Mittagsblumen

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Mittagsblumen

In Italien quellen die Mittagsblumen aus allen Fugen. Zuhause sorgen frostharte Sorten fürs Mittelmeerfeeling. Foto: Ulrike Bosch/AllgäuStauden

Man muss gar nicht gleich bis Afrika reisen, um auf die kunterbunten Blütenteppiche der Mittagsblumen zu treffen. Zwar stammen sämtliche Arten ursprünglich vom heißen Kontinent, doch mittlerweile haben sie sich ganz selbstverständlich auch in Südeuropa breitgemacht. Bei jedem Italienurlaub sieht man ihre kleinen dicken Blattpolster aus Mauerfugen quellen oder über Wegränder schwappen. Doch wer sich das Urlaubsmitbringsel daheim in den Garten pflanzte, wurde in aller Regel enttäuscht: Schon nach dem ersten Winter war von den frostempfindlichen Pflänzchen nichts mehr zu sehen. Zum Glück wurden in den letzten Jahren einige Arten und Sorten der Gattung Delosperma gefunden und gezüchtet, die auch mit unserem Klima bestens zurechtkommen.

» Bilder: Winterharte Mittagsblumen

Die Gärtnereiu AllgäuStaden (wie der Name vermuten lässt im rauen Klima der Voralpen gelegen) experimentiert seit langem sehr erfolgreich mit Mittagsblumen, die langfristig, über Jahre hinweg, zuverlässig Freude machen. GartenFlora-Redakteurin Kerstin Ackermann bat Ulrike Bosch von AllgäuStauden auf ein Wort.

Ulrike BoschJahrzehntelang hatten wir in Deutschland kein Glück mit den Mittagsblumen. Warum gibt es nun doch so frostharte Sorten?
Ganz einfach: In den letzten Jahren haben wunderbare Delosperma aus den Drakensbergen Südafrikas ihren Weg zu uns gefunden. Sie sind am Naturstandort immer wieder mit eisiger Kälte konfrontiert und ertragen sie dann natürlich auch in unseren Breiten.

Dann sprechen wir aber nur von einigen wenigen Sorten und Farbschlägen?

Keineswegs, durch Einkreuzungen ist mittlerweile eine Vielzahl frostharter Sorten entstanden. Alle, die wir in unserer Gärtnerei führen, gehören beispielsweise dazu. Darunter die leuchtend gelbe ‘Golden Nugget’, die violette ‘Halda’ mit toller Fernwirkung oder die interessant gefärbte ‘Kelaidis’.

Das klingt ja wirklich verlockend! Und die schaffen es tatsächlich zuverlässig ohne jeden Schutz?
Nach unseren Erfahrungen und denen unserer Kunden: eindeutig ja! Ganz entscheidend ist dabei aber der Boden. Er sollte wirklich gut dräniert sein, denn Winternässe überleben auch die taffsten Sorten nicht. Das Substrat muss aber nicht gleich so staubtrocken sein wie bei Kakteen oder anderen Dickblattgewächsen. Ein Gemisch aus Lehm, Sand und Kies ist ideal. Im Vergleich mit den bekannten Semperviven, den Hauswurzen, zum Beispiel mögen es die Mittagsblümchen ein wenig nährstoffreicher und feuchter.

» Blatt und Blüte: Kunterbunte Wegbegleiter

Düngen ist aber nicht extra nötig? Oder sonst irgendwelche Pflegemaßnahmen?
Nein. Ich habe seit Jahren Töpfe mit Delosperma und Erodium, dem hübschen Reiherschnabel, vorm Haus. Außer hin und wieder etwas Unkraut zu zupfen mache ich da gar nichts. Und auch auf dem Familiengrab in Franken gedeihen sie prächtig. Ich komme da nur selten vorbei, regelmäßige Pflege ist nicht möglich und auch der ortsübliche Sandboden wurde nicht aufgebessert. Vieles andere schlappt hier mit der Zeit, nur die Mittagsblumen sehen super aus.

Für „faule“ Südbalkonbesitzer wäre das also ein geeignetes pflegeleichtes Duo?
Unbedingt! Gerade in Balkonkästen zeigen sich Mittagsblumen oft langlebiger als andere Stauden, die am geringen Wurzelraum scheitern. Vor allem Delosperma nubigenum bildet wunderhübsche, immergrüne Schleppen, die keck über den Topfrand hängen. Außer dem Reiherschnabel bieten sich zum Beispiel Schwingel (Festuca), kleine Bart-Iris oder Polster-Silberraute (Artemisia schmidtiana ‘Nana’) als Pflanzpartner an. Oder die niedliche Binsenlilie (Sisyrinchium convolutum), ein echter Geheimtipp.

Und ausgepflanzt im Steingarten? Oder in der sonnigen, kiesreichen Dränagefläche am Haus?
Da käme zum Beispiel auch die Palmlilie (Yucca filamentosa) in Frage. Mit ihren 80 cm hohen schneeweißen Blütenkerzen ein echter Kontrast über den kunterbunten Mittagsblumen. Übrigens ist der Steingarten auch deshalb ein toller Standort, weil die Knallfarben der Mittagsblumen vor dem Graubraun der Steine etwas neutralisiert werden.

Sie mögen eher die ruhigeren Töne?
‘Kelaidis’ im zarten Lachsrosa ist meine Lieblingssorte. Sie überzeugt auch durch ihre lange Blütezeit: bis Ende August kommen immer wieder Knospen nach! Allerdings teile ich mit meinem Favoriten nicht den Massengeschmack. Eher werden die Sorten mit Knallerfarben nachgefragt, die besonders exotisch wirken, wie ‘Halda’ oder ‘Letseng’. Aber ich mag es, wenn es nicht gleich „Peng“ macht.

MittagsblumenGibt es an den kleinen Mittagsblumen überhaupt irgendetwas auszusetzen?
Oh, da muss ich überlegen … Erstaunlicherweise werden sie ganz gern von Schnecken angeknabbert. Und bei schlechtem Wetter und im Schatten öffnen sich ihre Blüten partout nicht. Da ist es wirklich gemein, wenn wir auf dem Pflanzenmarkt einen Schattenplatz erwischen! Naja, es sind halt echte Sonnenkinder!


Kleine Sonnenanbeter für Terrasse, Balkon oder Steingarten

Mittagsblume ‘Kelaidis’ mit Hauswurz ‘Pacific Blazing Star’, Blau-Schwingel, Wolligem Teppich-Thymian, Grasnelke und Woll-Ziest. Übrigens: Wer mehr Platz für Mittagsblumen hat – sie lassen sich leicht aus Stecklingen vermehren!
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