Wahre Helden

Armenischer Storchschnabel

Ein Dauerblüher mit großen Blüten, in Sonne so überzeugend wie im Halbschatten. ‘Patricia’ , eine Sorte des Armenischen Storchschnabels, ist einfach perfekt.

Meine Storchschnäbel sind wahre Helden, denn es ist wirklich keine Kleinigkeit, überfahren zu werden und anschließend aufzustehen, als sei nichts geschehen.

Meine Frau sagte: "Nein"! Und ich hab’s doch gemacht. Nicht gerade vorbildlich, ich weiß. Erinnern Sie sich an den Januar 2012? Es war mild, der Boden frostfrei und weich: Mit schlechtem Gewissen und unserem Kleinwagen fuhr ich Streifen für Streifen über die langgezogene Storchschnabel-Fläche unserer Einfahrt und walzte alles nieder. Alles – das waren Maulwurfshaufen und Wühlmausgänge, aber auch die winterlichen Kurztriebe des Storchschnabels (und die vorwitzigen Schneeglöckchenaustriebe). Ja, ziemlich brachial, aber sehr kräfteschonend habe ich das alte Bodenniveau wieder hergestellt. Über die Storchschnäbel streute ich danach zur Besänftigung eine dünne Schicht Kompost, meine Frau bekam eine Streicheleinheit. Jetzt wissen wir, dass alle Pflanzen die Tortur gut überstanden haben. Die Storchschnäbel antworteten mit üppigen Bodentrieben und die Schneeglöckchen blühten, zwar etwas zerdrückt, aber willig. Ich habe wirklich überlegt, ob ich das schreiben sollte. Doch eindrucksvoller kann ich Ihnen meine wahren "Gartenhelden" kaum nahebringen.

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Es ist das weiß-rosa blühende Geranium x cantabrigiense ‘Biokovo’, das da an unserer Einfahrt wächst. Nach der Blüte im Sommer fahre ich auch schon mal mit dem Rasenmäher darüber, um die Pflanzen auf "Unterboden-Höhe" zu trimmen, denn regelmäßig nehmen Autos den Mittelstreifen der Fahrspur zwischen die Räder. Vor 20 Jahren pflanzten wir in die Mitte der Fahrspuren zwei lange Reihen Risslinge, Teilstücke von auseinander genommenen alten Geranium-Pflanzen. Alle wuchsen an. Nach zwei Jahren Unkraut jäten war die Fläche halbwegs "zu".

Das ist sie bis heute. Ein Elternteil der Sorte ‘Biokovo’ ist Geranium dalmaticum – ein rosa blühender Schatz für den Steingarten. Der andere aber ist der Balkan-Storchschnabel, Geranium macrorrhizum, der Schwerarbeiter unter den Storchschnäbeln. Haben Sie Kiefern im Garten, Eichen, Birken oder einen alten Flieder? Alles das sind Stellen, unter denen Stauden nur schwer anzusiedeln oder zu halten sind. Haben Sie da an den Balkan-Storchschnabel gedacht? Ich hab’s getan. Überall, wo ich ihn hinbrachte, hat er die Herausforderung angenommen und mich nie enttäuscht. Oder doch? Ich pflanzte die Sorten ‘Czakor’ und ‘Spessart’. Sie gediehen prächtig.

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Nach drei Jahren kamen an vielen Stellen im Garten kleine Balkan-Storchschnäbel hoch. Die Ursprungssorten waren dazwischen nur noch schwer auszumachen. Und heute? Ich achte den Schwerarbeiter dort, wo er hinpasst. Ab und zu ziehe ich einige Sämlinge heraus, um anderen Pflanzen auch Lebensraum zu schaffen. Aber ‘Spessart’ und ‘Czakor’ sind inzwischen einem bunten Sämlingsgemisch gewichen. Weil es mir auf die Besiedlung schwieriger Standorte ankam, bin ich auch damit glücklich.

Doch wenn Sie mich nach meinem Lieblings-Storchschnabel fragen – da ist noch ein anderer. Es ist Geranium psilostemon ‘Patricia’, eine hochwachsende Sorte (60 cm), die ins sonnige Staudenbeet gehört, zusammen mit Taglilien, Salbei, Sonnenhut, Schleierkraut und Gräsern. Ihre purpurroten Blüten mit schwarzem Auge sind ein echter Blickfang. Sie erscheinen monatelang ab Juli. Keinen einzigen Makel kann ich ihm nachsagen: lästige Sämlinge, unbändiges Wuchern, Krankheiten, nichts dergleichen passierte je. Ich muss gestehen, dieses Geranium weckt in mir Beschützerinstinkte: Nie könnte ich diesen Edelstein mit dem Auto niederwalzen!

Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei "Karl Foerster" in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen.

Geraniumhelden für die Sonne?

Aber ja, es gibt sie! Allen voran den Blut-Storchschnabel, Geranium sanguineum. An trockenen, sonnigen Plätzen unschlagbar. Er wuchert nicht, versamt sich mäßig, wächst kompakt und blüht mehrere Monate lang. Sorten wie ‘Elsbeth’, ‘Max Frei’ oder ‘Apfelblüte’ empfehle ich gern. Vor einigen Jahren sorgte ‘Rozanne’ (links) für Aufsehen. Während sich Botaniker noch uneinig sind, zu welcher Art Storchschnabel die Sorte gehört, hat der hell blauviolette Dauerblüher den Siegeszug durch die Gärten längst angetreten. Für einen Quadratmeter Blühwunder in voller Sonne genügen zwei Pflanzen. Gutes Düngen und Wässern vorausgesetzt. Eben das, allerdings am nicht ganz so sonnigen Platz, erwartet auch der Pracht-Storchschnabel, um wirklich so prachtvoll zu gedeihen.

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