Rosen soweit das Auge reicht

Gartenteich mit Boot

Viele Kilometer hatte der alte Zirkuswagen gesammelt, ehe er hier seinen Ruhestand antreten konnte. Aus dem Baum duftet ‘Paul’s Himalayan Musk’.

Wir sind zu Besuch in Angeln. Ein idyllischer Landstrich ganz im Norden Schleswig-Holsteins. Marina Demant erinnert sich an die Anfänge ihres Gartens:

„Unsere vier Kinder waren noch klein, und Babysitter gab es bei uns nicht. Da war es schwierig, abends mal auszugehen. Wir haben also in die 4000 m2 große Wildnis hinterm Haus einfach Wege gemäht. Abends, wenn die Kinder endlich im Bett waren, haben wir hier Spaziergänge unternommen, fühlten uns weit weg, obwohl wir doch ganz in der Nähe blieben.“

35 Jahre ist das nun her. Aus dem Kreuzundquer der Wege und Wiesenstücke wurden im Lauf der Zeit Gartenräume. Peu à peu nahm sich Marina Demant jeden einzelnen vor, machte sich daran, ihn zu bepflanzen und zu gestalten. Doch stets stand nach kurzer Zeit ihr Mann Hans-Georg parat, mit dampfendem Kaffee auf dem Tablett. „Pause!!“ Ein Sitzplatz musste dann her, gleich an Ort und Stelle, eben ganz nach Bedarf – und blieb.

» Bilder: Rosen soweit das Auge reicht

Schrittweise zum Paradies

Man mag es kaum glauben, doch dieser abwechslungsreiche, strukturierte Garten mit all seinen vielen Sitzecken verdankt seine heutige Form allein diesen spontanen Eingebungen. „Einen Garten auf dem Reißbrett zu entwerfen, würde mir nie einfallen. Der Garten bietet mir die Möglichkeit, draußen etwas zu tun. Das liebe ich. Umso besser, wenn das Ergebnis der Arbeit auch noch schön aussieht.“ So viel Pragmatismus! Wie kommt man da ausgerechnet auf die liebliche Königin der Blumen?

„Rosen sind Diven, sie brauchen Betreuung. Und ich kümmere mich gerne. Als die Kinder eben das nicht mehr wollten, kamen die Rosen.“ Nun ja, ganz so nüchtern war es dann doch nicht. „Ein Besuch im Rosarium in Glücksburg hat mich wirklich berührt. Das war so etwas wie ein Initialfunke.“

» Rosen über Rosen

Viele historische Sorten

Heute ist Marina Demant leidenschaftliche Rosensammlerin. Etwa 1000 Sorten hat sie mittlerweile. Ihre Lieblinge sind die erst gelborange und später rosaweiß blühende ‘Ghislaine de Féligonde’ mit betörendem Duft. Und die halbgefüllte, dunkel purpurrote ‘Rotes Phänomen’. „Ihre Blüten sind nicht so ordentlich, sondern schön zauselig!“

Etwa die Hälfte ihrer Sammlung besteht aus Historischen Rosen. Also Sorten, die bereits vor 1867 gezüchtet wurden. Sie alle blühen so überschwänglich reich und mit berückendem Duft, dass sich ihr Flor meist in einer jährlichen üppigen Blühphase im Juni/Juli erschöpft.

» Pilzkrankheiten und Schädlinge an Rosen

Sorten von Rudolf Geschwind

Die andere Hälfte der Sammlung setzt sich aus den oft mehrfach blühenden Modernen Rosen zusammen, darunter vor allem Englische Rosen und Züchtungen von Rudolf Geschwind. „Auf Geschwind bin ich durch seine ‘Prinz Hirzeprinzchen’ aufmerksam geworden. Mein Mann heißt doch mit Nachnamen Prinz. Und obwohl ich diese eine Sorte bisher noch nicht im Garten habe, war das ein Glückstreffer!“

Denn: Züchtungen von Rudolf Geschwind, zwischen 1860 und 1910 entstanden, zeichnen sich durch ausgezeichnete Frosthärte aus – hier, so kurz vor der dänischen Grenze, die raue Ostsee 7 km entfernt, ein besonders wünschenswertes Merkmal. Auch die Stürme toben heftig. 2013 hätte Tief Christian der 180 Jahre alten Eiche beinahe den Garaus gemacht. Trotzdem fährt die Familie nur selten mal in den Süden – lieber lädt sie die Welt zu sich ein.

» Rosen richtig schneiden

Ein Zirkuswagen als Gartenlaube

Am Wochenende des „Offenen Gartens“ kamen im vergangenen Jahr 900 Gäste! Neben Rosenfans kommen vor allem Natursteinliebhaber auf ihre Kosten. „Alle Treppen und Mauern haben wir aus Steinen errichtet, die wir auf unserem Grundstück gefunden haben. Ganz dicke Brocken haben wir dabei auf Kelten-Art bewegt: Einfach viele kleine Steine  unterschieben und auf bocken!“

Bei so viel Kreativität kam ein Gartenhäuschen aus dem Baumarkt natürlich nie in Frage. Ein Zirkuswagen sollte es sein. „Beim Zirkus werden regelmäßig Modelle ausrangiert. Da gibt’s ein gutes Angebot im Internet.“ Ob er noch fahrtüchtig ist? „Na klar! Wir wollten ein mobiles Gartenzimmer... Falls man doch noch mal ganz schnell einfach weg will.“ Wer weiß, vielleicht besuchen Sie Familie Demant-Prinz gleich noch in diesem Jahr. Nur so zur Sicherheit.

Kerstin Ackermann



Rosen in den Startlöchern

Ein Rosengärtner braucht Geduld. Vor allem hier oben im Norden, wo zuweilen bis in den Mai hinein Schnee liegt. Die Rosenblüte im Beitrag fotografierten wir erst am 8. Juli! Zwei Wochen zuvor waren wir aber schon einmal zu Gast gewesen, um uns von der Vorhut der Königin einstimmen zu lassen. Wir wurden nicht enttäuscht.

Die Rosenbeete leuchteten bereits in den Pastelltönen von Margerite ‘Robinsons Rosa’ und Akeleiblättriger Wiesenraute (rosé), Katzenminze, Storchschnabel ‘Rosemoor’ und Himmelsleiter (Polemonium, alle violett), von Großblütigem Ziest (purpur) und Mohn ‘Marlene’ (burgunderrot).

Für ein natürliches Bild, das sich gut in die freie Landschaft integriert, dürfen sich auch Einjährige im Rahmen der Beete selbst aussäen. Klatsch-Mohn und Phacelie ließen sich das nicht zweimal sagen, und grüßten hier und da mit ihrem stets von Bienen umsummtem Flor. Ein überraschend schöner Anblick. Denn meist wird die Phacelie nur als Gründünger genutzt.
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