Der Garten ist nur die Kulisse

Der Bonsaigarten von Rolf Maeter

Mehr als 100 Kiefern, Buchen, Hainbuchen stehen bei Rolf Maeter im Kleinformat in Töpfchen und getöpferten Schalen.

Rolf Maeter aus dem westfälischen Steinfurt ist seit fast einem Vierteljahrhundert Bonsai-Liebhaber. Um den Miniatur-Pflänzchen einen repräsentativen Rahmen zu geben, hat er einfach einen japanischen Garten drumherum gebaut.

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Darauf können Sie wetten: Wohl jeder, der durch das Tor des Maeter-Gartens im Münsterländischen Steinfurt tritt, bleibt mit den Augen erst einmal an dem keinen Holzschildchen hängen. Und wer fragt, hört von Rolf Maeter: „Daimichi bonsai kai no kyu kun.“ Dabei lächelt er, denn Sie sind jetzt wahrscheinlich immer noch nicht schlauer. Nun, dann lösen wir’s mal auf: Die Lehre vom langen Weg zum Bonsai, bedeuten die japanischen Schriftzeichen auf dem braunen Holz. Ja, Rolf Maeter ist ein Bonsai-Fan.

Mehr als 100 Kiefern, Buchen, Hainbuchen stehen im Kleinformat in Töpfchen und getöpferten Schalen. Und Ahorne natürlich, die spät im Jahr immer wieder mit ihrer Herbstfärbung begeistern. Schon seit 24 Jahren sammelt und formt er die faszinierenden Pflanzen-Miniaturen. Doch der Garten ist viel jünger. Erst vor zehn Jahren zogen Doris und Rolf Maeter in das hübsche Häuschen im Münsterland. Und die ganzen Bonsais kamen mit.

Eine Herausforderung für jeden Bonsai-Freund ist wohl die Antwort auf die Frage: Wie präsentiere ich die Pflanzen-Prachtstücke wirkungsvoll? Denn machen wir uns nichts vor: Wenn dann Gäste kommen oder gar Freunde aus der Bonsai-Gesellschaft, dann soll doch auch die Kulisse stimmen. Und so unglaublich es für manche klingen mag: Bei Maeters ist der Garten als Kulisse entstanden. Rolf Maeter lacht: „Erst waren die Bonsais da, dann haben wir den Garten rund herum gebaut. Das passt!“ Und wie.

Ganz stilecht entstand auf 600 Quadratmetern scheinbar ein Kleinod japanischer Gartenkunst, in dem sich die typischen Elemente originalgetreu immer wieder finden lassen: Ein Koi-Teich, dessen Filter-Technik geschickt unter dem Holzdeck der Terrasse versteckt wurde, Steinlaternen, ein Wasserspiel mit Bambus, kunstvoll geschnittene Koniferen, Azaleen und Rhododendren sowieso und Steine, die wie Felsbrocken aus dem Meer ragen. Nur der Rasen als Meer sei nicht typisch. Dieser Hinweis ist Rolf Maeter wichtig. Im Original finden sich da eher zu Wellen geharkte Kiesflächen. Gut, fast hätte man es schon vergessen, wir sind ja auch in Deutschland.

Bonsaigarten MaeterDas Teehaus im Garten. Irgendwann einmal sahen die Maeters einen Film, der diesen Namen trug. Rolf Maeter war fasziniert, nahm einen Stift und begann zu skizzieren. So entstand die Vorlage für das hübsche Häuschen mit dem Schilfdach und den Japanpapier-Fenstern, das jetzt im Zentrum des Gartens der Hingucker ist. Er baute es gemeinsam mit einem Freund dorthin, wo einst nichts als Wiese war. Und es hat durchaus seine Funktion. Doch dazu gleich. Maeters öffnen ihren Garten jedes Jahr und gern für Besucher. Doris Maeter, die im nah gelegenen, bekannten Steinfurter Kreislehrgarten arbeitet, hat dort den Termin für die „Offene Gartenpforte“ an die Wand gepinnt, und so findet mancher Interessierte den Weg nach Klein-Japan.

Dort erlebt dann der Gast den ans Original angelehnten traditionellen Maeter-Brauch: Nach Ankunft betritt er das „Wartehäuschen“, das Koshikake-machiai (rätselt hier wohl über die am Anfang erwähnten Schriftzeichen auf dem braunen Holz) und wird dann abgeholt. Auf dem geschwungenen Gartenpfad, dem Roji, geht’s hin zur Teezeremonie, der chado, im bewusst schlicht eingerichteten Teehaus mit seinen typischen Seidenpapier-Fenstern. Kurze Augenblicke der Besinnung folgen, bevor die Neugier auf die Bonsais gestillt werden darf. Der Garten soll Ruhe auf kleinsten Raum ausstrahlen, sagt Rolf Maeter. Für die Familie, für die Gäste. Ein wunderschöner Kontrast in einer lauten Zeit. Wer Ruhe sucht, wird sie hier finden. Schon durch die Pflanzenauswahl wirkt der Garten still, keine Blütenköpfe hoher Stauden schaukeln im Wind, keine Blätter rieseln von bewegten Gehölzen. Unaufgeregte Formen und Farben bestimmen das Bild.

Bonsaigarten MaeterUnd die Bonsais? Sie haben bei Rolf Maeter Platz genommen auf Steinstelen oder auf Regalen, wo sie sich in Reih und Glied wie eine grüne Wand präsentieren. Alles andere ist Kulisse rundum, so wie es gewünscht war. Und – es lassen sich mit den Miniaturen erstaunliche und verblüffende Bilder zaubern. Eine Gruppe Pflänzchen erinnert unvermittelt an einen Nadelwald. Der Trick dabei: Die dickereren Stämmchen werden vorn platziert, die dünneren dahinter. So erhält das Bild urplötzlich Tiefe und wirkt täuschend echt. Überhaupt der Trick beim Bonsai: Die Äste werden mit Draht in Form gebracht. Dabei wird darauf geachtet, dass sich die Äste nicht gegenseitig das Licht wegnehmen. „Wohl aus jeder heimischen Pflanze, lässt sich ein Bonsai machen“, so Rolf Maeter.

Auch Sohn Robin (21) hat sein Interesse an der japanischen Kultur entdeckt. Einige der Pflänzchen gehören ihm, und im Internet unter www.daibokai.com/de präsentiert er typisch japanische Accessoires.
Christian Gehler
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