So klappt es mit den Vorfrühlings-Alpenveilchen

Teppich aus Alpenveilchen

Ein Cyclamen-Teppich ist kein Zauberwerk, wenn nur ein paar Dinge beachtet werden.

Schon seit Herbst sitzen die Vorfrühlings-Alpenveilchen in den Startlöchern. Ganz vorwitzige hatten bereits im Januar ihre Blüten durch den Schnee gesteckt. Im März gibt es auch für die langmütigsten unter ihnen kein Halten mehr.

Am liebsten unter sich

Ausgerechnet unter den Kiefern, wo sonst kaum etwas wächst, haben sich die bezaubernden Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum) nun breitgemacht. Als ob sie geahnt hätten: Hier rückt uns so schnell keiner auf die Pelle. Denn wenn die kleinen, eigentlich ja sehr umgänglichen Frühlingsboten eines gar nicht mögen, sind das allzu aufdringliche Nachbarn. Am liebsten bleiben sie im Trupp unter sich.

Zwiebelzwerge wie Schneeglöckchen, Winterlinge oder auch mal ein Leberblümchen werden natürlich akzeptiert. Aber alles, was den Austrieb der Winterblätter ab September irgendwie behindern könnte, veranlasst zu baldiger Flucht.

Für mich als Gärtner heißt das: In Alpenveilchenpflanzungen entstehen im Sommer, wenn sie ihr Laub eingezogen haben, Lücken, die nur behutsam gefüllt werden dürfen. Mit Sommerblumen in Töpfen zum Beispiel, die ab September dann wieder das Feld räumen. Und: Unkrautjäten ist wirklich wichtig! So gesehen ist der Platz unter der Kiefer auch für den Gärtner ideal, hier bleibt der Aufwuchs überschaubar.

Wie die Alpenveilchen wohl hierhergelangten? Gepflanzt hatte ich sie einst, ganz nach Lehrbuch, in lockeren, leicht kalkhaltigen Laubhumusboden in den Halbschatten vor der Ligusterhecke. Aber hier fühlten sich auch andere Kandidaten geladen, und die Alpenveilchen entwickelten sich nur dürftig.

» Zwiebeln und Knollen

Ameisen und Alpenveilchen - eine besondere Beziehung

Vielleicht haben ihnen ja Ameisen zu ihrem Lieblingsplatz unter der Kiefer verholfen, wo sie mittlerweile dichte Teppiche weben. Die Samen der Alpenveilchen locken die kleinen Krabbler mit einem nahrhaften Ölkörper, Elaiosom genannt. Die wertvolle Beute wird flugs in den Ameisenbau getragen, wo das Elaiosom irgendwann verspeist wird. Der unbehelligte Samen aber kann in der Dunkelheit des Baus ganz vorzüglich keimen – und sich, wenn alles gut geht, irgendwann zu einer tellergroßen Riesenknolle entwickeln, die ein Menschenalter überleben kann!

Damit ihm das gelingt, sind neben dem Unkrautjäten vor allem zwei Dinge wichtig: Die Knollen haben die Angewohnheit, sich ein wenig vorwitzig nach oben aus der Erde zudrücken. So exponiert, können Sonne, Wind und Frost erbarmungslos zuschlagen. Also sorge ich dafür, dass die Knollen stets etwa drei Zentimeter hoch bedeckt sind, idealerweise mit durchlässigem Sandboden oder Kies.

» Die Vielfalt der Freiland-Alpenveilchen

Trockenes Herz und keine Sonne

Denn, man kennt das von den Zimmer-Alpenveilchen: Das Herz der Pflanze darf nie nass sein, sonst beginnen die Triebe zu faulen. In der blattlosen Zeit kommen manchmal noch Hornspäne oder Rinderdungpellets dazu – für die Nährstoffversorgung.

Zum anderen sind die Alpenveilchen kleine Sonnenflüchter. Gerade Wintersonne in Kombination mit Frost ist schwierig, denn sie zerstört das Blattgewebe. Unter laubabwerfenden Gehölzen bietet das Falllaub ja etwas Schutz, doch zur Sicherheit spendiere ich insbesondere bei Kahlfrösten auch hier eine leichte Reisigdecke.

Ach ja, und dann noch: Wühlmäuse haben die für uns Menschen giftigen Cyclamenknollen zum Fressen gern. Also am besten gleich im schützenden Drahtkorb in die Erde setzen. Wer jetzt im Frühjahr blühende Exemplare verpflanzen möchte (was sehr gut möglich ist), setzt die Pflänzchen erstmal im offenen Korb ein und schließt diesen oben, sobald die Blätter eingezogen sind. Und dann, nicht vergessen, gleich wieder eine neue Schicht Sand nachlegen!


Übrigens: Wer nach dem Flor nicht bis zum nächsten Winter warten möchte, pflanzt, am besten jetzt im März, auch die Herbst-Alpenveilchen, vielleicht sogar das einheimische Sommer-Alpenveilchen. Letzteres blüht schon wieder ab Juli.  

Kerstin Ackermann
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