Barbara Krasemanns Schlaraffenland

Themen: Gartenblick
Der Garten von Barbara Krasemann

Im Kräutergarten erntet Barbara Krasemann Wermut (Artemisia absinthium). Ein Tee aus Blättern und blütentragenden Zweigspitzen regt den Appetit an und hilft bei Magenbeschwerden.

Ob Alltagskraut oder Gehölzrarität, Barbara Krasemann weiß wirklich jede Pflanze auf ihre Art zu nutzen. Wir waren zu Besuch in ihrem riesigen Sammlergarten und haben ihren Verwendungstipps gelauscht. Selbst die unscheinbare Hauswurz erstrahlte danach in ganz neuem Glanz.

Den Wegweiser zu „Bärbels Garten“ hat der Bürgermeister persönlich in den Ortskern von Dixenhausen gepflanzt. Seit Barbara Krasemann ihre Pflanzengeheimnisse in der Fernsehsendung „Querbeet“ verrät (zu sehen im Bayerischen Fernsehen der ARD), ist sie so etwas wie der Star in der kleinen Gemeinde. Täglich gibt sie Führungen auf ihrem Grundstück. Als wir am Mittwochnachmittag ankommen, befinden sich gerade 50 Damen auf dem Rundgang. Wir hören Barbara Krasemann schon von Weitem, übers Mikrofon: „Dass Berberitzen heute als giftig gelten, liegt daran, dass im Garten nur noch die modernen Sorten wachsen! Die wohlschmeckende Wildart dagegen ist fast ausgestorben. Also, machen Sie Ihrem Baumschuler Beine, dass er die Berberis vulgaris wieder ins Sortiment aufnimmt!“ Als der Akku aufgibt, macht sie ohne Mikro weiter. Heiser bald, da die Stimme schon von der Führung am Vormittag angeschlagen ist. Doch ein rauer Hals kann Barbara Krasemann nicht schrecken.

» Gartenblick: Garten für Jäger und Sammler

Der Wille zum Durchhalten zieht sich durch ihr Leben – auch bei der Gartengestaltung. Eigentlich ein Nordlicht, kam sie vor 32 Jahren nach Bayern, zuerst in eine Wohnung in Nürnberg. Doch sie wollte unbedingt ein kleines Häuschen auf (riesen)großem Grundstück, vier Jahre suchte sie, zwei Makler kapitulierten, und auch der Ehemann, ein Banker, suchte bald sein Heil im fernen Frankfurt. Als die 8500 Quadratmeter große Wiese endlich gefunden war, fing sie also alleine an. Zuerst auf einem riesenhaften drei Quadratmeter großen Papierplan, mit Tesafilm zusammengeklebt. Schließlich brauchten die geplanten elf Gartenzimmer auch auf dem Papier ihren Platz ... Nach 28 Jahren nun ist aus Sämlingen und Stecklingen ein üppiger, teils waldähnlicher Nutzgarten entstanden. Der Plan dazu ist längst zerrissen, doch sie braucht ihn auch nicht mehr. Alles wächst genau dort, wo sie es haben wollte.
Kerstin Ackermann

Bergtee

Griechischer BergteeDer Griechische Bergtee ist eine der edelsten Teesorten Europas. Barbara Krasemann bekam eine Pflanze des Siderites scardica geschenkt, pflanzte sie in den humosen Boden des Kräutergartens – doch Kümmerwuchs war die Folge. Irgendwann aber verhalf der Name „Berg“tee dem Gewächs zum Umzug ins Alpinum. Seither explodiert die Pflanze, samt sich in alle Fugen aus. Für Barbara Krasemann war nun klar: Die Standortansprüche der Pflanzen müssen akzeptiert werden. So karg sie auch stehen mögen. Ohnehin sind die Kräuter armer Standorte stets aromatischer und winterfester als die auf fetten Böden. Vom Bergtee geerntet werden die Blütenstände, manchmal auch Stängel und Blätter. Eine Blütenrispe, in einer großen Tasse aufgebrüht, hilft bei Erkältungen, vielleicht sogar bei Demenz.

» Bilder: Der Garten von Barbara Krasemann

Meerkohl

MeerkohlVergangenes Jahr hat der letzte deutsche Landwirt, der Meerkohl (Crambe maritima) anbaute, aus Altersgründen aufgegeben. Ein Großabnehmer für Edelgemüse wandte sich daraufhin an Barbara Krasemann: Ob sie nicht pro Woche 60 kg Crambe liefern könne? Ein Ding der Unmöglichkeit, aber vielleicht findet sich durch ihren Aufruf ja jemand, der den Anbau in Zukunft übernimmt ... Meerkohl ist ein Sprossengemüse. Nach der Aussaat muss er (wie Spargel) erst drei bis vier Jahre wachsen, ehe er zum ersten Mal beerntet werden kann. Ab dann liefert er aber jedes Frühjahr aufs Neue leckere Sprossen. Sie schmecken am besten, wenn sie wie Rhabarber gebleicht wurden. Denn Bleichen reduziert die Inhaltsstoffe: beim Rhabarber die Oxalsäure, beim Meerkohl das Kohlaroma. Er wird dann butterzart wie grüner Spargel. An Nord- und Ostsee, wo Meerkohl natürlich vorkommt, wird er durch Wanderdünen gebleicht. Im Garten übernehmen das Rhabarbertöpfe. Die Stangen sind bei der Ernte etwa 40 cm lang und werden so geschnitten, dass das Herz der Pflanze nicht verletzt wird. Anschließend den Bleichtopf abnehmen, damit sich der Meerkohl über den Sommer erholen kann. Meerkohl, der nicht beerntet wird, bildet üppige, weiß blühende, duftende Dolden. Auch die unzähligen kugeligen Samenkapseln (Bild oben) sind sehr attraktiv.

Kiwi-Ernte

Pro Jahr erntet Barbara Krasemann mittlerweile um die 1000 Kiwifrüchte. Hauptsächlich von der selbstfruchtenden Sorte ‘Jenny’. Geduld war gefragt: Erst 17 Jahre nach der Pflanzung zeigten sich erste Früchte! Ab Oktober ist Erntezeit, vor dem ersten Frost muss alles abgeräumt sein. Die Kiwis sind bei der Ernte steinhart und müssen für mindestens sechs Wochen bei Zimmertemperatur, in offenen Holzkisten ausgelegt, lagern. Um Weihnachten herum sind sie dann reif zum Verzehr und zur Verarbeitung. Kiwis stammen ursprünglich aus China (daher auch der Name Chinesische Stachelbeere), werden aber seit 1910 vor allem in Neuseeland kultiviert. Sie wachsen als Schlingpflanzen mehrere Meter hoch und benötigen zum Beispiel eine Pergola als Halt. Kiwis schätzen einen feuchten, nährstoffreichen Boden: regelmäßig mit Kompost versorgen!

Buch-Tipp


Geschenke mit GewürzenGeschenke mit Gewürzen aus meinem Garten: Kreative Ideen rund ums Jahr
von Barbara Krasemann

Reich bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen für außergewöhnliche Tees, Öle, Liköre oder Badezusätze aus dem eigenen Garten. Mit liebevollen Tipps für individuelle Verpackungen.
128 Seiten ● Franck Kosmos Verlag, Stuttgart 2012 ● ISBN 978-3-440-14105-2 ● 14,99 Euro

Barbara Krasemann ist Gärtnerin aus Leidenschaft. In ihrem 8.500 qm großen Garten gibt es kaum eine Pflanze, die sie nicht z u Köstlichkeiten und wertvollen Produkten für Körper und Geist verarbeitet. In ihrem Garten bietet sie botanische Führungen an, hält Vorträge und tritt regelmäßig im Fernsehen auf.

» Bärbels Garten: Barbara Krasemann Garten im Internet
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