Taglilien – mit Suchtpotenzial

Themen: Taglilien
Helga Mischers Taglilien

Auf schmalen, weich federnden Holzschnitzelpfaden taucht der Besucher immer tiefer ein in die orange, gelb, rot, rosa, lila und weiß anbrandende Taglilien-Flut.

Ein adrettes Klinkerhäuschen mit Lattenzaun und Rosenbogen. Im Garten dahinter Rasenflächen, Beete mit Ziersträuchern und Stauden, Obstgehölze, ein Sitzplatz, Schuppen, Brennholzstapel, die Wäscheleine ... Eben alles, was man so braucht, blickdicht umschlossen von einer übermannshohen Ligusterhecke. Plötzlich öffnet sich darin ein schmales Tor. Ein Lichtstreif dringt durchs dunkle Heckengrün, lockt, verspricht, lässt ahnen. Und dann: Farbe, Farbe, Farbe! Hunderte Taglilien in allen Nuancen, Größen und Formen ziehen sich als breites Blütenband zum Flüsschen Ilmenau und den angrenzenden sattgrünen Wiesen. Als hätte ein expressionistischer Maler im Schaffenswahn seine Eimer und Dosen umgestoßen und den sanft abfallenden Hang hinabgerollt. Helga Mischer kennt sie bereits, die verblüfften Reaktionen und entgeisterten Ausrufe ihrer Besucher: Schon seit einigen Jahren nimmt sie an den Offenen Gärten in der Region Uelzen teil. Und auch Fachpublikum schaut öfter vorbei.

» Bilder: Helga Mischers Taglilien

Ilmenauer BuntspechtUnbestreitbar, dass wir es hier mit einer Pflanzennärrin im allerbesten Sinne zu tun haben. Eigentlich hätte man es ahnen können: Bereits bei der Einfahrt ins beschauliche Emmendorf leuchteten uns – ungewöhnlich genug – dicke Taglilientuffs aus den Verkehrsinseln entgegen: Helga Mischer hat sie großzügig bepflanzt. Jetzt im Juli, zur Hauptblütezeit, nimmt sich die Berufstätige wie jedes Jahr drei Wochen frei, um ganz für ihre Leidenschaft, dem Züchten von Taglilien, da zu sein. „Das ist schon eine kleine Sucht. Mein erster Gang morgens führt mich immer direkt zu den Sämlingsbeeten“. Den ganzen Vormittag verkreuzt Helga Mischer dann vielversprechende Sorten miteinander und hält ihre Arbeit per Notizbuch und Kamera fest. „Eine Vorliebe für Taglilien hatte ich schon immer. Dank des Internets entdeckte ich ab 2003 obendrein die unglaublichen Züchtungen aus den USA. Damit war’s endgültig um mich geschehen.“ Es folgten rege Kontakte zu anderen Hemerocallis-Liebhabern. Saatgut wurde verschenkt oder getauscht und bereits wenig später reckten in den Beeten die ersten eigenen Sämlinge ihr schlankes Laub ins Licht.

» Waldlilien: Eine Liebe auf den ersten Blick

Helga MischerAber warum gerade Taglilien? „Kaum eine Staude hat so eine Vielfalt zu bieten. Außerdem ist sie wirklich pflegeleicht. Man muss sie weder anbinden noch die Horste ständig teilen. Alle zehn Jahre genügt. Bei enger Pflanzung bedecken die Blätter den Boden bald so dicht, dass Unkraut kaum noch durchkommt.“ Und: Im Gegensatz zur altbekannten braunroten Bahnwärter-Taglilie, Hemerocallis fulva, wuchern die Sorten nicht. „Sie können zudem erstaunlich viel Trockenheit ab“, erklärt Helga Mischer. „Die Blüten bleiben zwar kleiner, die Pflanzen gehen aber nicht kaputt.“ Auch dass die Ilmenau öfter mal über die Ufer tritt und einen Teil der Beete flutet, ist ihr Beweis für die robuste Konstitution ihrer Schützlinge. Nur reiner Sandboden, das ginge gar nicht. Folglich füllt die Tagliliensammlerin in jedes ihrer großzügig bemessenen Pflanzlöcher zunächst einen guten Eimer Kompost. Und verrät uns nebenbei einen handfesten Tipp: „Probieren Sie’s mal mit Rasenlangzeitdünger. Damit habe ich beste Erfahrungen gemacht.“ Außerdem sei ein sonniger Standort ausschlaggebend für intensiv ausgeprägte Farben und weit geöffnete Blüten. Wer dann noch früh, mittel und spät blühende Sorten kombiniere, könne von Mitte Juni bis Mitte August unablässig in Taglilien schwelgen.

» Praxis-Tipps: Taglilien züchten

Bei so vielen Vorzügen wundert es nicht, dass sich inzwischen 850 registrierte Sorten und an die 500 eigene Sämlinge im Garten Mischer tummeln. Sind da selbst üppige 2500 Quadratmeter nicht auch irgendwann mal voll? „Ich gebe zu, die Phloxe, Schafgarben, Herbst-Astern und anderen eingestreuten Begleitstauden werden zwangsläufig immer weniger. Aber was soll ich tun, ich
brauche den Platz für meine Taglilien?!“ Mitfühlende Nachbarn haben bereits weitere Flächen angeboten. Bisher hat Helga Mischer diese Offerte nicht angenommen. Doch wer weiß?
Saskia Richter




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