Meine treuesten Lilien

Themen: Lilien
Panter-Lilie

Deftiger Farbenstreit ist vorprogrammiert, wenn die Panter-Lilie inmitten der Fuchsien aufblüht. Zur Clematis x durandii passt das knallige Orange aber sehr gut und ein echter Hingucker ist das Trio Infernale allemal.

Reisen durch ganz Deutschland konnte ich, der Potsdamer Gärtner, in den 1970er Jahren noch nicht unternehmen. Meine Mutter allerdings schon. Und es war ihr ein Herzensanliegen, dem Gärtnersohn in Potsdam ein großes Paket mit Lilienzwiebeln zu senden. Ein Westpaket. Es war die Zeit, zu der in Deutschland die Postpakete noch nach Himmelsrichtungen klassifiziert wurden. Hocherfreut nahm ich die wertvolle Fracht in Empfang und beförderte wahre Schätze zutage: Lilien über Lilien, viele neue Züchtungen und Wildarten, die kaum zu bekommen waren. Sorgfältig wählte ich den Platz im Garten für die neuen Schätze.

Türkenbund-LilieDie Blüte im darauf folgenden Sommer war eine reine Freude: Feuer-Lilien, eine Erinnerung an meinen Kindheitsgarten, Türkenbund-Lilien (Bild rechts), gleich in mehreren Farben, daneben die hohen, duftenden Königs-Lilien, die dunkel gepunktete Panter-Lilie und schließlich noch die Henry-Lilie, die auch als Mandarin-Lilie bekannt ist. Was ich damals noch nicht wusste: So viele Lilien bedeuten so viele unterschiedliche Standortansprüche! Da blieb mitunter nach dem Verteilen und Einpflanzen trotz gutem Wissen und Gewissen nur das „Prinzip Hoffnung“.

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In unserem Garten brach eine neue, die „Lilienzeit“, an. Das ist jetzt über 40 Jahre her. Und nun ist es Zeit, einen Strich zu ziehen und das Ergebnis zu betrachten. Wenn ich im Juli durch den Garten gehe, bleibe ich vor manch einer Veteranin immer noch voller Bewunderung stehen. Aber wo sind sie geblieben, die vielen Zwischentöne, die edlen Sorten bekannter Lilienzüchter und Gärtnereien? Ich gebe zu, dass im Laufe der Jahre meine Lilien zu ganz normalen Gartenpflanzen wurden, ohne Sonderbehandlung von mir dem eigenen Lebenswillen überlassen: „Wenn du meine Art der Gartenpflege nicht ertragen willst, dann gehst du eben“. Als Erste verabschiedeten sich zu meinem Bedauern die edlen und so herrlich duftenden Königs- Lilien. Sie litten unter den rabiaten Bodendeckern. Leider konnte ich auf unserem kalkarmen Sand- Humus-Boden auch die einheimischen Türkenbund-Lilien nur etwa zehn Jahre am Blühen halten. Die damals sehr gefeierten Züchtungen von Jan de Graaff (Oregon, USA) wurden ebenfalls nicht zu Dauerbrennern. Dafür setzten sich einige Wildarten aus der Anfangszeit durch und gehören bis heute zum Pflanzen-Inventar des Gartens. Zum Beispiel die Feuer-Lilien. Bei mir sind es Lilium x hollandicum, Abkömmlinge der Wildart. Sie bilden keine Stängelzwiebelchen (Bulbillen), wie es eine Ausgangsart, die echte Feuer-Lilie, L. bulbiferum, tut. Ich pflege sie gern ein bisschen sorgfältiger, weil ihre Blütezeit schon so frühzeitig, Anfang Juni, beginnt.

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Lilie SpreecharmeJahrzehnte lang habe ich auch mit dem Chinesischen Türkenbund, L. davidii var. willmottiae, experimentiert. Für mich ist es eine der wichtigsten Wild-Lilien. Sie bildet am unterirdischen Stängelteil Tochterzwiebeln. Was ich, der leidenschaftliche Pflanzenvermehrer, einfach zu verlockend fand. So konnte ich richtige Bestände aufbauen. Bis der Grauschimmelpilz über sie herfiel. Er zwang mich sogar, das Vermehren aufzugeben. Übrig blieben einige alte Pflanzen, die an drei Stellen, vor und zwischen Gehölzen, zusagende Plätze gefunden hatten. Dort ziehen sie mit ihren orangefarbenen Turban-Blüten noch immer Jahr für Jahr die Blicke auf sich. Noch ein anderer Türkenbund aus China ist mir treu geblieben, die Mandarin-Lilie, L. henryi, mit orangegelben Blüten. Eingewachsen zwischen vielen anderen Stauden bildet sie jährlich nur ein oder zwei Stängel, aber immerhin: sie bleibt. Schließlich hat sich auch die wüchsige Tiger-Lilie, L. lancifolium, durchgesetzt. Mit Hilfe ihrer Stängelbulbillen überdauerte sie die Jahrzehnte. Im Reigen der anderen ist sie eine spät blühende, dazu bescheidene Schönheit. Das überraschendste Ergebnis meines „Langzeitversuchs“ brachte aber eine Außenseiterin, die Panter-Lilie, L. pardalinum. Ich kannte sie vorher nicht, wusste nur, dass sie einen etwas feuchteren Standort bevorzugt. Also kam sie an eine Stelle, wo früher ein kleines Wasserbecken war.

Erst nach einigen Jahren stellte ich fest: Sie wandert! Tatsächlich, das ist ein Sonderfall – eine Lilie mit beschuppten Ausläufern als „Zwiebeln“. Längst ist sie nun etabliert, hat eine kleine Gruppe von mehreren Exemplaren gebildet, wird bis zwei Meter hoch und blüht erst Ende Juli. Zwischen den hohen Fuchsien und blauen Stauden-Clematis (Clematis integrifolia ‘Durandii’) taucht sie zuverlässig immer wieder auf. Hinter vorgehaltener Hand sei allerdings verraten: Die Farben „quietschen“ ein wenig! Ich meine die Kombination der Blütenfarben Orange mit Rosa und Karminrot. Und regelmäßig stehen Fuchsien mit diesen Farbtönen in der Nähe. Etwas neidisch schaue ich manchmal in Nachbargärten mit prachtvollen Liliengruppen, mannshoch, in voller Blüte und denke: „Na wartet mal, in 15 Jahren könnt ihr auch eure Abschlussbetrachtungen anstellen!“ Doch ich will keinen entmutigen: Gut vorkultivierte Zwiebeln, im September an sonniger Stelle in eine nährstoffreiche, lockere Erde gepflanzt, zeigen meist viele Jahre, was in ihnen steckt. Viel Freude für eine doch kleine Investition. Der Langzeitversuch über mehr als vierzig Jahre hat für mich aber noch eine andere Dimension: Dankbar erinnere ich mich alle Jahre an meine Mutter, die diese Lilien einst auf recht abenteuerlichen Wegen für mich organisiert hat.
Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei „Karl Foerster“ in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen.

Was blieb von den einstigen Schätzen?

Weil ich nicht willens war, Sonderwünsche zu erfüllen, hielten mir nur die ganz Robusten die Treue. Wir alle kennen sie noch von den Gemälden Alter Meister: die Feuer-Lilie, Lilium bulbiferum, ist eine alte Bauerngartenpflanze, wild einst in ganz Mitteleuropa, heute oft nur noch im Voralpenland anzutreffen. Die Mandarin-Lilie, Lilium henryi, stammt aus Mittelchina und ist eine sehr dankbare Art, die auch Halbschatten noch verträgt. Zu den asiatischen Wildarten gehört auch die Tiger-Lilie, Lilium lancifolium. Sie blüht spät. Die ebenfalls asiatische Davidslilie, Lilium davidii var. willmottiae, mit den typischen Türkenbundblüten ist sehr stattlich. Auf Wanderschaft geht die Panter-Lilie, Lilium pardalinum. Sie sucht sich selbst den besten Platz.

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Die Primadonna unter den Lilien

Madonnen-Lilie. Bild: GF-ShopDie elegante Madonnen-Lilie, Lilium candidum, ist eine der ältesten Gartenpflanzen Europas und ein beliebtes Motiv in der Kunst. Aber sie hat ihre Besonderheiten: Noch vor dem Winter, im September, bildet sie eine Rosette aus grünen Winterblättern (rechts). Viele aus dem Mittelmeerraum stammende Pflanzen tun dies. Im Frühjahr beginnt ein zweiter Vegetationsschub, der mit der Blüte endet. Beste Pflanzzeit ist während der Wachstumsruhe im August. Die Zwiebeln werden flach gesetzt, die Bodenschicht über der Zwiebelspitze soll nur etwa 5 cm betragen. Ein nährstoffreicher, lehm- und kalkhaltiger Boden ist wichtig.

Kalkhaltig oder sauer

Erfreulicherweise wachsen die meisten Lilien, auch viele moderne Sorten, in neutralem Boden am besten. Günstig auf Kalkgaben reagieren die Madonnen-Lilie (L. candidum) und alle Türkenbund-Lilien mit Ausnahme des Chinesischen Türkenbunds (L. davidii). Er möchte, wie auch die Goldband-Lilie (L. auratum) und die Pracht-Lilie (L. speciosum) einen leicht sauren Boden. Die Panter-Lilie (L. pardalinum) gedeiht sogar noch im eher sauren Milieu.

Der Trick mit den Bulbillen

Bulbillen sind kleine Tochterzwiebeln, die oberirdisch in den Blattachseln des Blütenstängels gebildet werden. Bekannt für diese Eigenart sind die Feuer-Lilie (L. bulbiferum) und die Tiger-Lilie (L. lancifolium) sowie verschiedene Hybriden, an denen eine von beiden beteiligt war. Die Zwiebelchen lassen sich vom Stängel abstreifen und in flachen Rillen im Vermehrungsbeet zum Wachsen bringen. Das macht man nach der Blütezeit. Wenn die Tochterzwiebeln am unteren Teil des Stängels in der Erde entstehen, nennt man sie Brutzwiebeln. Ein Beispiel ist der Chinesische Türkenbund (L. davidii). Seinen Nachwuchs kann man im Frühherbst sofort an eine neue Stelle pflanzen.

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