Stauden und Kletterer: Clematis und ihr nuancenreiches Blau

Clematis Arabella

Das Blau der Clematisblüten reicht von zarten Nuancen bis hin zu kräftigem Blauviolett. Fotos: iVerde

Erstaunlich, wie unterschiedlich Blau wirken kann: Kühl und sachlich, gleichzeitig aber auch ganz leicht, luftig, fast schon sphärisch. Etwa dort, wo die pastellfarbene Zier einer Clematis ‘Prince Charles‘, ‘Justa’ oder ‘Emilia Plater’ Spaliere erklimmt, sich an Rankbögen schmiegt oder Obelisken umgarnt.

Unvermittelt stellt sich ein Gefühl von Weite ein. Der Blick scheint in das unendliche Azur des Himmels abzuschweifen. Sonnenpunkte flirren über die Blüten, tauchen ihre Staubgefäße in blasses Gold, lassen im Gegenlicht feine zartrosa Adern durchscheinen.

Dann das andere Extrem: Clematis ‘Durandii’. Ihr tiefes, matt schimmerndes Stahlblau, das eher an Gewitterwolken denn an Sommerhimmel denken lässt, entwickelt eine nur geringe Fernwirkung. Vor dunkelgrünem Hintergrund verschwindet sie optisch beinahe.

Ähnlich Clematis ‘Hendersonii’, deren kräftig violettblaue Glöckchen im Angesicht einer Koniferenwand erst zutage treten, wenn man ihnen ganz nahe kommt. Aber wie eindrucksvoll sie dafür benachbartes Gold- und Silberlaub und sämtliche hellen Blüten im Umkreis zum Strahlen bringen! Kein Zweifel, die dunkelblauen unter den Waldreben sind die perfekten Partner zu zarten Creme- und Rosé-Tönen. Und ganz besonders: zu gelben Rosen, die sich sonst nur schwer kombinieren lassen.

» Da ist noch Platz für eine Clematis

Die Farbe und das Licht

Doch sind blaue Clematis tatsächlich blau? Zugegeben, der Begriff ist dehnbar. Meist spielen Violettnuancen hinein, besonders zu Beginn des Blühverlaufs.

Und auch das Licht nimmt Einfluss: An beschatteten Standorten wirkt der Farbton deutlich intensiver als in voller Sonne. Da kommt es uns doch sehr gelegen, dass die meisten Clematis tatsächlich am liebsten im Halbschatten blau machen.

Saskia Richter


„Wir setzen auf robuste Clematis-Spezialitäten“

Irmgard Herian betreibt zusammen mit ihrem Mann Manfred im bayrischen Unterliezheim eine Clematis-Gärtnerei mit über 300 Sorten.

Das Clematis-Sortiment ist zurzeit ja spannend wie selten zuvor …

Das ist es auf jeden Fall. Allerdings wird der Markt nach wie vor überwiegend von großblumigen Hybriden beherrscht. Die versprechen zwar eine reiche Pracht, machen aber viel Ärger, auch bei uns in der Gärtnerei.

Wir setzen mit gesundwüchsigen Clematis viticella-Sorten und Staudenclematis dagegen. Die drücke ich auf Pflanzenmärkten auch gerne mal Kunden in die Hand, die mit Clematis bislang nur Enttäuschungen erlebt haben. Und was glauben Sie: Ganz oft bekomme ich dann im folgenden Jahr  begeisterte Rückmeldungen!

Sind denn alle Großblumigen so heikel?

Nein, nein, es gibt durchaus Sorten, die zuverlässig im Garten gedeihen. Bei den blau blühenden sind das z. B. ‘The President’, ‘Lasurstern’, ‘Perle d’Azur’ und ‘Semu’. Grundsätzlich sind eher die früh blühenden Hybriden von der Clematiswelke betroffen, dem Hauptproblem in der Clematiskultur.

Man kann aber einiges tun, um den Schadpilz auszubremsen: Achten Sie auf eine kräftige Pflanzware, gut durchwurzelt und mit mehr als nur einem dünnen Trieb. Setzen Sie die Clematis außerdem so tief ein, dass zwei Augenpaare in die Erde kommen. Aus ihnen kann sich die Pflanze im Schadensfall neu aufbauen.

Und: Spendieren Sie großblumigen Clematis eine stabile, bis fast zum Boden reichende Kletterhilfe, damit ihre Triebe schnell Halt finden und bei Wind nicht beschädigt werden. Denn Verletzungen bedeuten Eintrittspforten für Pilzsporen. Wichtig ist zudem eine gute Nährstoffversorgung. Schwächliche Pflanzen sind immer anfälliger für Krankheiten.

» Klettern mit Strategie

Falls die Welke aber doch mal zuschlägt?

Dann sollten betroffene Triebe sofort abgeschnitten werden, auch wenn das einen Totalrückschnitt der Pflanze bedeutet. Doch bitte reißen Sie solche Clematis nicht aus: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Hybriden nach zwei bis drei Jahren plötzlich wieder da sind.

Nun zu den robusten Staudenclematis: Sie können nicht klettern. Wie verwendet man sie am besten?

Clematis integrifolia und ihre Sorten werden gerade mal bis zu einem Meter hoch. Ihnen genügt schon eine standfeste Nachbarstaude wie Hohe Fetthenne, ein kleiner Strauch oder alter Wurzelstock, um sich daran anzulehnen. In unserem Garten lässt eine solche Clematis ihre Triebe zudem einfach über eine Mauer hängen. Sehr hübsch!

Die derzeitigen Renner im Sortiment, Clematis der Diversifolia-Gruppe, werden mit bis zu 1,80 Meter höher. Sie sind damit die idealen Partner für Strauchrosen, auch für viele andere Sträucher, durch die sie ihre Triebe einfach hindurchfädeln. Da entfaltet dann z. B. eine Forsythie – nach der Blüte ja eher langweilig – mit Clematis diversifolia ‘Blue River’ plötzlich einen unerwarteten Sommerflor.

Eine tolle Stütze sind außerdem Rankobelisken: In ihrer Mitte schieben sich die Triebe der Staudenclematis schnurgerade nach oben und hängen später malerisch über.

» Stauden-Clematis

Extra-Infos zu Clematis:

Ein Kranz aus himmelblauen und rosafarbenen Clematisranken kann auf der Terrasse sommerliche Leichtigkeit verbreiten. Als Grundlage eignet sich z.B. ein Ring aus Rebenholz, um den die Clematistriebe vorsichtig herumgewunden werden.

Als Schnittblumen sind Clematis noch weitgehend unbekannt. Das wird sich bald ändern: Züchter z. B. in den Nederlanden selektieren neue Sorten von Staudenclematis zunehmend auch im Hinblick auf ihre Vaseneignung.

Staudenclematis sind recht vielgestaltig. Ihre Stärke ist nicht die Größe, sondern ihre Grazie. Dazu kommen außerdem die lang anhaltende Blütezeit und die problemlose Kultur im Garten.
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