brandenburger Natur ringsum, waren überzeugt: Es geht auch so!

Auch auf dem kargen, nährstoffarmen Sand mit sommerlicher Dürre, Kahlfrösten und hohem Grundwasserstand im Winter kann Wunderschönes entstehen. Und so legten sie los, auf dem anstehenden Boden, mit einheimischen Wildpflanzen und regionalen Baumaterialien, bei völligem Verzicht auf versiegelte Flächen ...

Ziemlich strenges Reglement, mag mancher da denken. Die Günthers aber haben auf ihrem heute 3500 m2 großen Land genau das erschaffen, was sie sich seit Studententagen erträumten: Einen Garten voller Leben, so nah an der Natur, dass der Übergang in die Landschaft kaum auszumachen ist. Mit blühenden Orchideen und seltenen Schmetterlingen. Ein Garten, in dem sich selbst der Eisvogel wohl fühlt und in dem es Jahr für Jahr Neues zu entdecken gibt. Und der, ebenso wie die Natur selbst, auf menschliche Pflege beinahe gänzlich verzichten kann.

» Die Schönheit des Schlichten - Teil 2: Trockenwiese und Heidegarten

Einen Moorteich anlegen

Wogendes Wollgras, leuchtendes Knabenkraut, diese Vielfalt bunter Libellen – die idyllischen Moore der Umgebung hatten die Günthers schon früh begeistert. Nun sollte also auch im Garten eine Teich-Moor-Kombination entstehen. Und so rückte bald das halbe Dorf an, um den ehemaligen Tiefbrunnen vorm Haus der Günthers von 7 m auf die spätere Wunsch-Wassertiefe von 1,20 m aufzuschütten.

„Der hohe Grundwasserspiegel hätte den Teich zwar meist versorgt“, erzählt Wilfried Günther. „Aber damit Molch und Sonnentau wirklich nie auf dem Trockenen sitzen, haben wir dann doch eine Betonabdichtung eingebracht, nur zur Sicherheit.“ Anschließend ging es daran, Flachwasserzone und Mooranlage zu modellieren, wobei Wassertiefen zwischen 5 und 30 cm für die spätere Bepflanzung ganz besonders entscheidend sind. Alles mit 2 mm starker PVC-Folie abdichten – fertig war das Grundgerüst.

Als Substrat, zum Beispiel für die heimische Weiße Seerose, erhielt die Tiefzone des Teiches nun eine 10-cm-Schicht aus ungewaschenem Bausand, nichts Außergewöhnliches also. Und das Moor? Der sonst übliche Torf kam für die beiden Naturfreunde nicht in Frage, er sollte an seinem Ursprungsort im Naturmoor bleiben.

Als Ersatzstoff wählten die Günthers Xylit. Ein Abfallprodukt des Braunkohletagebaus, das in seinen pH- und Nährstoffwerten dem Torf ähnelt. Als Zuschlagstoff ist Xylit auch schon in einigen Gartenerden im Handel. Pur aber bekommt man es zur Zeit nur direkt bei Substrat-Herstellern wie der Stender AG. Jedenfalls gediehen Wilfried Günthers Orchideen darauf bald so gut, dass er begann, selbst einige Orchideen zu züchten.

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Ein Lebensraum für Raritäten – auch in kleinen Gärten

Wer als Besitzer eines kleinen Gartens bei einem Besuch der Günthers nun wehmütig auf den großen Teich schaut, kann sich trösten: Auch im kleineren, nur 60 cm tiefen Mini-Moor nebenan blühen fleischfressendes Fettkraut, Frauenschuh und Knabenkraut um die Wette.

Wichtig im Mini-Moor ist ein ausreichend großes Wasservolumen. „Das gelingt ganz leicht“, verrät Wilfried Günther. „Einfach den Grund des Moores mit umgedrehten Blumentöpfen bedecken, so dass ein möglichst großer Hohlraum für das Wasser entsteht. Über die Töpfe dann einfach das Xylit füllen.“

Auch für Mini-Teich-Besitzer hat er Tipps: „Die klein bleibende Varietät der einheimischen Weißen Seerose (Nymphaea alba var. minor) gedeiht schon ab 25 cm Wassertiefe!“ Und wer es noch flacher mag, nimmt sich die Feuchtwiese der Günthers zum Vorbild. Hier wurde in Spatentiefe einfach eine Folie in die Erde gebracht. Ohne jeden weiteren Wasserspeicher lässt die dadurch entstehende Staunässe Knabenkraut und Frauenschuh selbst im Brandenburger Sand sprießen.

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Extra-Tipps:

Hier wächst Pflanzsubstrat!

Das Torfmoos - Foto rechts - gedeiht so gut, dass die Günthers alle zehn Jahre ernten können: Den Moos-Hügel bodennah kappen, die obenauf sitzende Pflanzendecke abnehmen und zurück ins Moor setzen. Das Moos selbst ist ein hervorragendes Anzuchtsubstrat, z. B. für Orchideen.

Pflanzenbörse für seltene Schätze

Das Geheimnis der Orchideen-Anzucht liegt laut Wilfried Günther in den Mykorrhizapilzen, die sich an den Wurzeln der Pflanzen bilden und sie mit Nährstoffen versorgen. Gerade im Xylit-Substrat kann sich die Mykorrhiza optimal entwickeln.

Ausgewachsene Orchideen sind von dieser Symbiose weniger abhängig und gedeihen auch an weniger optimalen Standorten. Die Orchideen, die Wilfried Günther abgibt (den Shop finden Sie unter www.naturgarten-spreewald.de), sind bereits blühfähig, haben also schon einige Jahre hinter sich.

Frauenschuh-Sämlinge zum Beispiel treiben erst nach acht Jahren erste Knospen. nur halb so lange dauert es bei Klonen, die er von besonders schönen Exemplaren im Labor nextplant (www.nextplant.de) in Berlin gewinnen lässt.

Pflanzenvielfalt im Mini-Moor

Ein kleines Moor, egal ob separat oder als Teich-Moor-Kombination wie im Bild links, ist eine Fundgrube für Pflanzensammler. Direkt auf dem Xylitsubstrat gedeihen Torf- und Katharinenmoos, welche wiederum den Boden für Orchideen, Gräser und fleischfressende Pflanzen bilden.

Kerstin Ackermann
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