Rosengarten und Blackbox Gardening - das spannende Spiel mit dem Zufall

Dornröschen-Romantik am Haus

Dornröschen-Romantik am Haus mit ‘Alchymist’, Clematis ‘Walenburg’ und Damaszener-Rose ‘Mme Hardy’ in Weiß.

Es kommt immer wieder einmal vor, dass etwas, das man nie vermisst hat, plötzlich den Takt des Lebens vollständig bestimmt. So wie bei Doris und Konrad Bunzmann, die einmal glaubten, auch ohne Garten leben zu können.

Ganz wie die Jungfrau zum Kind sei sie zu ihrem Garten gekommen, erklärt uns Doris Bunzmann, noch während wir die lange Zufahrt entlangschlendern. Wir kommen nicht weit, nicht mit der Geschichte ihrer Gartenliebe wie auch im wörtlichen Sinn.

Rosen und Hecken - eine gute Partnerschaft

Der Weg führt entlang einer kompakten, akkurat gestutzten Eibenhecke. Doch eben diese klar abgrenzende und Schutz gewährende Hecke registriert man tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Irgendwie ist sie in dieser Zeit der Fülle nur das ordnende Band für die überbordende Blütenpracht der hinter ihr aufwallenden Rosen.

Verheißungsvoll und ganz wie zu einer stürmischen Begrüßung haben sie sich über die Halt gebende Hecke gelegt. Die Eiben sind aber außerdem der ruhig grüne Hintergrund für ein unglaubliches Millefleur-Spektakel entlang des Pflasterweges.

» Rosen vom Gärtner - zu Besuch in einer Rosenschule

Blackbox Gardening - dem Zufall eine Chance geben

Wir gehen nicht weiter, ohne zuvor die flirrenden Details dieses Schauspiels zu ergründen. „Faszinierend, nicht wahr?“, meint die Gärtnerin. „Meine große Leidenschaft heißt Blackbox-Gardening. Die Bezeichnung kenne ich erst seit ein paar Jahren, aber sie umschreibt sehr gut, worum es geht: Ich spiele mit Pflanzen, die sich gerne und reichlich selbst aussäen.“

Wie gebannt bleibt mein Blick am Leinkraut haften, das mir hier entschieden höher als im eigenen Garten erscheint. „Es ist eine meiner Lieblingsstauden“, interpretiert die Gärtnerin meine Mimik. Und ja, sie haben richtig guten Boden, Schwemmland, ewig lange als Weide für Kühe und Pferde genutzt. Auch deshalb gedeihen die Rosen, von denen wir bereits einen Vorgeschmack zu kosten bekamen, ganz vorzüglich.

Obwohl: Das doch raue Klima zwischen Frankenwald und Fichtelgebirge schränkt die Auswahl etwas ein. Was sie aber nicht davon abhält, auch mal ein Risiko einzugehen. Sie zeigt auf eine zartrosa Schönheit über der Eibenhecke: „Diese Rose habe ich nur wegen des Namens gekauft, ‘Mme Louis Lévêque’, das ist pure Poesie! Dass ich mit ihr auch eine der winterhärtesten aller Moosrosen in den Garten holte, war purer Zufall.“

» Spannendes Blackbox Gardening

Rosenkinderstube hinter Buchsbaumhecken

Unterdessen haben wir das Blütenband aus fröhlichen Selbstaussäern, aus Spornblumen, Frauenmantel, Storchschnäbeln, Mutterkraut, Witwenblumen und Vexiernelken hinter uns gelassen und sind im einstigen Küchengarten der Familie angelangt. Die hohen Fichten in Nachbars Garten beschatten das im Eck angelegte Karree mit Buchseinfassung.

Nie und nimmer konnte Gemüse wachsen im Schatten und Wurzeldruck der alten Fichten, aber diese Erfahrung muss man als Gartenneuling erst einmal machen. Auch die beiden Harlekin-Weiden, die properen Türsteher rechts und links vom Hauseingang, würde die Gärtnerin heute nicht mehr setzen.

Und da kommt doch noch die Geschichte von der Jungfrau und dem Kind: „Einen Garten habe ich früher nie vermisst, wir hatten uns in der Stadt nett eingerichtet.“ Schließlich konnte sich die einstige Auslandskorrespondentin, mittlerweile Vollzeitmutter von zwei Knaben und zwei Mädchen, den Vorzügen des Lebens auf dem Lande nicht länger verschließen. Vor allem der Kinder wegen.

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Ein Rosenbuch und der Beginn einer großen Liebe

„Da stand nun das Haus, und es gab Handlungsbedarf. Wie legt man eigentlich einen Garten an?“ Es kam zum berühmten Schlüsselerlebnis: Auf der Suche nach Inspiration gab es die spontane Einladung der alten Dame in der Buchhandlung: „Da kommen Sie mich doch einmal besuchen!“ Gesagt, getan: Waren das Rosen! Dann las sie „Alte und Englische Rosen“, den Buch-Klassiker von David Austin. Ungefähr zwanzig Jahre ist das alles her.

Ehemann und Söhnen den Bolzplatz im Garten abspenstig zu machen, war gar nicht so leicht. Heute ist Konrad Bunzmann, Lehrer und Pflasterprofi wider Willen, bekennender Nutznießer der Gartenidylle. „Die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut.“ Begeistert zitiert er den Theologen Augustinus, doch bevor wir ins kleine Latinum abdriften, ergänzt er weit weniger prosaisch: „Männer von Gartenfrauen müssen etwas leidensfähig sein.“

» Der große Rosenschnittkurs

Selbstverlegtes Pflaster - vielfältige Formen und Ideen

Gibt die Entstehungsgeschichte der Kleinpflaster-Terrasse am Haus zum Besten: „Die Steine hat meine Frau alleine ausgesucht. Und ich habe von Mai bis November gebraucht, sie zu verlegen.“ Klar, in Bögen und mit außerformatigen Steinen als Hingucker. Nicht eben Lehrers erste Berufung. Doch der Schweiß ist vergessen, die Freude blieb.

Gartenbesucher reden manchmal von der vielen Mühe, die so ein Garten doch macht. Die Gärtnerin kontert dann: „Es ist ein Vergnügen, keine Arbeit.“ Befreundete sich mit Gleichgesinnten. Gartenfrauen-Kreis nennen sie ihre Runde, die immer wieder mal zusammenkommt, nicht allein um Erfahrungen und Pflanzen auszutauschen. Statt ins nächstgelegene Spa fahren sie gemeinsam in die Rosenschule von Louis Lens in Belgien, dessen Sorten es ihr besonders angetan haben.

Ansteckende Rosenleidenschaft

Sie spricht von der Freundin aus der Oberpfalz, die sie mit ihrer Leidenschaft für Moschata-Rosen ansteckte. Obwohl die auch einmal ganz herunterfrieren. Doch sie blühen dafür im Herbst dann noch mal so schön. Von ihrem Erfolg mit Rosen beflügelt, zieht Doris Bunzmann von ihren Lieblingssorten selbst Nachwuchs aus Stecklingen heran.

Entdeckte nebenbei ihre Liebe zu einfach blühenden Sorten wie ‘Pleine de Grace’, die ein wahrer Insektenmagnet ist, und experimentiert mit den kanadischen Explorer-Rosen, die extrem winterhart sind. Sehr vielfältig sind ihre Erfahrungen, und sie gibt sie immer gerne an Besucher der „Offenen Gartentür“ weiter.

Elke Pirsch



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