Wo die Windfee sanft regiert

Garten von Jürgen und Barbara Jamin-Sassmannshausen

Der Garten von Jürgen und Barbara Jamin-Sassmannshausen im niedersächsischen Gehrde hat viel zu bieten: Formgehölze und stilvolle Beete, Kunst und Kreativität – und eine ganz eigene Magie.

Schon bei der Auffahrt auf den Parkplatz, der Kies knirscht noch unter den Reifen, spüren wir: Das hier ist ein besonderer Ort. Ein Fleckchen Grün mit ganz eigener, irgendwie geheimnisvoller Ausstrahlung liegt vor uns. Zu sehen ist erst mal nicht viel, blickdichte Hecken aus Hainbuche und Weißdorn umsäumen den gesamten Garten. Doch hier und da ragen sorgsam gestutzte Buchen im ungewöhnlichen Bienenkorbschnitt über den Sichtschutz hinaus. Ein kunstvolles, kniehohes Geflecht aus Korkenzieherweide umsäumt den mächtigen Stamm der Kastanie in der Auffahrt. Und dort, hinter der Hecke, erhascht man gerade noch einen Blick auf die "Windfee", die sich mit aus Weide geflochtener, wehender Mähne aus dem Staub zu machen scheint.

» Bildergalerie: Der Garten Jamin-Sassmannshausen

Wir sind angekommen bei Barbara Jamin-Sassmannshausen, Künstlerin, "Teilzeithexe" und leidenschaftliche Gärtnerin, die gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen dieses 2500 Quadratmeter große Grundstück gestaltet und geprägt hat. Gerade kommt sie durchs Gartentor freudestrahlend auf uns zu und führt uns hinein in ihr grünes Reich, das auch diesseits der Gartengrenze nichts von seinem geheimnisvollen Charakter verliert. Ganz im Gegenteil: Auch im Garten selbst versperren ordentlich gestutzte Formschnitthecken erstmal den Durchblick, geleiten stattdessen, sanft geschwungen entlang des Weges, in verschiedene Gartenzimmer. Was mag da kommen? Vermutlich nicht das, was man voreilig erwartet.

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"nicht perfekt, und trotzdem nicht wild"

Garten Jamin-SassmanhausenWer von Hainbuchenhecken, Buchsbaumkugeln und in Form geschnittenen Bäumen auf einen formalen Garten schließt, liegt falsch. Zu Füßen der etwas barock anmutenden Gehölze erstrecken sich Staudenpflanzungen, die im Vergleich beinahe unaufgeräumt wirken. Ein herrlicher, natürlicher Kontrast zu den geputzten Bäumen. Auf schlanken Stängeln wiegt das im August blühende Argentinische Eisenkraut mal hier, mal dort im Wind. Als eine der Lieblingspflanzen der Gärtnerin darf sie sich selbst aussäen, ebenso wie Akeleien, Große Wachsblumen (Cerinthe major), Knautien und Wiesenknopf, Salbei und Rote Melde. Auch die herrliche Purpur-Kratzdistel (Cirsium rivulare ‘Atropurpurea’), eine weitere Favoritin, dürfte gerne ihre Samen werfen, wäre die Sorte nicht steril. Wer die genannten Pflanzen vor Augen hat, sieht: Violett, diese ungemein sinnliche und mysteriöse, zugleich so warme Farbe gibt hier allein den Ton an. In all ihren Abstufungen von hellem Blau bis zu tiefdunklem, fast schwarzem Purpur ist sie im Garten zu finden. Nur hier und da durchsetzt von Weiß (Barbara Jamins Tipp: blühender Porree!), gerne umspielt vom silbrig grauen Laub von Wollziest oder Wermut.

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Barbara JaminFrüher, 1986, als das Ehepaar das Grundstück kaufte, pflanzte Barbara Jamin Gemüse und Erdbeeren. Und kunterbunte Staudenbeete. Zufrieden war sie damit nicht. Dann zwei Offenbarungen: Zum einen das mittlerweile vergriffene Buch "Gartenglück" von Elisabeth de Lestrieux. Zum anderen eine Gartenreise ins niederländische Zeeland. "Den Frauen dort und ihrer Kreativität verdanke ich meinen heutigen Garten", schwärmt Barbara Jamin. Hier schaute sie sich die Idee ab, ganze Bereiche in einem Farbthema zu gestalten.

"die sphärische Aura der Zierlauchkugeln"

Zurück aus Zeeland, mussten also Winterlinge und gelbe Tulpen, Brennende Liebe und knallroten Rosen weichen. Heute ist ihr harmonisches, violett-grünes Reich selber Vorbild für viele Gärten der Umgebung. Ihr "nicht perfekter und trotzdem nicht wilder" Stil kommt an.

Ein eigenes Buch ist sogar erschienen: "Ein Garten für alle Jahreszeiten", in dem auch die eindrucksvolle Wirkung der Formschnittgehölze ganzjährig dokumentiert ist. Für Abwechslung und Struktur in der kalten Zeit sorgen zudem Samenstände der Stauden und Kräuter, die bewusst nicht abgeräumt werden. So ergeben Wasserdost und Fette Henne herrliche Silhouetten. Doch neben der schönen Optik fasziniert Barbara Jamin auch einfach das Vergängliche an sich, das Morbide, das im Welken der Pflanzen zum Ausdruck kommt. Selbst das Holz der Gartenmöbel bleibt unbehandelt, muss sich dem Altern und Vergehen unterwerfen. Und sogar die vor Kraft und Elan strotzende Windfee wird nach drei Jahren in Wind und Wetter wohl das Zeitliche segnen ... Wenn sie nicht doch noch zum Sprung ansetzt und Unterschlupf sucht. An diesem Ort voll unergründlicher Magie scheint alles möglich.
Kerstin Ackermann
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