Zwischen Moor und Weser

Themen: Gartenblick
Garten Dräger

Die Buchsornamente im Barockgarten sind fast perfekt. Ab und an weicht Veronika Dräger aber von der strengen Symmetrie ab und lässt eine Buchsfigur aus der Reihe tanzen.

Mit dem Haus mitten im Moor nahm alles seinen Anfang. Veronika Dräger hatte sich verliebt in das 1859 erbaute Fachwerkhaus mit dem tief heruntergezogenen Reetdach. Und - es stand auch noch zum Verkauf! Dass noch ein etwa 6000 Quadratmeter großer Garten mit Obstwiese und Acker dazugehörte, war erst einmal gar nicht wichtig. Gar nicht wichtig? Das änderte sich, als das Haus zwei Jahre später hübsch hergerichtet war. Denn bei einer Wiese nur mit Obstbäumen sollte rundherum nicht bleiben. Platz für Ideen gab es genug: Knapp 350 Meter sind es vom Tor vorn bis zum hinteren Zaun. Stück für Stück entstand. Zum Beispiel der Barockgarten gleich hinter dem Haus. Dutzende Buchsbäumchen sind für seine geschwungenen Ornamente gepflanzt worden und mit Präzision in Form geschnitten. Die Muster sind nach historischem Vorbild immer dreigeteilt: in der Mitte ein Rondell, links und rechts symmetrische Buchs-Carrés. Auf den schnurgeraden Heckchen thronen Buchskugeln, die anfangs gar nicht geplant waren. „Aber ich wollte es einfach mal ausprobieren, und es hat doch geklappt, oder?“, freut sich Veronika Dräger, die Künstlerin mit der Friseurschere. Denn die Kugeln und Figuren, von denen noch einige im Garten verteilt sind, schneidet sie lieber mit der leichten Friseurschere als mit der schweren Gartenschere. Frei Hand. Alles ist unglaublich perfekt und stimmig in den Proportionen. Respekt! „Nein, nein, es darf nicht alles perfekt sein, sonst werden die Götter neidisch!“ Darum ist hier und da eine Buchskugel unförmig geschnitten, zur Sicherheit. In den Ron- dellen gedeihen verschiedenste Rosen und Pfingstrosen. Auch Staudenableger nehmen in den Buchsbeeten so lange Zwischenstation, bis sie in die großen Rabatten auf dem Hügel ziehen dürfen.

» Bilder: Der Garten von Veronika und Friedrich Dräger

Der Hügel. Er ist beim Bau des Entwässerungskanals in den 60er Jahren parallel zum Kanal aufgeschüttet worden. Die Staudenrabatten auf seinem Kamm kommen ohne viel Pflege aus. Die Idee dazu kam bei einem Besuch in einem Staudengarten auf der Insel Zeeland, wo sich Drägers viele Tipps für immerblühende Staudenrabatten holten. Aus ursprünglich zwei kleinen Beeten in Gelb-Orange und Blau-Weiß sind mittlerweile zwei stattliche Rabatten geworden, die sogar schon die Tulpen-Magnolie unterwandert haben. Jedes Frühjahr werden die Stauden geteilt und an den Rändern angesetzt. „Das hat uns die Gärtnerin in Zeeland empfohlen.“ Jetzt im Juni ist die blau-weiße Rabatte ein Meer aus weißen Margeriten mit blauen Glockenblumen-Sprenkeln. Schon bald blühen hier weiße Stockrosen und im Spätsommer hellblaue Hortensien und Verbenen.

» Gartenblick: Eine Insel in der Großstadt

Veronika und Friedrich Dräger„Machen Sie schon schlapp?“, fragt Veronika Dräger bei unserem Rundgang. Der Barockgarten und die Rabatten liegen hinter uns. Und noch etwa die Hälfte des Weges vor uns! „Wenn wir hier hinten im Garten arbeiten, nehmen wir uns Essen, Getränke und Lesestoff in einem Boller-wagen mit. Dann brauchen wir zwischendurch nicht zum Haus zurück.“ Also, bloß nichts vergessen! Vor einem kleinen Torfhaus mit Grasdach machen wir Halt, um kurz auszuruhen. „Hier wohnt mein Schätzchen, mein Aufsitzmäher.“ Ohne den könnten Drägers die weitläufigen Rasenflächen nicht bewältigen. Und weiter geht’s. Der große Gemüsegarten im Bauerngarten-Stil am Ende des Grundstücks ist unsere letzte Station, bevor es den Weg zum Fachwerkhaus zurückgeht, wo Ehemann Friedrich auf der Terrasse auf uns wartet. Mit einer Kanne frisch gebrühtem Ostfriesischem Tee.
Natalie Faßmann 
GartenFlora Gewinnspiel


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