Vergiss mich nicht

Bei Großmutter standen sie hoch im Kurs, die kleinen Blaublüter mit dem nostalgischen Namen Vergissmeinnicht. Noch sind sie nicht ganz in Vergessenheit geraten. Dafür sorgen schon die Schwestern des kurzlebigen Blümchens.

Erinnerung an Kindertage

Bis heute rührt es mich an, wenn ich in einem Garten die niedlichen blauen Blüten sehe. Vergissmeinnicht wecken wie kaum eine andere Blume die Erinnerung an frühe Kindertage. In Zeiten, als Gärten noch für Gemüsebeete, Apfelbäume und Beerensträucher reserviert waren, konnte man die hübschen, kleinen Frühlingsblüher gar nicht übersehen.

Sie mussten zwar mit Plätzen vorliebnehmen, die sich Großvaters Gemüse versagten, doch wie zum Trotze traten sie jedes Jahr an den unglaublichsten Stellen in Erscheinung. Munter lugten ihre Blüten aus den Johannisbeersträuchern, umgarnten die Tuffs von roten und gelben Darwin-Tulpen, legten sich gar mit den Pfingstrosen am Zaun an.

Großmutter wachte darüber, dass die Kräutlein nach der Blüte nicht etwa auf dem Kompost landeten, denn sie sollten sich versamen, um im kommenden Jahr wieder ihren Auftritt zu feiern.

Die Verwandten des Vergissmeinnicht

Jahre später entdeckte ich die geliebten Blüten an einer Pflanze, die so gar nicht zu meinen Bildern im Kopf passte. Es war die erste Begegnung mit dem Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera), der staudigen Schwester. Ich war neugierig und hatte schnell etwa ein Dutzend weiterer Geschwister aufgestöbert: Frühlings-Gedenkemein, Natternkopf, Ochsenzunge und duftendes Heliotrop sind mit dem Vergissmeinnicht durch familiäre Bande vereint.

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Raublattgewächse oder auch Borretschgewächse (Boraginaceae) heißt die Familie, deren zierlichste Sprösslinge ich als erste kennen lernte. Sieh an, auch der Borretsch, ein guter alter Bekannter aus Großmutters Kräuterrondell, gehört zum inneren Kreis. Ebenso Lungenkraut und Beinwell.

Entdeckungen mit dem Charme des Vergissmeinnicht

Eine wichtige jüngere Bekanntschaft möchte ich nicht mehr aufgeben: die Steinsame, Lithospermum. Dieser robuste, niedrige Bodendecker hält Trockenheit und Wurzeldruck tapfer stand und ist die ideale Besetzung am sonnigen Gehölzrand. Die hübschen Vergissmeinnicht-Blüten färben sich im Aufblühen von Rot nach Blau und ersetzen mir das Vergissmeinnicht meiner Kindheit, das im trockenen Sand meines heutigen Gartens nicht so recht gedeihen will.

An den besseren Plätzen im lichten Schatten habe ich diesen Part dem Frühlings-Gedenkemein (Omphalodes verna) übertragen. Die kleine, mattenbildende Staude blüht schon im April überreich und macht sich im Herbst als Laubschlucker nützlich.

Sie sorgt so selbst für das Milieu, das ihr behagt: humos und feucht. Nur den Start habe ich ihr mit reichlichen Kompostgaben erleichtern müssen. Mittlerweile legt sie sich mit ihren Nachbarn an, doch Lungenkraut und Walderdbeere sind ebenfalls frohwüchsig. Man wird das Trio im Auge behalten müssen.

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Auf Schatzsuche im eigenen Garten

Mein Sammeleifer konzentriert sich derweil auf das seltsame Vergissmeinnicht, das einst meine Neugier anstachelte. Dieses Kaukasus-Vergissmeinnicht nämlich hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Karriere als Blattschmuckstaude hingelegt.

Gegen die in feinstem Silber glänzenden Gartensorten nimmt sich die Wildart mit den herzförmigen, nur grünen Blättern recht bescheiden aus. Ihre Sämlinge, die an absonnigen, nicht zu trockenen Plätzen im Garten reichlich auftauchen, werden auch schon mal gejätet. Nicht ohne zuvor die Blätter eingehend zu inspizieren: So manche blattschöne Sorte entstand aus einem Zufallssämling. Die Schatzsuche ist noch längst nicht beendet.

Elke Pirsch
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