Heuchera: Die Schönheit der Purpurglöckchen

Die besonders spektakulär gefärbten Blattschmuck-Sorten des Purpurglöckchens wurden ursprünglich vor allem als dekorative Topfbepflanzung auf den Markt gebracht.

Sozusagen über Nacht, wie aus einem viel zu langen Dornröschenschlaf gerissen, wurde das Purpurglöckchen zum Superstar in der Gartenwelt.

Blätter in vielen Farben - ideal für Töpfe und Kästen

Star oder Sternchen? Das dürfte mittlerweile geklärt sein, denn selbst Skeptiker haben sich vom Potenzial der wandlungsfähigen kleinen Staude mitreißen lassen. Seit Jahren überrascht sie mit immer neuen Spielarten: mit Blättern in Purpurrot, Limonengrün und den so beliebten Kaffeetönen, gerüscht, marmoriert, mit farbigen Blattadern.

Sie ist meist wintergrün, eine der vorzüglichsten Einfassungsstauden – in Zeiten des Buchssterbens eine willkommene Eigenschaft – und als sei das alles nicht genug: Sie macht eine unglaublich gute Figur im Blumentopf. Und genau damit hat sie die Rückkehr auf die Gartenbühne geschafft: Was für ein hübscher Blickfang am Hauseingang, auf dem Balkon.

Filigrane Blütenstände

Aus alten Bauerngärten ist das Purpurglöckchen noch gut bekannt. Die Massen winziger, scharlachroter Glöckchenblüten über rundlich herzförmigen Blättern leuchteten im späten Frühjahr aus dem Schatten unter Pflaumenbaum & Co.

Für die ersten Blumensträuße aus dem Garten waren die filigranen Blütenrispen ein beliebtes Beiwerk.

» Bildergalerie: Heuchera

Staudenschönheit aus den Laubwäldern Nordamerikas

Viel Aufwand verlangt das Purpurglöckchen nicht. Ist der Boden etwas humos und mäßig feucht, der Pflanzplatz etwas sonnig und nicht gar zu exponiert, muss man nicht viel tun.

Allerdings wächst der Erdstamm der Pflanzen mit der Zeit aus dem Boden heraus. Warum?

In ihrer nordamerikanischen Heimat findet man das Purpurglöckchen in lichten Laubwäldern, wo es jedes Jahr eine Ladung Herbstlaub aufs Haupt bekommt. Es wehrt sich, indem es sein kurzes Rhizom beständig nach oben wachsen lässt.

Falls das Purpurglöckchen „hochbeinig“ wird

Dabei ist es geblieben, sortenabhängig mehr oder weniger ausgeprägt. Und so muss immer wieder mal Komposterde angefüllt werden, oder man muss die Pflanzen alle paar Jahre aufnehmen und tiefer setzen. Bei dieser Gelegenheit lassen sich aus einer Staude durch Abnehmen junger Risslinge neue Pflanzen gewinnen.

Strenge Barfröste hält das wintergrüne Laub mit einem Schutz aus Koniferenreisig besser aus. Ansonsten ist die zierliche Staude fast unverwüstlich. Wen wundert’s, immerhin gehört sie zur Familie der Steinbrechgewächse. Eine Familie mit Trocken-Helden wie Saxifraga und zuverlässigsten Blattschmuck-Arbeitern wie Bergenie, Astilbe, Tellima oder Rodgersia.

Elke Pirsch

» Saxifraga: Zarte Blüten – starker Charakter

Mehrjährige Heucheraprüfung an unterschiedlichen Standorten

Der Arbeitskreis Staudensichtung im Bund deutscher Staudengärtner besteht aus Fachleuten, die an fast 20 Standorten in verschiedenen Regionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Stauden sichten. Durch die Pflanzung an den verschiedenen Standorten wachsen die Prüflinge auf unterschiedlichen Böden und unter verschiedenartigen klimatischen Gegebenheiten.

Die Staudenexperten sichten die Pflanzen über mehrere Jahre, um sich so ein Bild vom Verwendungswert der unterschiedlichen Staudenarten und -sorten für Gärten und Parkanlagen zu machen. Die auf Sortenechtheit geprüften Pflanzen werden systematisch auf Eigenschaften wie Gesundheit, Langlebigkeit und Attraktivität geprüft.

Durch dieses intensive und mehrjährige Prüfverfahren ist es den Staudengärtnereien möglich, besonders empfehlenswerte Sorten in ihr Sortiment aufzunehmen und den Pflanzenverwendern wird die Auswahl guter und zuverlässiger Sorten erleichtert.

Die Ergebnisse der bisher gesichteten und beurteilten Staudensortimente werden in eine Datenbank aufgenommen, die das Suchen nach Arten, Sorten sowie den Bewertungskategorien ermöglicht.

Zu Heuchera gibt es außerdem ein zweiseitiges Dokument, das kompakt und mit Farbfotos Ergebnisse der aktuellsten Heuchera-Sichtung vorstellt. Bei dieser Sichtung, die von 2014 bis 2016 durchgeführt wurde, haben die Staudenexperten über 120 neuere Heuchera-Sorten geprüft. Das Dokument kann als PDF heruntergeladen werden.


„Diese Staude ist ein wahrer Wirbelwind.“

Niels Gade betreibt seit ein paar Jahren eine kleine Staudengärtnerei vor den Toren Berlins, wo er sich fast ausschließlich der Anzucht von Purpurglöckchen widmet. Hier stellt er sich den Fragen von GartenFlora.

Hier bekomme ich nichts als Purpurglöckchen? Staudenvielfalt sieht anders aus.
Na dann schauen Sie sich mal um, langweilig wird das ganz sicher nicht! Und so viele Sorten wie hier bekommt man sonst nirgends in Deutschland.

Aber warum ausgerechnet Purpurglöckchen?
Bei den Heuchera (der botanische Name) hat sich in den vergangenen zehn Jahren richtig viel getan. Die schlugen so überraschend wie ein kleiner Wirbelsturm in die Gartenszene ein. Erst hat es mich gereizt, viele Sorten zusammenzutragen. Und dann dachte ich mir: „Die muss man endlich unters Gärtnervölkchen bringen.“ Da kommen jedes Jahr neue Spielarten hinzu, und keiner bietet sie hier an.

Was ist denn so neu?
Pflanzenzüchter haben die Staude mit einer nahen Verwandten gekreuzt, der Schaumblüte, Tiarella. Herausgekommen sind muntere Bastarde, der Gärtner nennt sie x Heucherella.

Das x vor dem Namen bedeutet, dass da zwei verschiedene Gattungen gekreuzt wurden. Das gibt es im Pflanzenreich öfter, und das ist auch bei Heuchera und Tiarella so neu nicht. Aber die spektakuläre Farben- und Formenvielfalt, die ist neu. Ich habe etwa 40 Sorten im Programm, das ist nur ein Bruchteil …

Da ist wohl ein Wettlauf der Pflanzenzüchter im Gange?
Man könnte es ja erraten: Solch’ eine Sortenflut muss wohl aus Übersee kommen. Dort züchtet Dan Heims in Oregon in großem Maßstab. Die Stauden von Terra Nova Nurseries haben inzwischen weltweit einen Ruf. Aber auch in England, Frankreich und Holland sind unterdessen die Züchter aktiv geworden und haben Erfolg.

Und alle diese Sorten kommen nun in unsere Gärten?
Nicht alle Neuheiten werden sich in unseren Gärten durchsetzen. Ich beziehe Jungpflanzen von den aussichtsreichsten Sorten. Die ziehe ich bis zur verkaufsfähigen Pflanze heran. Manche Sorte werfe ich auch wieder über Bord. So habe ich ein zuverlässiges Standardsortiment und immer ein paar brandneue Raritäten für Jäger und Sammler.

Für die man aber einen grünen Daumen braucht?
Für manche extravagante Sorte braucht man sogar drei grüne Daumen. Die leuchtend gelbe ‘Citronelle’ will jeder haben, doch die ist so ein Kandidat für Grünfinger. Oder die leuchtend rote ‘Fire Alarm’. Die verbrennt leicht in der Sonne, sollte nur im Halbschatten gepflanzt werden.

Dann lasse ich mich doch lieber auf die zuverlässigen Sorten ein.

Eine gute Entscheidung. Auch dann ist die Auswahl noch riesig. Am robustesten sind die Sorten mit grünem Laub. Oft haben sie sehr schöne farbige Blattadern. Einer meiner Favoriten ist ‘Tapestry’. Je heller das Laub ist, desto schattiger möchte die Sorte stehen. Aber gerade dort sind ja die gelb-laubigen Sorten auch wichtig, denn sie bringen Sonne in den Schatten. Sorten mit Purpurlaub dagegen vergrünen im Schatten, die mögen dagegen sonniger stehen.

Wir reden vom tollen Blattschmuck, doch wie sieht es mit den Blüten aus?
Die sollten wir keinesfalls vergessen! Neuerdings werde ich wieder mehr nach Sorten mit schönen Blüten gefragt. Gut so, die Blüten sind viele Wochen lang ein besonderer Schmuck. Meine Empfehlungssorten: ‘Lipstick‘, ‘Herkules’ oder ‘Paris’ mit roten Blüten. Pastelliges Rosa gibt es bei ‘Strawberry Swill’, ‘ Dayglow Pink’ oder ‘Rave On’. Mein persönlicher Favorit ist ‘Cinnabar Silber’.

Und nun kann ich hier vor Ort stöbern und einkaufen?

Aber sicher. Ungefähr die Hälfte meiner Pflanzen gehen über den Versand weg. Auf größeren Pflanzenmärkten bin ich ebenfalls mit meinem Stand anzutreffen. Kundennähe, da erfahre ich, was gefragt ist und gebe auch manchen Tipp ...

Einen Tipp an dieser Stelle?

Mein Lieblingstipp: Wenigstens drei bis fünf Pflanzen von einer Sorte nehmen, damit sie auch wirkt. Ein Pflänzchen allein, das gruselt sich doch. Sage ich manchmal zu geizigen Sammlern, die nur ein einziges Juwelchen picken.

» Bildergalerie: Heuchera - die große Vilefalt
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