Schneeglöckchen – sie läuten den Frühling ein

Schneeglöckchen

„Perce-Neige“, also „Die Schnee durchbohren“ heißen Schneeglöckchen in Frankreich.

Sobald der Frost seine eisige Umklammerung um Gärten und Winterlandschaften löst, spitzen die schmalen Blätter der ersten Schneeglöckchen aus dem Schnee. Anfangs schützt ein kapuzenartiges Hochblatt die zarten Blüten vor strenger Kälte. Bei günstiger Witterung wagen sich die Blüten dann aus ihrem Versteck. Dabei geschieht Erstaunliches: Um die Schneedecke zu durchbrechen, produziert das kleine Zwiebelgewächs Wärme. Mit Hilfe des einsetzenden Stoffwechsels, der Umwandlung von Stärke zu Zucker, entwickeln die zarten Vorfrühlingsblüher eine Biowärme von etwa 8 bis 10 °C. Die lässt den Schnee um Stängel und Blätter schmelzen und sorgt gleichzeitig für die nötigen Wassergaben an den trockenheitsempfindlichen Zwiebelchen. Kurz darauf zieren die weißen Tuffs den Garten. Ein Blütenmeer überzieht dann wie eine geschlossene Schneedecke den Boden von Waldwiesen, Auen und Laubwäldern. Leider sind sie an Naturstandorten selten geworden. Deshalb ist Ausgraben hier strengstens verboten! Beim teppichartigen Ausbreiten machen Ameisen den Schneeglöckchen Beine. Bei den emsigen Insekten sind die Samen wegen ihrer nahrhaften Anhängsel beliebt. Auf dem Weg zum Ameisenhaufen können die Krabbler der Versuchung oft nicht widerstehen: Sie fressen den Nährkörper auf und lassen den Samen unbeachtet liegen.

» Zwiebel oder Knolle: ein bisschen Botanik

Etwa 15 bis 20 Arten umfasst die Gattung Galanthus. Von ihnen ist das heimische Kleinblütige Schneeglöckchen (G. nivalis) das bekannteste. Unzählige Zuchtformen entstanden aus ihm sowie aus östlichen Vettern wie Galanthus elwesii und G. plicatus: großblumige, gefüllte, stark duftende Sorten oder solche mit besonderer Zeichnung auf den Blütenblättern. Bei gefüllten Blüten sitzt das doppelte oder mehrfache Krönchen zwischen den äußeren Blütenblättern (z. B. ‘Ailwyn’). Bei ‘Mrs. Tompson’ stehen sogar fünf innere und äußere Blütenblätter beisammen. Begehrt sind Varianten mit Gelbfärbung, etwa ‘Primrose Warburg’. Der rundliche Fruchtknoten über der Blüte (Ovarium) ist hier ebenso sattgelb wie die Blüten-Zeichnung. Je länger sich die gelben Spielarten am Standort etablieren dürfen, desto intensiver wird ihr Gelbton. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind die Anzahl der Blüten an einem Stiel, Stiellänge, Blütengröße, Blattfarbe und -form. Außerdem die verschiedenen Blütezeiten: Das mediterrane Königin-Olga-Schneeglöckchen eröffnet schon im Herbst den Blütenreigen – bei uns nur im Kalthaus zu erleben. Frühe Sorten wie ‘Ding Dong’ setzen ihn im Januar fort. Im Februar feiert das Glockengeläut seinen Höhepunkt, bis ‘April Fool’ Anfang April dann den Schlussakkord anstimmt.

Galanthomanie

Die Briten haben eine besondere Liebe zu Schneeglöckchen entwickelt. „Snowdrops“ heißen sie dort. „Let's go snowdropping“, rufen die wahren Enthusiasten, wenn sie alljährlich ab Februar auf Schneeglöckchen- Safari gehen. Im schottischen Cambo Estate beispielsweise sind sie auf der Suche nach ganz besonderen Exemplaren. Das perfekte Schneeglöckchen besitzt einen pokuliformen Blütenbau: Die inneren Blütenblätter sind genauso geformt wie die äußeren. Die Sorte ‘E. A. Bowles’ etwa hat sechs gleich große, schneeweiße Blütenblätter. Je außergewöhnlicher die Färbung und der Blütenbau, desto höher der Preis. Deshalb werden unter Sammlern die „Schneetropfen“ nicht als Zwiebeln, sondern als blühende Pflanzen gehandelt. Diese Galanthomanie hat mittlerweile auch Deutschland erreicht: Im Hanggarten von Günter Waldorf in Nettetal-Oirlich oder im Pfarrgarten von Saxdorf beispielsweise können Sie sich von der filigranen Blütenvielfalt der weißen Winzlinge berühren und verführen lassen.

Pflanzen-Steckbrief

Botanischer Name: Galanthus nivalis
Blütenfarbe: weiß mit Blütenzeichnung
Blütezeit, Höhe: II–IV, 10–15 cm
Standort: Im Halbschatten am Gehölzrand, zwischen Sträuchern und Stauden in humosem, durchlässigem Boden.
Pflege: Möglichst ungestört lassen. Nicht mit Kompost abdecken, nur wenig düngen, sonst gibt es weniger Blüten.
Generative Vermehrung: Aussaat in offene Kästen, im Sommer schattieren, Sämlinge im Herbst ins Freiland pflanzen.
Vegetative Vermehrung: 1) Zwiebeln früh im Herbst ab September 5 bis 8 cm tief im Abstand von ca. 10 cm in die Erde bringen. 2) Teilen großer Horste. 3) Verwildern mit Hilfe von Brutzwiebeln.
Krankheiten/Schädlinge: Grauschimmel, Narzissenfliege, Wühlmaus

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