Kamelienträume

Kamelie mt rosenförmiger Blüte

Die perfekten Blüten der Kamelien ziehen gegen Ende des Winters die Blicke auf sich.

Unwiderstehlich sind die zarten Blüten in der meist noch kahlen Gartenlandschaft. Die Kamelie verzaubert und bedient die Sehnsucht nach Farben im ausgehenden Winter wie kein anderes Gehölz. Wer in einer der milderen Regionen Deutschlands lebt oder einen Wintergarten besitzt, ist jetzt klar im Vorteil.

» Mehr Farbe im Winter: Vielfalt in Grün

Wie alles begann

Aus ihrer ostasiatischen Heimat kam die Kamelie zu Zeiten der großen Seefahrer nach Europa. Ihre Popularität in Deutschland verdankt sie zu einem guten Teil einem Dresdner Gärtnerssohn.

Auf abenteuerlichen Wegen, als Rekrut der napoleonischen Armee, brachte Jacob Friedrich Seidel vier Kamelien, die noch rar und deshalb äußerst begehrt waren, von Paris nach Dresden mit. Sie waren der Grundstock für eine Kamelienzucht, mit der er später Weltruhm erlangte. Bei Nacht und Nebel kehrte er den ostwärts marschierenden Horden den Rücken und brachte seinen gut gehüteten Schatz nach Dresden. So jedenfalls erzählt es die Legende.


Eindrucksvolle Kamelienvielfalt

Fest steht aber, dass er 1813 mit seinem Bruder Traugott in Dresden eine Gärtnerei für Kamelien gründete. Seine „Kunst- und Handelsgärtnerei“ belieferte bald Pflanzenliebhaber aus ganz Europa mit Kamelien, bis St. Petersburg reichten die Handelswege. Um die Jahrhundertmitte führte der „Kamelien-Seidel“ über 1100 Sorten.

Als der Kamelienboom sein Ende fand, blieben nur etwa 100 der besten Sorten in Kultur. Dank der Kamelie aber entwickelte sich die 1813 gegründete Handelsgärtnerei zur ersten deutschen Exportgärtnerei, überstand zwei Weltkriege und endete erst unter der Verwaltung der Treuhand. Noch heute kann die Seidelsche Kamelienkollektion in den Botanischen Sammlungen von Pirna-Zuschendorf ganz in der Nähe von Dresden besichtigt werden.


Der richtige Standort für die Kamelie

Die Versuchung lauert jetzt wieder in jedem Blumengeschäft: Dem Charme einer edlen Kamelie mit dicken Knospen kann man sich nur schwer entziehen. Doch halt: Kamelien sind keine Zimmerpflanzen. Sind es schon lange nicht mehr, denn das Wohnzimmer ist heute 10 Grad wärmer als vor 100 Jahren. Also wohin mit dem zarten Traum?

Alle Plätze ohne direkte Sonne, ohne extreme Temperaturschwankungen, ohne Zugluft kommen in Frage. Vier bis höchstens zehn Grad Celsius während der Blütezeit sind günstig. Die bietet der kühle Wintergarten, doch auch nahe a m Hauseingang, im Innenhof, in der Loggia gibt es geschützte Plätze.

» Wintergärten - eine Frage des Typs

Kamelien richtig pflegen

In jungen Jahren sind Kamelien aus ungewissen Herkünften für das Einsetzen im Garten noch nicht reif. Gerade die günstigen Pflanzen kommen meist aus Holland oder Neuseeland, wo optimale Anzuchtbedingungen herrschen. Sie bleiben besser auf lange Sicht im Topf. Er darf allerdings nicht durchfrieren.

Das Gießen erfordert Fingerspitzengefühl: nur im Sommer, wenn die Knospen für das Folgejahr angelegt werden, mit weichem (Regen)wasser reichlich gießen, im Winterhalbjahr dagegen nur äußerst sparsam.


Kamelien und ihre Blüten - ein wenig Sinn für Ordnung

Die Kamelie bringt eine einzigartige Vielfalt an Blütenformen hervor – es gibt sechs Gruppen, die Übergänge sind fließend:

1 EINFACH heißt acht Blütenblätter höchstens. Typisch für die Wildformen, neuerdings wieder sehr beliebt. Andere: ‘Cornish Snow’ oder ‘Frost Prince’.
2 HALBGEFÜLLT
bedeutet zwei oder mehr Blütenblatt-Kreise, büschelige Staubgefäße. Viele prominente Sorten: ‘Donation’, ‘Herme’ oder ‘Freedom Bell’.
3 VOLL GEFÜLLT
und in perfekter Regelmäßigkeit angeordnet: Klassiker, wie ‘Alba Plena’ oder ‘Frau Minna Seidel’. Galt lange als das Schönheitsideal.
4 ANEMONENFÖRMIG
ein Kranz aus großen Blütenblättern, gefüllt mit kleinen inneren: ‘Jury ’s Yellow’, ‘Chandleri Elegans’, ‘R. L. Wheeler’, ‘Mary Wheeler’.
5 PÄONIENENFÖRMIG
und mehr oder weniger gewellt und gefüllt, sehr elegant. Sorten: ‘Kramer’s Supreme’, ‘Debbie’ , ‘Shirobotan’, ‘Kick-Off’.
6 ROSENFÖRMIG
mit dachziegelartig angeordneten Blütenblättern, geöffnet die Staubgefäße zeigend. Sorten: ‘Spring Festival’, ‘Leonard Messel’, ‘Donation’.

» Blüten auch im Winter

Tipps rund um die Kamelie


Blüten für die Vase


Wer eine etwas aus der Form geratene Kamelie zurückschneiden möchte, kann das einfach mitten in der Blütezeit tun und hat doppelten Vorteil: Das frühe Schneiden noch vor dem neuen Austrieb ist ein günstiger Zeitpunkt und nebenbei geben Kamelien einen exklusiven Schmuck: berühmt-pikant und begehrt schon zu Zeiten der Kameliendame Marie Duplessis.

Rosenbäume wie im Süden

Die Kamelie ist im Süden ein beliebtes und weit verbreitetes Gartengehölz, ihre Winterhärte steht dort außer Frage. Phantastische Anblicke erwarten den Urlauber im April am Comer See oder am Lago Maggiore.

Hierzulande halten uns alte Vorurteile, nur teilweise berechtigt, noch immer vom Pflanzen ab. Doch viele Faktoren spielen mit, ein günstiger, ausgeglichener Standort ohne Sonne ist oft entscheidend.


Kleine Überraschung


Kamelienblüten im Oktober sind eine schöne Überraschung. Eine aus Japan stammende Camellia sasanqua-Wildart, Camellia sasanqua, vererbt diese Eigenschaft an die aus ihr gezüchteten Sorten.

Neben der weißblühenden Art sind Sorten wie ‘Narumigata’, ‘Plantation Pink’, ‘Paradise Joan’ oder die zuverlässig um die Weihnachtszeit blühende ‘Yuletide’ mit samtig bordeauxfarbenen, einfachen Blüten eine Empfehlung wert.

Der ideale Platz ist auch für herbstblühende Kamelien der kühle Wintergarten. Für die Herbstblüher darf er sogar Sonne haben.

Buchempfehlung zur Kamelie:


Der Kamelienwald, von Mustafa Haikal
Vom Hofgärtner und den vier Söhnen, die ebenfalls den Gärtnerberuf wählten, bis in die heutige Zeit reicht die Geschichte der berühmten sächsischen Gärtnerfamilie Seidel.
ISBN: 3-378-0104


Experten Tipps von Malte Fischer, Kamelien-Spezialist aus Wingst


Welche Kamelien lassen sich gut in den Garten pflanzen?


Es gibt einige Dutzend lang erprobte Freilandsorten. ‘Black Lace’, ‘Spring Festival’, ‘Mikuni No Homare’ sind nur drei Beispiele.

Mindestens ebenso wichtig wie die richtige Sorte: immer in der ersten Jahreshälfte pflanzen! Wählen Sie nur Kamelien aus heimischer Anzucht für den Garten.

Und sie sollten schon mindestens vier bis fünf Jahre alt sein. Nie einen Standort mit direkter Sonne wählen. In Mittelgebirgsregionen und rauen Gegenden bleibt immer ein Restrisiko, da ist der Platz im absonnigen Wintergarten die bessere Entscheidung.

Elke Pirsch
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