Garten der Kompromisse

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Den "Garten der Kompromisse" nennen Petra und Bernhard Gausling ihren Garten. Warum und wieso im Münsterland Birnbäume scheinbar zweimal blühen, haben wir bei unserem Besuch in Schöppingen erfahren dürfen.

Gut 250 Jahre zählt der alte Birnbaum von Petra und Bernhard Gausling. Gerade steht er in voller Blüte, schneeweiß mit einem Schuss Rosa. Doch Moment mal! Im Juni blühen keine Birnen! "Das bringt viele ins Schwimmen", lachen die Besitzer. Auch Nachbar Andi hat die späte Blüte schon bemerkt: "Wat is mit Deinem Birnbaum, blüht der jetzt zweimal?"

Doch der Reihe nach. Wir sind im Münsterland, einer flachen Landschaft mit Feldern, Bauernhöfen und Resthöfen, die nicht mehr bewirtschaftet werden. So wie der von Petra und Bernhard Gausling. Auf reichlich einem halben Hektar Wiese rund um das alte Bauernhaus entstand in 25 Jahren ein Landgarten mit Sommerblumen, 60 verschiedenen Historischen und Englischen Rosen, Gemüse, Kräutern, einem Obstgarten. Dennoch kein gewöhnlicher ländlicher Garten. Ganz besonders präsentiert sich der Bauerngarten mit Stockrose und Fingerhut, Malve und Muskatellersalbei, Glockenblumen und Päonienmohn, dazwischen Gemüse. "Wieso gestaltet?" bremst Bernhard Gausling meine Begeisterung. "Alles purer Zufall!"

Der Samen kam mit dem Kompost auf die Beete, keimte. Die Sämlinge durften bleiben – zum Glück. Apropos Kompost: Mineraldünger haben die Beete, Rabatten und Gehölze seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen. Überhaupt ist Recycling ein fester Grundsatz in diesem Garten. Selberbauen und Improvisieren geht vor Neukaufen. Daher auch der Name "Garten der Kompromisse". "Wir gestalten gern mit alten Dingen – die eben gerade zur Verfügung stehen und sich gut einfügen." Plastikstapelstühle sind längst Geschichte. "Darüber sind wir hinaus." Pflanzenschutzmittel? Auf keinen Fall! Läuse werden hier von Meise und Zaunkönig vertilgt. Schädlinge gibt es kaum.

Wichtig ist auch die natürliche Anmutung der Rabatten und Gehölzflächen. Längere Sichtachsen gibt es wohl, vorherrschend sind aber die geschwungenen, geheimnisvollen Pfade, die sich irgendwo im wilden Grün verlieren. Doch nur scheinbar, denn wer ihnen folgt, findet mitunter Überraschendes: ein Gartenzimmer mit Kiesflächen und Fuchsienstämmchen im Tonkübel, den Bauerngarten, die Obstwiese oder den kleinen Japangarten. Voneinander abgetrennt sind verschiedene Bereiche mit streng geschnittenen Hecken aus Hainbuche, Rotbuche und Liguster. Bernhard Gauslings Spielwiese: Streng heißt schließlich nicht langweilig. Da stehen an der Grundstücksgrenze schon mal zwei Hecken hintereinander, eine mannshohe und davor eine niedrigere mit geschwungener Kontur. Vom Heckenschnitt der rund 250 m Hecke erholt sich der gelernte Dreher auf einem seiner "Feierabendbänksken".

Eine Hecke ersetzte die letzte Gartensünde der Siebziger – eine Reihe hoher Fichten. Im schattigsten Eck, dem Märchengarten kann sie der Besucher noch finden. Eingegraben mit den nackten Wurzeln nach oben! Der Kontrast zur puren Üppigkeit, die sonst vorherrscht. Kahle Flächen mag Petra Gausling nämlich überhaupt nicht. Bäume und Sträucher dürfen Wege beschatten, Staudenpolster vorwitzig Wegeplatten erobern. Selbst der geradeste Gartenweg scheint mit dem Rest des Gartens verwoben. Da wundert es nicht, dass die Gartenbesitzerin etwas für raumgreifende Kletterrosen wie ‘Kiftsgate’, ‘New Dawn’ oder ‘Bobby James’ übrig hat.

Warum nun aber der Birnbaum zweimal blüht? Eine Ramblerrose der Sorte ‘Paul’s Himalayan Musk’ ist neben dem mächtigen Birnenstamm gepflanzt und hat die Obstbaumkrone längst in Besitz genommen. Ihren Blütenflor könnte man glatt für Birnenblüten halten – nur aus der Entfernung natürlich! Dieses Spektakel sollten Sie sich nicht entgehen lassen! Jedes Jahr zur Rosenblüte, sonst nach telefonischer Absprache, öffnen die Gauslings ihre Gartenpforte.

Rezept-Tipp von Petra Gausling: Rosenblütensirup ‘Abraham Darby’
Eine große Handvoll Rosenblüten von den bitteren Blütenböden und von den Staubgefäßen befreien. Die Blütenblätter in ½ l kochendes Wasser geben, kurz aufkochen und 15 Min. ziehen lassen. Abseihen, Saft einer Zitrone und 500 g Zucker in den Sud geben. Nochmals aufkochen, in saubere Flaschen füllen und fest verschließen. Der Sirup hält mindestens vier Wochen. Kühl und dunkel lagern.
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