Phlox – Vagabunden im Garten

Die hohen Phloxe sind mir nicht von ungefähr der Inbegriff des Sommers. Ein milder Abend auf der Terrasse, liebe Gäste, ein Glas Wein und auf dem Tisch ein Strauß Phlox mit seinem unvergleichlichen Duft – so lässt sich der Hochsommer genießen.

Nun sind kräftige Phlox-Stauden im Garten längst kein so selbstverständlicher Anblick mehr wie in früheren Zeiten. Gelegentlich höre ich auch: „Von üppigen Phloxen kann ich nur träumen.“ Aber seien Sie getrost: Wenn Sie nicht gerade auf einem Kalkschotterboden gärtnern, lassen sich Phloxe allemal erfolgreich kultivieren. Eine phantastische Pflanzung sah ich einmal im erzgebirgischen Weißeritztal. Ihr Super-Auftritt dort ist schnell erklärt: Sie wachsen bei Freunden in einem kühlen Talgrund mit ausgeglichenen Temperaturen sowie in lockerer, mineral- und nährstoffreicher, mildfeuchter Erde.

Das Wort „mildfeucht“ könnte auch für die Luft im Tal verwendet werden. Es ist nicht zu erklären, man muss es fühlen. Aber gerade das ist für Phloxe besonders wichtig. Einige dieser Idealbedingungen lassen sich im Garten einrichten. Wenn Sie einen kühlen und dennoch hellen Pflanzplatz auswählen, den Boden mit Humus, Gesteinsmehl oder Bentonit aufwerten, eine kräftige Kompostgabe spendieren, eventuell sogar eine leichte Mulchschicht, ist schon viel getan. Dazu kommt es noch auf die Sorte an. Einige bewährte Foerster-Phloxe haben sich über Jahrzehnte im Sortiment gehalten. Sie wurden auf dem relativ trockenen, sandigen Bornimer Boden gezüchtet – wen wundert’s, dass sie sich umso lieber mit besseren Standorten arrangieren. Bis heute empfehle ich gerne einige dieser alten Sorten weiter: ‘Düsterlohe’, ‘Flammenkuppel’, ‘Kirmesländler’, ‘Landhochzeit’, ‘Redivivus’, ‘Schneeferner’ und ‘Violetta Gloriosa’.

Mit den Phloxen in meinem Garten habe ich ein Übereinkommen getroffen: Ich bemühe mich, ihren Pflanzplatz so erträglich wie möglich zu gestalten. Dafür erwarte ich, dass sie wenigstens vier Jahre an gleicher Stelle wachsen, blühen, ihre Samenkörner zur Reife bringen und ausfallen lassen. In der Praxis sieht das so aus: Die Phloxe dürfen bis zum Herbst ihre Stängel mit den Samenkapseln behalten. An warmen Herbsttagen springen die Körner oft meterweit von den Mutterpflanzen fort und suchen sich ihre Kinderstube selbst. Als Kaltkeimer bekommen sie im folgenden Winter genügend Frost ab und keimen im Frühjahr – irgendwo in den Rabatten oder vor einer Mauer, in den Ritzen von Wegeplatten oder neben dem Brunnen. Im Spätsommer kommen die kräftigsten von ihnen schon zur Blüte. Ich schaue einfach nur zu. Dann erwacht die tief in mir schlummernde Züchterleidenschaft: Pflanzen mit völlig daneben geratenen Farben oder Blütenformen grabe ich aus – weg damit! Die anderen dürfen bleiben, wenn sie nicht gerade an einer Stelle stehen, wo sie den Gartenbetrieb behindern.

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So hat sich im Laufe von zehn Jahren mein Garten mit vielen Phlox-Vagabunden gefüllt. Es sind keine Sorten mehr, sondern Sämlinge. Ihr Farbspiel ist so interessant und vielgestaltig, dass ich mich manchmal an die einstigen Zuchtfelder der Foerster-Gärtnerei erinnert fühle. Aber – und das ist die erstaunliche Erkenntnis: Diese Sämlinge wurden nie verpflanzt. Dennoch sind es kräftige, propere Gestalten geworden, wie ich sie bei den Ausgangs-Sorten nur noch mit Mühe hinbekomme. Es sind auch ein paar „schräge Vögel“ dabei. Die beleben das Bild und erhalten Bleiberecht, sofern sie nicht völlig danebenliegen. Durch die Selbstaussaat haben die Pflanzen neue Lebenskraft mitbekommen. Sie sind gesund und vital. Die besten avancieren zu „privaten“ Sorten. Ein Sämling aus dem Gewürzbeet erhielt den Namen ‘Rosa Würze’, einen anderen, der schon über zehn Jahre am Bienenhaus wächst, tauften wir ‘Maja’.

Was ich hier schildere, klingt sehr nach „Freiheit für alle“. Doch auf diese Weise kann man kein streng durchgeplantes Staudenbeet im Griff behalten. Die Einstellung zum Garten ist hier eine andere: Naturnah wäre das passende Wort dafür. Dazu gehört zwar auch, dass man unerwünschte Kräuter wie Quecke oder Giersch möglichst konsequent kontrolliert, sonst aber Hacke und Spaten im Schuppen lässt. Das Recht, das ich dem Phlox gewähre, nehmen sich andere Stauden auch. Einige dieser Stauden-Vagabunden sind uns sehr willkommen. Sie kennen ein Kaleidoskop? Man schüttelt und jedes Mal entsteht ein neues buntes Bild. So ergeht es uns mit den „Freisamern“ in unserem Garten. Jedes Jahr bietet sich ein anderes Bild. Ich finde das spannend.

Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei "Karl Foerster" in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen. Mehr über den Karl-Foerster-Garten erfahren Sie im PotsdamWiki.

Extra-Wissen

Der hohe Sommerphlox (Phlox paniculata) mit seinen vielen Sorten ist kaum zu ersetzen, dennoch lohnt sich ein Blick auf die nähere Verwandtschaft.

Phlox maculata, der Wiesen-Phlox (1), hier zweifarbige Sorte ‘Natascha’, blüht sehr früh, oft bereits im Juni, und wirkt insgesamt zierlicher. Er hat nur selten Mehltau. Phlox amplifolia, der Großblatt-Phlox (2), ist dem Hohen Staudenphlox sehr ähnlich und widerstandsfähig gegen Mehltau: Im Bild die gut duftende und sehr lange blühende Sorte ‘David’. Phlox divaricata, die Wald-Flammenblume (3) bleibt mit 30 cm Höhe deutlich niedriger, die weißen bis helllila Blütensternchen verströmen einen betörenden Duft. Wald-Phlox bevorzugt einen frischkühlen Platz im lichten Gehölzschatten.

Vermehrung

Phloxe lassen sich gut über Wurzeln vermehren: Die alte Pflanze im März drei Zentimeter unter der Erdoberfläche köpfen (links), dabei schneidet man die noch ruhenden Winterknospen mit weg! Dann neue gute Erde auffüllen und reichlich wässern. Schon bald erscheinen aus den verbliebenen Wurzeln zahlreiche Neutriebe (rechts). Bis zum Saisonende lässt man die Pflanzen wachsen. Im nächsten Frühjahr werden die auf solche Weise verjüngten Pflanzen ausgegraben und vereinzelt. So hat man viele junge Phloxe, die übrigens älchenfrei sind. Man kann alternativ Mutterpflanzen im März ausgraben, köpfen und fünf Zentimeter lange Wurzelstücke schräg in Kisten oder Töpfe stecken, warm und feucht halten, und im Frühjahr verfahren wie beschrieben.

Schädlinge und Krankheiten

Stängelälchen: Verkrüppelte Triebspitzen, aufgeplatzte Stängel. Ausheilen lässt sich der Befall kaum. Besser die Altpflanzen teilen und an eine neue Stelle pflanzen und düngen. Wässern und Mulchen sollte das Wachstum optimal anregen.

Mehltau: Zum Glück kommt er nicht in jedem Jahr und auch sortenweise unterschiedlich. Oft hilft es, den Standort zu wechseln. Von stark und wiederholt befallenen Pflanzen lieber trennen.

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