Direkt an der Quelle

Themen: Gartenblick
Garten von Maucher und Prommersberger

Einige Sommerblumen wie Tagetes oder Zinnien haben ihre Kinderstube in einem der beiden großen Gewächshäuser. Nachtkerzen, Spinnenblumen, Königskerzen und Argentinisches Eisenkraut suchen sich ihr Plätzchen dagegen stets selbst.

Nur den quellegespeisten Brunnen gab es schon, als die beiden Männer vor 15 Jahren den verwahrlosten Hof übernahmen. Verwilderter Garten ringsum, ein verfallener Schuppen, weder Stromversorgung noch Wasseranschluss. Dafür aber, und das war wertvoller als alles andere, ließ der Vermieter ihnen völlig freie Hand. Thomas Prommersberger und Uli Maucher konnten ihrer Phantasie auf diesem Fleckchen Erde freien Lauf lassen, ihre Träume von Selbstversorgung, Blumenpracht und Dahlien-Sammlung (mittlerweile 200 Sorten!) umsetzen, Raum für die Werke befreundeter Künstler schaffen, sich schließlich beinahe selbst verwirklichen. „Beinahe“, weil ein großes Ziel noch aussteht: Haus und Garten möchten die beiden irgendwann der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, einen Ort der Begegnung schaffen, an dem Menschen aufeinandertreffen. Begeistertes Publikum immerhin ist ihnen jetzt schon gewiss, denn ihr Garten ist ein wahres Eldorado für Dahlien-Sammler, Kunstinteressierte, Freunde alter Gemüsesorten. 5000 Gäste, die jährlich Anfang September zum Gartenfest erscheinen, sprechen für sich!

» Bilder: Der Garten von Uli Maucher und Thomas Prommersberger

Der Garten Maucher und PrommersbergerDoch von Anfang an: Als wir gegen Mittag den Hof inmitten einer hügeligen Wiesen- und Waldlandschaft erreichen, werden wir mit einem lebhaften „Hallo! Schön, dass Ihr da seid!“ begrüßt. Wir sind also gleich beim Du. Thomas übernimmt die Gartenführung und erklärt, wie das hier läuft: Er, Thomas, herrscht mit Maßband und Richtschnur über den Gemüsegarten. Uli kümmert sich um die Blumen, um das Natürliche und Verspielte. Obwohl: „Mittlerweile darf Uli auch beim Gemüse mithelfen, weil ich das alleine nicht mehr schaffe. Also – mittlerweile ist Uli eigentlich mein Gärtner“, ergänzt Thomas schmunzelnd. Ob Uli das denn auch so sieht, frage ich vorsichtig. „Das wird er wohl müssen!“ Dennoch scheinen auf den ersten Blick Uli´s Blumen den Ton im Garten anzugeben. Was vielleicht auch daran liegt, dass wir die beiden im Spätsommer besuchen, der Hochsaison der einjährigen Sommerblumen. Diesen nämlich gilt Uli´s Vorliebe. Vier Meter lange Sonnenblumen wuchern zwischen dem Gemüse in die Höhe. Allesamt wilde Arten, nicht diese neuen Züchtungen, die kaum noch Nektar und Pollen für die Bienen liefern. Dazu herrliche Spinnenblumen, Zinnien, Argentinisches Eisenkraut, Tagetes… was sich aussät, darf meist auch am selbstgewählten Platz bleiben. So hat auch der Dreiteilige Zweizahn (Bidens tripartita) Glück gehabt. Anfangs für eine überwinterte Dahlie gehalten, wurde er beim Unkrautjäten verschont. Nun hat er eine beachtliche Größe erreicht und „wir haben halt das Unkraut zur Blume gemacht. Das hat sonst keiner!“

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Thomas PrommersbergerDie Achtung vor allem Lebendigen teilen die beiden uneingeschränkt miteinander. So sät Thomas sein Gemüse stets in Einzelkornsaat, „damit jeder Samen seine Chance hat.“ Und der Verzicht auf Chemie oder torfhaltige Blumenerde ist ohnehin selbstverständlich. Ihre Aussaaterde machen die beiden selbst, aus reinem, gedämpftem (und dadurch sterilem) Kompost. Die Dämpf-Vorrichtung aus alten Waschkesseln funktioniert wie eine Espressomaschine: Wasser im Kessel wird zum Kochen gebracht und dampft dann etwa eine Stunde lang durch die Erde, die auf einem Sieb darüber ausliegt. Unkrautsamen haben so keine Chance mehr, und das ist wichtig. Denn bei Uli und Thomas wird alles in schwarzes Kompostgold verwandelt, auch Samen- und Wurzelunkräuter, sogar Disteln und Quecke. Dass auch dort, wo unbehandelter, nicht sterilisierter Kompost verwendet wurde, kein Unkraut sprießt, erklärt Thomas so: „Die Beete, auf die das vorgezogene Gemüse gepflanzt wird, bereite ich immer nach dem gleichen Schema vor. Zuerst den Boden glattrechen, Kompost drauf, angießen. Das erste keimende Unkraut abwarten und wegrechen. Erneut gießen und den zweiten Unkrautschwung abwarten. Nachdem auch der entfernt ist, wird erst gepflanzt!“ Mit dieser Methode zieht er pro Saison etwa 2000 Salate an und Tomaten von 47 verschiedenen Sorten, darunter ‘Ochsenherz’, ‘Green Zebra’ und ‘Ziegenzitzen’. Bei solch einer Gemüsefülle leben auch die Nachbarn quasi „direkt an der Quelle“. Als während unseres Interviews eine junge Frau nach Zwiebeln fragt, meint Thomas nur „Du weißt ja, wo alles wächst“. Selbst wenn die beiden im Urlaub sind, steht ihr Garten offen. Oft finden sie bei der Heimkehr dann etwas Geld unter der Fußmatte und ein Zettelchen: „Wir haben uns einen Salat gemopst“. Vielleicht, so scheint es, ist ihr großer Traum von einer Begegnungsstätte, von einem öffentlichen Garten, doch gar nicht mehr so weit weg.

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Thomas Prommersberger und Uli MaucherDennoch wissen die beiden schon jetzt, dass sie nicht ewig in ihrem ländlichen Idyll bleiben wollen. „Wir heizen zum Beispiel nur mit Holz. Irgendwann ist man zu alt dafür.“ Einhelliges Traumziel für den späteren Lebensabend ist Hamburg, allein schon wegen Planten un Blomen und dem herrlichen Dahliengarten! „Da weht doch einfach nochmal ein ganz anderer Wind!“

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