Arends Staudengärtnerei

Themen: Gartenblick
Arends Staudengärtnerei

Blick aufs Mutterpflanzenquartier der Astilben vor dem Gewächshaus im viktorianischen Stil. Dem Lebenswerk von Georg Arends verdanken wir so wunderbare Sorten wie Astilbe × arendsii ‘Brautschleier’ (creme), ‘Amethyst’ (fliederrosa) oder ‘Fanal’ (granatrot).

Bei unserem Besuch in der Ronsdorfer Staudengärtnerei im Juli flirrt die Luft: Träge Mittagshitze liegt über dem Land. Auf der Suche nach Anja Maubach, Hüterin des traditionsreichen Familienunternehmens, durchstreifen wir die Gärtnerei.

Ein Ort mit Geschichte

Von Wurzeln mächtiger Bäume geformte Pflasterwege stehen für charmante Eigenständigkeit. Historische Gebäude entlang des Hauptweges verbürgen sich für die Geschichte des Ortes: Das großzügige Wohngebäude, in dem einst Urgroßvater Georg Arends mit Familie wohnte, das Gewächshaus mit ehemaligem Orchideenhaus, der Packschuppen, in dem bereits Anfang des 20. Jahrhunderts die Pflanzen für den Versand vorbereitet wurden. In „Opas Haus“, ursprünglich für Mitarbeiter errichtet und zeitweiliger Wohnort des Gärtnerei-Gründers, wohnt heute wieder seine Ur-Enkelin.

An den Gebäuden vorbei gelangen wir zu den Verkaufsflächen für Sonnen-, Halbschatten- und Schatten-Stauden, alle sorgfältig ausgewiesen, per Pflanzenschildchen selbst etikettierbar. Wir begegnen Gärtnern, die Pflanzen ordnen, ergänzen, ausputzen und – wo gibt es das noch? – zu Fragen fachkundig Auskunft erteilen. Weiter geht’s zu den Stellflächen in traditionellen Holzrahmen und den Mutterpflanzenquartieren.

» Bilder: Arends Staudengärtnerei

Arends StaudengärtnereiSchließlich stehen wir vor beispielhaften Pflanzungen, beeindruckend vor allem die historische Felspartie, die vom Staudenzüchter Arends im Jahr 1902 angelegt wurde. Mittlerweile kamen Musterflächen wie der Weiße Garten à la Sissinghurst, das Septemberbeet oder die Chocolate-Border hinzu.

Inmitten all der Pflanzenpracht entdecken wir Anja Maubach – Zeit fürs Gespräch! Als Spross einer Gärtner-Familie ließ sie sich in guter Tradition im Botanischen Garten Tübingen zur Staudengärtnerin ausbilden, studierte dann Landschaftsarchitektur in Weihenstephan.

Geprägt vom englischen Gärtnergeist

Doch beseeltes Gärtnern, „spirit“, wie sie es nennt, erfuhr sie während eines einjährigen England-Aufenthaltes. Anstelle des Gärtnerei-Alltags im reinen Produktionsbetrieb daheim erlebte sie die britische Gartomanie – entschleunigtes Gärtnern mit Leidenschaft!

Und schon sind wir mittendrin in einem ebenso leidenschaftlichen Gespräch: „Die Gärtnerei ist kein Möblierungsort, um anderer Leute Gärten auszustatten. Vielmehr sollten sich die Menschen darauf besinnen, was sie selbst wirklich wollen – nicht dem nacheifern, was der Nachbar hat.“

Bei ihren Beratungsgesprächen und Gartenseminaren sieht sie sich deshalb eher als Brückenbauerin, als Begleiterin innerhalb eines Planungsprozesses. „Es ist schön zu erleben, dass mit etwas Unterstützung Erkenntnisse reifen, welche Ideen man anschubsen kann. Und wie überraschend die Ergebnisse manchmal sind.“

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Gärten und die Träume, die man in sich trägt

Arends Staudengärtnerei„Viele denken, es geht beim Garten nur um die Pflanzen. Dabei geht es um die Träume, die man in sich trägt.“ Denn meist ist es tatsächlich ein Urlaub, der Sehnsüchte weckt: Nach Entspannung, Anregung – vielem, was der Alltag nicht hergibt.

„Man kann dieses Glück auch daheim erleben“, meint Anja Maubach. Warum also Gärten nicht so gestalten, dass man gerne zu Hause ist, dort seinen Urlaub verbringen möchte?

Die Gartenphilosophin empfindet eine tiefe Verbundenheit zur Natur, verehrt die einzigartige Schönheit der Pflanzen. Das findet sich überall in ihrer Gärtnerei wieder: Sie verwandelte die Stauden-Produktionsstätte in einen lebendigen Ort mit stimmungsvollen Gartenbildern.

Eine Gärtnerei mit besonderem Flair

Beete werden zur Jahreszeitenbühne, wo Stauden sich entfalten, im farbenfrohen Zusammenspiel leuchten, in Schönheit vergehen. Eine Streuobstwiese lädt zum Innehalten und Beobachten ein. Hier und da hängen Klangspiele im Garten, unter einem Baum hält die Miniatur einer indischen Gottheit mit Räucherstäbchen Wache. Ein grün-goldenes Tuch schmiegt sich schützend um den Baumstamm.

Bunte Wimpel begrüßen die Kunden – 15.000 von ihnen besuchen jährlich die Gärtnerei. Sie schätzen das besondere Flair des Ortes ebenso wie das breite Sortiment aus nachhaltiger Produktion: Etwa 1400 verschiedene Staudensorten hält Anja Maubach mit ihrem zeitweise achtköpfigen Team auf der zwei Hektar großen Fläche bereit. Jährlich vermehren die Gärtner 100.000 Pflanzen aus eigenen Mutterpflanzenbeständen per Steckling, Aussaat oder Teilung. In Bioerde getopft und mit biologischen Präparaten wie Knoblauchextrakten gestärkt, wachsen sie zu vitalen, sortenechten Pflanzen heran.

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Im vorigen Jahr erhielt die Gärtnerei von Drittklässlern aus der nahen Grundschule Unterstützung. Was als Projektwochen mit Sortieren und Stapeln von Blumentöpfen begann, entwickelte sich zu einer für die Kinder wichtigen Erfahrung. Sie kamen gerne, um zu helfen, aber auch, um Natur hautnah zu erleben.

Zum Dank erhielt die engagierte Staudengärtnerin eine Gedicht- Sammlung: Jeder der Schüler hatte beeindruckende Zeilen über die vier Elemente verfasst, von denen wir aus zweien zitieren. „Das ist nachhaltiges Gärtnern im besten Sinne“, freut sich Anja Maubach gerührt.

Karin Wachsmuth

Gärtner-Tradition

1888 eröffnete Georg Arends seine Gärtnerei im rauen Klima des Bergischen Landes. Sein Ziel: eine Vielzahl robuster, winterharter Gewächse „zur Ausschmückung der Gärten“ zu züchten. Auf Ronsdorfs Blumiger Höh’ erschuf der weltgewandte Gärtner mit Pioniergeist und Engagement rund 350 gartenwürdige Auslesen, u. a. von Steinbrech, Phlox, Bergenien und Astilben. Er war neben seinem Kollegen Karl Foerster aus Potsdam-Bornim der bedeutendste deutsche Staudenzüchter des beginnenden 20. Jahrhunderts.

» Arends Staudengärtnerei im Internet: www.arends-maubach.de
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