Phlox wie wir ihn lieben

Phlox und Anemonen

‘Blue Ridge Giant’ ist eine Naturhybride aus Phlox paniculata und der robusteren Art Phlox amplifolia. Die Auslese ist daher auffallend vital und gesund und kann an guten Standorten beinahe mannshoch werden. Prima für den Beethintergrund!

Vor einigen Jahren, der Vertrag fürs eigene Grundstück war gerade unterschrieben, machten wir uns auf zum Tag der Offenen Gärten in Potsdam.

Ein bisschen inspirieren lassen, dachten wir, auch wenn es Mitte August schon reichlich spät dafür schien. Doch wir kamen genau richtig! Hier, auf trockenem Sand, wo die Rosenblüte oft dürftig ausfällt, scheinen sich einige Menschen ganz dem Spätsommer verschrieben zu haben.

Und so empfingen uns schon im ersten Garten die weithin leuchtenden Blütentürme des hohen Stauden-Phlox (Phlox paniculata), mal frech umspielt von den zauseligen Schöpfen der Monarden, mal umwoben vom flirrenden Silberblau der Perovskie, mal hofiert von den Kerzen der Gelenkblume.

» Phlox - Vagabunden im Garten

Duft und Farbe

Immer hatten die stolzen Phlox-Kuppeln die Hauptrolle eingeheimst, und wer daran noch zweifeln wollte, wurde durch ihren weit durch den Garten streichenden, blumig-würzigen Duft auf den rechten Weg gelotst.

Dass der Phlox seinem Ruf als Duft- und Farbenherrscher des Hochsommergartens sogar hier gerecht werden konnte – weit entfernt von seinen kühl-feuchten Lieblingslagen im Mittelgebirge – verdanken wir Karl Foerster, wem sonst!

Karl Foerster und seine Liebe zum Phlox

Mit viel Ehrgeiz und Experimentierfreude hatte er ab den 30er Jahren Phloxe selektiert, die auch im kontinentalen, trocken-warmen Streusand zurechtkommen. Welcher seiner Sorten wir gerade gegenüberstanden, konnte die Gartenbesitzerin allerdings nicht sagen, mancherorts werden ja noch Stauden-Teilstücke übern Zaun gereicht.

„Aber im Frühjahr gibt’s neue, da können Sie sich gern welche abholen“, tröstete sie mich. Gesagt, getan. Auf dem Heimweg noch einen Schlenker zur Karl Foerster-Gärtnerei gemacht, ein paar zusätzliche Sorten mit Namensschildchen könnten nicht schaden.

Der Boden für diese kleine Kohorte der „Duft- und Farbenherrscher“ war gebührend bereitet worden, mit gut abgelagertem Kompost (frischen verträgt der Phlox nicht) und Gesteinsmehl verfeinert, im lichten Schatten einer Ölweide. Ich muss gestehen, dass die Pflanzen dann aber doch in Vergessenheit gerieten, der übrige Garten rief…

Und der Phlox revanchierte sich prompt, indem er die gesamte Palette seiner Krankheiten aufbot: Mehltau, Blattflecken, verkrüppelte Blattspitzen durch Stängel-Älchen. Welch eine Niederlage! Und so fuhr ich in diesem Jahr mit leichtem Bauchweh zu den Offenen Gärten. Innerlich gewappnet, dass die Blütentürme des Phloxes nur noch triumphaler leuchten würden.

Aber dann: Auch in Potsdam waren einige Sorten vom Mehltau gebeutelt. Überhaupt hatte ich alles viel opulenter in Erinnerung. Die Gartenbesitzerin keineswegs beunruhigt: „Das war halt mal ein schlechtes Phloxjahr, mit dem trockenen Frühling und sehr heißen Sommer. Nächstes Jahr sieht alles wieder anders aus!“

» Arends Staudengärtnerei

So klappt es mit dem Phlox

Etwas skeptisch berichtete ich von meinem Totalausfall. „Klingt, als ob Sie Karl Foerster nicht beherzigt hätten. Wie sagte er doch: Der Phlox ist ein Fresser und Säufer. Wenig poetisch zwar, aber das trifft’s!“ Und so spendierte ich dem fordernden Flachwurzler eine schützende Mulchdecke (keinen nährstoffzehrenden Rindenmulch!), im November ganz nach Lehrbuch 50 Gramm Hornspäne pro Quadratmeter, im Frühjahr etwas Kompost um die Füße, bei schön gleichmäßiger Bodenfeuchte.

Und tatsächlich: Im nächsten Sommer leuchteten die Phlox-Kuppeln, als wäre nie etwas gewesen. Blütenpracht und Sommerduft, wie ich es mir gewünscht hatte! Heute sprießen die Blütentriebe so eifrig, dass ich mich sogar leichten Herzens von einigen trennen kann, um die Blütezeit zu verlängern: Von sehr kräftigen Horsten im Mai oder Juni bei jedem zweiten Trieb die Wachstumsspitze ausbrechen. Diese pinzierten Triebe blühen dann 14 Tage später als alle anderen.

Reaktion auf kleinste regionale Unterschiede

Letztlich haben sich bei mir übrigens einige Sorten bewährt, die im nur 40 km entfernten Potsdam gar nicht gut gedeihen. Und umgekehrt. Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr die Auslesen dieser Pflanze auf feinste regionale Unterschiede reagieren. Eine allgemeine Sortenempfehlung ist daher nur bedingt möglich.

Fragen Sie am besten den Staudengärtner in Ihrer Nähe. Vielleicht bekommen Sie neben einem Sortennamen ja gleich noch einen hilfreichen Kommentar à la Karl Foerster mit auf den Weg. Einen letzten Tipp vom Staudenpapst sollten Sie wenigstens alle sechs Jahre beherzigen: „Der Phlox kann so alt werden wie ein Landpfarrer. Nur sollte er im Gegensatz zu diesem viel öfter versetzt werden.“ Wobei „sollte“ ja irgendwie klingt, als ob eine solche Diva uns da eine Wahl ließe.

» Phlox - Fantastische Vielfalt


Extra-Wissen

Wann duftet der Phlox am besten?

Oft wird behauptet, dass der Phlox am Abend besonders stark dufte. Tatsächlich orientiert sich die Duftintensität aber eher an der Lufttemperatur, die im Sommer zum Abend hin zunimmt. Ist es einmal schon vormittags heiß, duftet der Phlox bereits in der Frühe intensiv und hat sein tägliches „Duft-Potenzial“ zum Abend hin aufgebraucht.

Noch nicht genug vom Phlox?

Er lässt sich reichlich über Wurzelschnittlinge ermehren: Im Spätherbst den Wurzelballen freilegen und einige kräftige Wurzeln entnehmen. Diese in 6 cm-Stücke schneiden und entweder richtig herum (oben/unten ist entscheidend!) in Aussaatsubstrat stecken oder waagerecht legen und 1 cm hoch mit Sand bedecken. Kühl aufstellen und feucht halten.

Am besten etwas Abstand halten

Der Phlox ist etwas kontaktscheu und schätzt einen Pflanzabstand um die 50 cm. Ein Vorteil dabei: Das Laub trocknet schnell ab, so dass Mehltau kein allzu leichtes Spiel hat.

Eine starke Sorte

‘Düsterlohe’ gehört zu den robustesten Sorten überhaupt. Im lichten Schatten leuchten ihre Blüten wunderbar dunkelviolett. In praller Sonne und großer Hitze kann die Farbe etwas verblassen.

Anpassungsfähige Phloxe, auch für warm-trockene Lagen

✿ ‘Düsterlohe’, purpurviolett
✿ ‘Kirmesländer’, weiß mit rotem Auge
✿ ‘Landhochzeit’, hellrosa mit rotem Auge
✿ ‘Prospero’, hellviolett-weiß
✿ Phlox amplifolia, darunter besonders ‘Winnetou’(rötlich-violett), ‘Minnehaha’ (lilarosa mit dunklem Auge), ‘David’ (strahlend weiß)


Kerstin Ackermann
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