Gartenbesuch in den Niederlanden: Ein Frühlingsgarten ohne Tulpen

Linden begrenzen den Garten

Die Frühlingssonne bringt das frische Blattgrün der Linden, den gepflegten Rasen und den kräftigen Neuaustrieb der Stauden zum Leuchten. So strahlen die hellgrünen Blätter von Maiglöckchen ‘Hardwick Hall’ mit dem rostroten Mahagonigras (Uncinia ‘Rubra’ ) und dem Karminrot des Purpurglöckchens um die Wette.

Eine „steife Brise“, also starker, böiger Wind, war der ständige Begleiter während unserer Rundtour durch frühlingsschöne Gärten der Provinz Noordoostpolder nahe des niederländischen IJsselmeeres.

Sprichwörtlich heftiger Gegenwind schlug seinerzeit auch Wies Voesten entgegen, als sie im Jahr 1985 zusammen mit Ehemann Gerrit das Grundstück umgestaltete. „Lauter Zierpflanzen in den Garten setzen, einfach nur fürs Auge? So etwas macht man nicht, nur ein Nutzgarten ist ein richtiger Garten“, bemängelten die Schwiegereltern ihre Pläne. Und dass die junge Gartenbesitzerin ihre Beete ohne Geraden, Winkel und Ecken anlegen wollte, sprengte erst recht die Konventionen der Polderbewohner.

Wies setzte sogar noch eins drauf: Entgegen holländischen Gepflogenheiten brachte sie nicht eine einzige Tulpenzwiebel in den Boden. Dafür wartet das 4000 Quadratmeter große Areal mit einer Fülle besonderer Stauden auf, darunter Exoten wie die Kobralilie (Arisaema), Ingwer-Orchidee (Roscoea) und Knabenkraut (Dactylorhiza), oder echte Raritäten, etwa gelber Schöllkrautmohn (Stylophorum), zarte Hänge-Goldglocke (Uvularia grandiflora) oder zäher Rauling (Trachystemon orientalis).

» Bilder: Ein Frühlingsgarten ohne Tulpen - in den Niederlanden

Faszinierenden Staudenvielfalt

Anstelle von Tulpen begrüßen Traubenhyazinthen (Muscari), Blaustern (Scilla), Lerchensporn (Corydalis) sowie Balkan-Windröschen (Anemone blanda) den Frühling. Narzissen leuchten Besuchern nicht aus dem Garten, dafür aber aus der 55 Meter langen Rabatte am Parkplatz hinter den Scheunen entgegen. Dieses Novum niederländischer Gartenkultur kommentierten frisch vom Tulpen-Eldorado Keukenhof angereiste Gäste mit: „Haha, endlich mal keine Tulpen!“

Die Garten-Autodidaktin erinnert sich schmunzelnd: „Am Anfang habe ich alles falsch gemacht. Ich habe Stauden, die im Spätherbst schon eingezogen waren, einfach gekauft und gepflanzt – ohne zu wissen, wen ich da vor mir hatte.“ Aus Fehlern wird man klug: Heute ist die versierte Pflanzenkennerin Vorsitzende des Staudenvereins.

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Effektvolle Kombinationen mit Blattschmuckstauden

Sie hat ein Faible für Blattschönheiten, die sie auf den geschwungenen Pflanzflächen gekonnt kombiniert: Rote Blätter von Purpurglöckchen, Japan-Blutgras und Knöterich, dauergrünes Laub von Leberblümchen und herzblättriger Beesia, weiß und gelb panaschierter Blattschmuck von Giersch (Aegopodium podagraria ‘Variegata’), Sterndolde (Astrantia major ‘Sunningdale Variegated’), Lungenkraut und Alpenveilchen.

Ihrer beträchtlichen Funkien-Sammlung, welche ausgepflanzt die Beete, in Töpfen den Schattensitzplatz schmückt, lässt sie besondere Pflege angedeihen: „Damit sie so üppig wachsen, versorge ich sie mit Kunstdünger, der wegen der Gefahr von Verbrennungen nicht auf die Blätter gelangen darf. Außerdem verteile ich abgelagerten Pferdemist. Den bestelle ich gleich fuhrenweise zusammen mit Elly von ‚De Goldhoorn Gardens‘ , die im Rahmen der ‚Helleborustage‘ und der ‚Bollenroute‘ ebenfalls ihre Pforten öffnet.“ Übrigens: Der Garten heißt ‚De Stekkentuin‘, weil Wies anfangs nur Ableger und Steckhölzer gepflanzt habe. Mittlerweile gedeihen hier viele Pflanzen so gut, dass sie sie gerne an Besucher abgibt.

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Was es mit dem Wasser auf sich hat

„De Stekkentuin“ befindet sich in einer guten Lage: Relativ gemäßigtes Klima durch die Meeresnähe sowie nahrhafter Lehm-Sandboden, der nur gelegentliche Wassergaben benötigt. Das Wässern allerdings hat so seine Tücken: Das Brunnenwasser in 40 Metern Tiefe war zu salzhaltig. Deshalb bohrte man noch mal acht Meter tief bis zu einer Süßwasser führenden Schicht.

Wieso eigentlich Süßwasser? Wies klärt uns auf: „Früher war das IJsselmeer viel salzhaltiger. Aber durch den Deichbau wurde es zum Binnenmeer. Es kam kein Nachschub an Salzwasser mehr, und durch Niederschläge sowie Flusswasser wurde es verdünnt und immer salzärmer. Das Salz wurde in tiefere Bodenschichten ausgewaschen.“

Arbeitsteilung bei der Gartenpflege

Heute sind die Voestens, die früher auf einer Fläche von 18 Hektar Landwirtschaft betrieben, leidenschaftliche Freizeitgärtner. Dabei waltet die klassische Arbeitsteilung: Ehemann Gerrit übernimmt alle vier bis fünf Tage das Rasenmähen per Benzin-Spindelmäher und einmal pro Monat das Düngen. Regelmäßig sticht er die Rasenkanten sauber nach, entfernt je nach Aufkommen Beikräuter.

Wies hat ein Händchen fürs Pflanzen und Pflegen der Stauden und Frühlingsblüher. Damit ihr die Pflanzen nicht über den Kopf wachsen, teilt sie diese, nimmt Ausläufer ab, gewinnt Stecklinge aus Rückschnitt und gibt sie an Pflanzenfreunde ab. Und so nimmt Wies mit ihrem schönen Frühlingsgarten ohne Tulpen allen Zweiflern den Wind aus den Segeln. 

Karin Wachsmuth


De Stekkentuin als Ausflugsziel

Der Garten kann zu bestimmten Zeiten besucht werden, z.B. an einigen Tagen im März zu den "Helleborus-Tagen" und am "Open Weekend" im Juni und auch später im Jahr. In der Nähe befinden sich weitere schöne Gärten, die ebenfalls manchmal für Besucher geöffnet sind. Ausführliche Informationen zum Garten und zu Besuchsterminen unter www.destekkentuin.nl/
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