Ein reizendes Chaos

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Seit sie sich einst zufällig beim Friseur trafen, sind Friseurmeister Rolf Fiedler und der pensionierte Beamte Erhard Blesing gute Freunde. Gemeinsam sind sie durch den Osten der Republik gewandert und waren begeistert von den großen, prachtvollen Gartengrundstücken, die sie unterwegs entdeckten. Rolf Fiedler bewirtschaftete zusammen mit seiner Frau zwar auch einen 700 Quadratmeter großen Garten – doch der drohte bei seiner Sammelleidenschaft für Fuchsien und Funkien alsbald aus allen Nähten zu platzen.

Und da kam im Jahr 2006 das Angebot, ein großes, verlassenes Grundstück im nahen Falkensee zu kaufen, gerade recht. Auch so ein großes! 2300 Quadratmeter Fläche! Der Schatten zweier alter Eichen sollte hier doch für ein angemessenes Fuchsien-Sommerquartier ausreichen. Gesagt - getan! Seither verbringen Rolf Fiedler und Erhard Blesing, der sich stets tiefstapelnd als „Unkrautzupfer“ bezeichnet, jede freie Minute im Garten: der eine vormittags, der andere nachmittags. Zwei Stunden sieht man sich täglich. Höchstens. „Das reicht zum Streiten.“ Fiedler lacht. Und am Ende macht dann doch jeder, was er möchte. Nun ja, ein wenig sieht man das dem Garten auch an. Ein streng durchdachtes Konzept mit Sichtachsen, Wegverläufen oder farblich harmonierenden Beeten sucht man hier vergebens. Na, und?

Trittsteine führen von dem höher gelegenen Holzhaus am Anfang des Grundstückes in die Fläche hinab. Ein „Trampelpfad“ umrundet anschließend den ausgedehnten Präriegarten mit einjährigen Sommerblumen und prachtvollen Stauden wie Phlox, Sonnenauge, Indianernessel und Stauden-Sonnenblume. Ein kunterbuntes Blütenspektakel, bei dem es „die Kunst ist, dass die Pflanzen nicht nebeneinander, sondern übereinander wegwachsen“, so Rolf Fiedler. „Das verhindert nackten Boden, und den gibt es in der Natur ja auch nicht“. Chaotisch, mit einem Hang zum Gigantischen – meinte einst eine Gartenfreundin der beiden.

Und sie hatte schon Recht: Alles, was groß und mächtig ist, darf hier durcheinander wachsen. Ein Kunststück ist das tatsächlich, denn der brandenburgische Streusandboden gibt solch üppiges Wachstum eigentlich nicht her. So haben die beiden viel über die Verbesserung der Bodenstruktur, zielgerichtete Düngung und Humusaufbau gelernt. Seither fördern Kompost, Kalk und Bentonit das Bodenleben. Auch die mittlerweile etwa 300 Sorten umfassende Fuchsiensammlung im „Versteckten Garten“ unter den zwei Eichen wird liebevoll umsorgt: Ein Teil der Pflanzen überwintert in Berlin und wird erst nach den Eisheiligen wieder hierher geschafft. Und Besonderheiten, wie ‘Venus victrix’, die Urmutter aller weißblauen Fuchsien, werden jedes Jahr neu aus Stecklingen gezogen.

Die Freude am Wachsen und Gedeihen wirkt wie ein Jungbrunnen auf die zwei Herren. Man sollte es nicht glauben: Beide sind über 70. Dabei voller Elan, Ideen und Visionen. Das Holzhaus zum Beispiel wird erst in Angriff genommen, wenn der Garten irgendwann einmal „fertig“ ist. Wann das sein wird? Egal. Auf alle Fälle ist der alte Wunsch nach einem großen Garten nun endlich in Erfüllung gegangen. Denn, so sagte einst der Schriftsteller Alfred de Vigny: „Ein erfülltes Leben ist ein im reifen Alter verwirklichter Jugendtraum“.

Kerstin Ackermann
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