Tulpen-Fieber

Der Garten von Susanne Paus

In den Staudeninseln zu Füßen der Obstbäume blühen Tulpen und Narzissen um die Wette. Jedes Beet hat seine eigene Farbkomposition. Mal fröhlich bunt, mal in zartem Pastell. Fotos: Susanne Paus

Es ist kaum zu übersehen. Mich hat’s erwischt: das Tulpenfieber! Und nicht nur das. Ich bin verrückt nach allem, was aus Zwiebeln und Knollen sprießt. Dabei fing es ursprünglich ganz harmlos an. Als wir uns von zehn Jahren auf die Suche nach einem neuen Domizil machten, hatten wir Glück. Schneller als erwartet wurden wir Besitzer eines schlichten Ziegelhäuschens auf 1000 Quadratmeter zukünftigen Gartenlandes. Die Ausgangsbasis jedoch war eher bescheiden: eine Gänseblümchenwiese mit fünf alten Obstbäumen. Aber hier schien alles möglich! Außerdem hatte ich mich auf Anhieb in die knorrigen Bäume verliebt. An Blumenzwiebeln habe ich damals noch nicht gedacht. Erst einmal wurden Hecken gepflanzt, Zäune gesetzt, Wege gepflastert und Inselbeete rund um die Obstbäume angelegt. Als dann im dritten Gartenjahr der Teich und das blau-weiße Gartenhaus Form annahmen, hatte sich unser Handtuchgrundstück – es ist nur 16 Meter breit, dafür aber 60 Meter lang – in erstaunlich kurzer Zeit in einen Garten verwandelt. Nun konnte die Feinarbeit folgen. So wanderten noch im selben Herbst auch die ersten Zwiebeln in die Erde. Mit einigen Dichternarzissen in den Beeten und verstreuten Tuffs der Mini-Narzisse ‘Tête-á-tête’ im Rasen fing es an. Das Ergebnis machte Lust auf mehr. Richtig infiziert habe ich mich dann bei Besuchen in niederländischen Frühlingsgärten.

» Bildergalerie: Der Garten von Susanne Paus

Tulpe FontainebleauSchnell wurde mir klar: Der sonst so weise Rat „weniger ist mehr“, gilt ganz sicher nicht, wenn es um das Gärtnern mit Blumenzwiebeln geht. Erst mit größeren Stückzahlen lassen sich solch opulente Gartenbilder erzielen, wie ich sie hier bestaunte. Kurzum, es war um mich geschehen! Seitdem wird nun jeden Herbst in unseren Beeten fleißig nachgelegt, auch um neue Sorten und spannende Farbkompositionen auszuprobieren. Das Gärtnern mit Blumenzwiebeln ist herrlich kreativ! Peter und ich sind Gartenfotografen mit Leib und Seele. Schon beim Pflanzen malt man sich die schönsten Bilder aus und kann es im Frühjahr kaum erwarten, das Resultat zu sehen und im Bild festzuhalten. Die Zwiebeln sind es, die mich bereits im ausklingenden Winter fast täglich in den Garten locken: mal schauen, was schon aus der Erde spitzt. Schneeglöckchen und Elfenkrokusse machen den Anfang. Alsbald folgen Schneestolz, Blausternchen, Balkan- Anemone und Wildtulpen. Richtig üppig wird es ab Mitte April. Da kann es schon mal passieren, dass ich zu spät ins Büro komme. Auf einem morgendlichen Garten-Streifzug mit der Kamera ist die Zeit schnell vergessen!

» Gartenblick: Tulpentraum am Niederrhein

Susanne PausBesonders verführerisch, geradezu märchenhaft ist die Stimmung, wenn gemeinsam mit den Obstbäumen die hohen Tulpen und verschiedenste Narzissen blühen, umwoben von blauen Vergissmeinnicht. Was mich an den modernen Tulpensorten fasziniert, ist die Fülle der Farben und Formen. Keine andere Zwiebelblume ist für Farbspielereien besser geeignet. Für jedes Inselbeet kreire ich eine andere Komposition. Um es nicht allzu bunt zu treiben, ist Ton-in-Ton die Devise. Mit etwas Phantasie erinnern unsere Beete an die bunten Kleckse auf einer Maler- palette. Sehr dezent wirkt dagegen im vorderen formalen Gartenteil die Kreation in den Eckbeeten. Unter silberlaubigen Zierbirnen (Pyrus salicifolia) ist die grün-weiß gestreifte Tulpe ‘Spring Green’ die Hauptakteurin. Der besondere Clou: Ihr Streifenmuster wird von grün-weiß panaschierten Funkien aufgegriffen. Die Hochzucht-Sorten haben aber auch ein Manko: Die meisten blühen nur im ersten Frühling richtig üppig und lassen bereits im zweiten Jahr deutlich nach. Ein Grund mehr, um im Herbst für reichlich Nachschub zu sorgen. Apropos Nachschub: Vor fünf Jahren haben wir Grundstückszuwachs bekommen. Es stimmt, 1000 Quadratmeter hätten eigentlich reichen sollen. Aber konnten wir Nein sagen, als unser Nachbar einen Teil seines Gartens in unsere Obhut geben wollte? 400 Quadratmeter mehr, welch ein Platz für neue Ideen! Und für Blumenzwiebeln! Die Rasenfläche haben wir dicht an dicht bestückt. Seitdem freuen wir uns auch noch über eine kunterbunte Frühlingswiese.
Susanne Paus
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