Ein Stück Heimat

Garten Fleming

Im Fleming-Garten entstanden großflächige Tuffs aus verschiedenen Stauden: hier Phlox und Chinaschilf.

Es gibt Gartenräume, und es gibt Lichtungen. Im Garten von Evelyn und Christian Fleming in Potsdam verschmelzen sie. Und sie erinnern die beiden an die Heimat, den Harzer Wald.

» Bilder: Der Garten Fleming

Links schieben sich weißgerandete Funkienblätter in den Rasenweg, rechts eine zart rosa blühende Herbst-Anemone. Jetzt wird’s eng! Die üppigen Staudentuffs machen den Weg an dieser Stelle sehr schmal. An einen Waldweg soll dieser kleine Kniff erinnern. Denn hinter diesem Engpass öffnet sich ein kleiner, geborgener Gartenraum wie eine Lichtung. Das macht neugierig. „Ich mag es, auf eine Lichtung hinauszutreten. Ins Licht.“ Das erinnert Evelyn Fleming an die Wälder im Harz, an ihre Heimat. Die kleinen Lichtungen und verwunschenen Pfade sind das Thema im Garten von Evelyn und Christian Fleming in Potsdam, nahe von Schloss Sanssouci und dem Krongut Bornstedt.

Manchmal führt der Weg auch durch eine dämmrige Schlucht aus Bäumen und hohen Sträuchern, und immer ist ein heller Gartenraum das Ziel. Wie die kleine Waldlichtung, die man nur über einen Pfad aus Golderdbeeren erreicht. Im Frühjahr blüht hier der Lerchensporn. Es ist einer der Lieblingsplätze von Evelyn Fleming. Diese Ecke wirkt verwunschen, erinnert ein wenig an einen Märchenwald. Das mag auch an den skurrilen Baumwurzeln liegen, die Christian Fleming hier sammelt.

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Geschlitztblättriger EssigbaumAngefangen hat die Gartenleidenschaft vor etwa 30 Jahren, als die Flemings den ehemaligen Obsthof kauften: einen Dreiseithof mit Wohnhaus, Stall und Kutscherhaus. Hier lebten Bauern, die vor allem Obst und Spargel anbauten und ihre Ernte mit Kutschen ins rund 30 km entfernte Berlin brachten. Der Garten war ziemlich verwildert und musste erst einmal aus- gelichtet werden. Bleiben durften ein paar der Obstbäume: ‘Werdersche Frühe’, eine Süßkirsche, die Apfelsorten ‘Goldparmäne’, ‘Roter Boskop’ und ‘Zuccalmaglio’ und vier Walnussbäume, allesamt knorrige, alte Bäume. Gerade die Walnüsse machen es den Gärtnern nicht leicht. Im Herbst fallen die Nüsse mitten in die dicht bepflanzten Staudenrabatten.

Alle Nüsse aufzusammeln, gelingt nur selten. So kommt, was kommen muss: Im Laufe des Jahres wachsen dann überall die kleinen Walnuss-Schösslinge, die entdeckt und entfernt werden möchten, bevor sie zu kleinen Bäumchen heranwachsen. Um die alten Obstbäume herum entstanden nach und nach die Gartenräume. Neue Gehölze wurden gepflanzt. Wie die Tanne, ein Mitbringsel aus dem Harz, ein weiteres Stück Heimat. Im Frühling blühen darunter weiße Tulpen. In den geschwungen angelegten Rabatten sind flächig gepflanzte Blattstauden wie Funkien und kleine Gehölze die Stars. Ihre Strukturen und Grüntöne sind so abwechslungsreich, dass man Blüten gar nicht vermisst. Ein Garten in Grün, das war der Wunsch von Evelyn und Christian Fleming, nur getragen durch die unterschiedlichsten Blattstrukturen.

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Blüten spielten eher eine untergeordnete Rolle. „Es sollte nicht so bunt sein, so ein Durcheinander!“ Evelyn Fleming probiert viel aus, lässt verschiedene Arten ineinander wachsen. Golderdbeere, Storchschnabel und andere Bodendecker umschließen die Beete wie eine Bordüre. Beeindruckend, wie abwechslungsreich Beete in Grün gestaltet werden können: mit Funkien, mal mit grünen, mal mit metallisch-blauen Blättern, mal mit weißem Rand, mit filigranen Farnen, daneben Chinaschilf und Spindelstrauch mit kleinen, dunkelgrünen Blättchen. Selbst die Gehölze machen mit auffälligen Blättern auf sich aufmerksam, wie der Geschlitztblättrige Essigbaum (Rhus typhina ‘Dissecta’) und der Kugel-Trompetenbaum (Catalpa bignonioides ‘Nana’).

Der Tipp, nicht kleinklein zu pflanzen, kam vom Nachbarn über den Gartenzaun. Es war der berühmte Gartenarchitekt Hermann Göritz (1902–1998). „Lassen Sie es ineinander wachsen“, empfahl er. Und „Gärtnern für intelligente Faule“, nannte es Karl Foerster, der Potsdamer Staudenkenner. Pflegeleicht zu gärtnern ist eben keine Erfindung unserer Tage. Und es funktioniert schon seit Jahren prima. Probleme mit Unkraut kennen die Flemings nicht. Und trotzdem bleibt kaum Zeit, sich auf die Holzbank im englischen Stil zu setzen und den Garten zu genießen. Irgendwas verlangt eben immer ihre Aufmerksamkeit.

Evelyn und Christian Fleming Die vielen Stauden müssen in Zaum gehalten werden, gerade dann, wenn die Stärkeren die Schwächeren zu überwuchern drohen. Unterstützung bekommt Evelyn Fleming von ihrer Mutter Edith. „Wir schauen in eine Gartenecke und wissen beide sofort, was zu tun ist.“ Und Christian Fleming ist eher für die „groben“ Gartenarbeiten wie Rasenmähen zuständig. Übrigens, blühen darf es mittlerweile auch, vor allem in Weiß, Rosa und Blau. Neben der Borstigen Robinie (Robinia hispida) haben auch Rosen, Herbst-Anemonen und Phlox Einzug gehalten. „Manchmal ist mir der Phlox zu bonbonfarben,“ erzählt Evelyn Fleming, „aber er erinnert mich an den Garten meiner Großmutter.“
Natalie Fassmann
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