Lenes Landlust

Der Garten Fiebig

Die Aussicht in die sanfte Hügellandschaft verbauen weder Zaun noch Hecke. Die Hanglage, durchaus nicht ganz leicht zu meistern, hat auch ihre Vorzüge.

Als gute Katholikin sollten Sie eigentlich wissen, dass man sonntags keine Wäsche aufhängt ... Über diesen Eintrag im Gästebuch konnte Magdalene Fiebig zuerst nicht lachen: „Da hat mich aber jemand gründlich missverstanden.“ Es gibt eben auch komische Situationen, wenn man an der „Offenen Gartenpforte“ teilnimmt. Die sind zum Glück aber ganz selten. Die „Offene Pforte“ im Sauerland steht jedes Jahr unter einem anderen Motto. Das macht diesen besonderen Tag noch ein bisschen spannender. Wer hat diesmal die originellsten Ideen? Magdalene Fiebig besitzt noch wunderschöne weiße Spitzenhemdchen und liebevoll von Hand bestickte Kissenbezüge aus der guten alten Zeit. Quer durch das kleine Bauerngärtchen, vom Apfelbaum zur Birne, zog sie die stilechte Sisal-Wäscheleine, kramte die alten Holzklammern hervor und drapierte Omas wertvolle Mitgift. Welch ein Auftritt! Der Eintrag ins Gästebuch hat Magdalene Fiebig die Lust am Dekorieren nicht nehmen können: Auch am Tage unseres Besuches flattern Omas Hemden im lauen Lüftchen.

» Bilder: Der Garten von Magdalene und Klaus Fiebig

Garten FiebigAuch die Gartenpforte öffnet sie weiterhin gern für Gäste. Und erzählt mit einem Schmunzeln, dass nach einer solchen Veranstaltung das hübsche Leinenhandtuch für immer unauffindbar blieb. Es hatte zum Stilleben auf dem alten Küchenherd gehört. Der Verlust ist längst verschmerzt, schließlich verfügt die Gärtnerin mit dem Händchen fürs Inszenieren über einen bemerkenswerten Fundus an einzigartigem Trödel. „Ich bin leidenschaftliche Sperrmüll- Sammlerin“, bekennt die Frau. „Alte Holzfenster, Krüge mit Sprung, das kann man doch nicht einfach wegwerfen!“. Zu vielen Stücken gibt es eine Geschichte. Zum Beispiel die von der alten Laterne: „Ich war ganz glücklich, als ich sie dem Trödler für 20 Euro abschwatzen konnte. Schließlich habe ich ein Budget. Dann meinte der Schmied: Lass’ die mal pulverbeschichten, damit sie hält. Am Ende kostete sie mich stolze 200 Euro!“ Nein, kein Bedauern. Der Garten ist Lebenselixier und Passion. „Das erste Foto von mir zeigt mich im Garten mit Oma und einer kleinen Hacke in der Hand.“ Ein Erklärungsversuch?

» Gartenblick: Wunderwelt am Bach

Magdalene Fiebig ist im Ort ihrer Kindheit geblieben. Die Eltern gaben ein Stück Wiese her, auf dem baute sie mit Ehemann Klaus vor 30 Jahren ihr Haus. Sie hörte auf den Bauern aus der Nachbarschaft und pflanzte erst einmal zwei Jahre lang Kartoffeln ... bis sich Stück um Stück der Bauerngarten entwickelte, von dem sie träumte. „Ich wollte nichts Exotisches, ich wollte einen Gemüsegarten, Äpfel, Rosen und Bartnelken. All die alten Bauerngartenblumen, die mir seit Kindertagen vertraut sind.“ Vor allem die Bartnelken dürfen in keinem Gartensommer fehlen. „Sie erinnern mich an meine Großeltern, ich rieche den Duft, und die Erinnerungen sind da.“ Die eigentlich zweijährigen Bauerngarten-Klassiker kann sie oft über mehrere Jahre halten, weil sie gleich abschneidet, was verblüht ist. Die Pflanzen treiben dann wieder durch. Die Saison ist im Sauerland kürzer als anderswo. Ende Mai gibt es oft noch Spätfröste, viele bestellen den Garten erst ab Juni. Zum Glück gibt es das Gewächshaus. Da werden Mitte April schon Fingerhut, Spinnenblume und Rittersporn ausgesät, sonst wird es nichts mit der bunten Pracht. Trotzdem geht nicht alles glatt. Die Fingerhüte blühen zwar pünktlich, aber in Purpurviolett und nicht etwa lachsrot, wie es auf der Tüte stand. Und die Rosen bekommen immer wieder mal einen Dämpfer, weil es einen harten Winter gab. Die ‘American Pillar’, im Grunde sehr frosthart, blüht nur jedes zweite Jahr, einfach weil sie herunterfriert.

» Gartenblick: Juwel im Moor

Magdalena und Klaus FiebigDass es auch nach 30 Jahren gelegentliche Rückschläge gibt, ficht die Gärtnerin wenig an. Manchmal aber ärgert sie sich. Zum Beispiel über die neue Beet-Einfassung aus Ilex im Bauerngarten. Der 30 Jahre alten Buchshecke hatte der Buchsbaumpilz den Garaus gemacht. Kleinblättrige Ilex crenata sollten ihn ersetzen. Ein Kahlfrost mit  Minus 14 Grad hat einen großen Teil der Pflanzen hinweg gerafft. „500 Pflanzen, jede für einsneunundsiebzig, das ist eine Menge Geld. Nein, die Empfehlung war nicht gut!“ Und so reden wir mitten im Sommer über Kälte und Schnee, über den Winterblues und das Wundermittel dagegen: „Wir machen Feuer im Garten, laden die Leute aus dem Kegelclub ein und ziehen mit Glühwein durch die Beete, das ist etwas Wunderbares. Oder ich dekoriere den alten Hörnerschlitten und die Holz-Ski mit Windlichtern und Zapfen. Und wenn das nicht hilft, ziehe ich mich in den gemütlichen Sessel zurück, beschrifte Pflanzenschilder, wälze Kataloge und Gartenzeitschriften, schmiede Pläne ...“ „... und denkst dir neue Aufträge für mich aus“, meldet sich Ehemann Klaus schließlich doch noch zu Wort. Er ahnt schon, was ihm so blühen wird. Und freut sich sogar darauf.
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