Lavendel ist Leidenschaft

Lavendel ist Leidenschaft

Die heitere Gelassenheit, die der mediterran anmutende Garten im Fränkischen ausstrahlt, ist auch seinen Bewohnern eigen: Einfach mal laufen lassen, ist die Devise der Gärtnerin.

Nur selten wird hierzulande ein Garten gewagt, dessen Ausstrahlung von wenigen, dafür aber mit großer Geste eingesetzten Pflanzenarten lebt. Im Garten von Renate Reuter ist der Lavendel das Thema, um das sich alles dreht, dem nur weniges Beiwerk zugestanden wird. Ausgerechnet Lavendel, die duftende Mittelmeer-Schönheit. Hierzulande gilt sie ja als eher unzuverlässig. Wir sind im Steigerwald! Nun wird Unterfranken, genauer Mainfranken, ein relativ mildes Klima bescheinigt, und die Gärtnerin hat sich nicht von ungefähr für ihre Lavendel-Terrassen entschieden: „Ich habe den Garten, den wir vor zehn Jahren hier vorfanden, genau beobachtet.

Was wächst auch ohne mein Zutun? Ich wusste, wir sind nicht immer hier, und der Garten muss sich auch mal selbst helfen, ohne zusätzliches Wasser, ohne regelmäßige Pflegeeinheiten auskommen. Und ich wollte auch nicht mit jeder Rückkehr bei Null anfangen. Das klingt jetzt ganz einfach, das war es natürlich erst einmal nicht. Auch dieser Gedanke musste erst reifen. Anfangs habe ich kistenweise Pflanzen gekauft, doch übers Jahr war alles weg. Und dann habe ich geschaut, was gut wächst, habe herausgelesen, was ins Klima passte.“

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Lavendel ist LeidenschaftAls Renate und Gerd Reuter ihr Traumhaus in der alten Heimat fanden, glich es eher einem Dornröschenschloss. Die Mauern waren zugewuchert mit Rosen, und die Schönheit des Sandsteins, aus dem nicht nur das junge Haus, sondern auch die Strukturen des Hanggartens gebaut waren, konnte man nur erahnen. „Drei Jahre haben wir gerodet und gerupft, dann nahm mein Konzept Gestalt an: Statt Unkraut und Gras gab es Lavendel, Lein und Mohn.“ Die Mauern wurden wieder zu dem, was sie sein sollten: Gestaltungselement und Blickfang. Bald stellten sich Eidechsen ein, die sich auf dem warmen Stein sonnen, und von den Fugen ergriffen allmählich die Semperviven Besitz. Das klingt nach Selbstlauf, ist es aber nicht.

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Gegossen wird nie, das stimmt schon. Und es wird auch nicht ständig nachgepflanzt. Die Gärtnerin pflanzt in Massen, was sich erwiesenermaßen gut hält. Auch beim Lavendel gibt es manchmal Ausfälle, der Frost macht schließlich keinen Bogen um den Steigerwald. Längst aber hat er sich ausgesät und an Nachschub mangelt es nie. In Sachen des persönlichen Geschmacks gibt es keine Kompromisse: Nicht zufällig wachsen die helleren Lavendelsorten, alle namenlos, doch bewährt, auf den obersten Terrassen. So wirkt der Hang viel luftiger, heiter gar.

Und der orangerote Klatschmohn, der sich zuverlässig aussäte und anfangs auch bleiben durfte, war dann doch zu intensiv und wurde durch den pastellig rosa blühenden Schlafmohn ersetzt. Mittlerweile ist auch er ein Selbstläufer. So wie der Blaue Lein, ein zierlicher, nie aufdringlicher Gast, der sich leicht im Zaum halten lässt. Rosa, Weiß und Blau-violett dominieren, Gelb gibt es dagegen gar nicht. „Ich will kein Gelb, es gefällt mir nicht.“ Eine Englische Rose in hellem Gelb durfte dennoch bleiben, etwas abseits neu eingesetzt. Die Gärtnerin hofft allerdings, dass niemals jemand auf die Idee kommt, ihr Narzissen oder Forsythien zu schenken.

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Lavendel ist LeidenschaftDoch wie ist das nun mit dem pflegeleichten Garten, der sich selbst hilft? Renate Reuther versichert, dass ihr Konzept aufging. Sie arbeitet dann im Garten, wenn sie es möchte, und nicht etwa, weil kapriziöse Pflänzchen umsorgt werden müssen. Nur noch selten muss sie Unkraut zupfen, das halten Bodendecker, wie Teppicherdbeeren, Thymian und Storchschnabel in Schach. Einmal im Jahr, nach der Blüte, möchte allerdings der Lavendel komplett herunter geschnitten werden. Das erledigt sie meist um Mitte August. Die oberste Reihe, die vor dem Haus, bleibt unberührt, denn dort sollen sich im Winter die Vögel über die Samenstände hermachen. Das tun sie dann auch, und geschnitten wird am Aschermittwoch, „weil da ein freier Tag ist.“ Vielleicht, weil die Arbeit im Garten längst keine Last mehr ist, wird sie immer mehr zur Lust: Neben und hinter dem Haus hat Renate Reuther ihren „Weißen Garten“ angelegt, mit weißen Rosen und Spornblumen, Schneeball-Hortensien, Tränendem Herz und Funkien.

Vor drei Jahren entstand ein kleiner Weinberg am Südhang, ein Wunsch ihres sonst in Gartendingen eher zurückhaltenden Mannes Gerd. Etwa 2000 Quadratmeter terrassierter Hang lassen doch allerlei Wünsche zu. Sogar eine kleine Obstbaum-Allee: je zwei Apfelbäume, Kirschen, Zwetschgen. „Zwischen all den Blumen muss es etwas zum Hingreifen und Naschen geben, deshalb auch die Erdbeeren und Johannisbeeren im Felsenbeet.“ Und so leuchtet dann im Herbst doch sattes Gelb, allerdings in Gestalt von Früchten: Renate Reuter schätzt nicht nur den Duft der Quittenfrüchte: im Schnellkochtopf, mit Apfel, Ingwer und Zucker gekocht, stellt sie daraus leckeren Saft her.
Elke Pirsch
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