Herbst-Anemonen: Blüten wie aus Porzellan

Bis weit in den Oktober überzeugen Wasserdost (Eupatorium fistulosum) und Herbst-Anemone mit ihrer Blütenpracht. Die Stauden-Lobelie (Lobelia x gerardii) im Vordergrund ist dann schon verblüht.

Nicht die grell erleuchtete Bühne ist ihr Platz, sie blühen lieber im gedämpften, gebrochenen Licht, wo die Konturen weich und die Kontraste sanft sind. Sonnenrabatten, in denen Rosen, Lavendel und Co. sich den heißen Strahlen entgegen recken, lassen sie gern links liegen. Dafür ist ihr Auftritt im Schatten von Gebäuden oder im wandernden Licht am Gehölzrand umso prachtvoller. Dort entfalten sie ihre großen, seidigen Blütenschalen in Weiß, Pastellrosa oder Karmin mit gelber Mitte, die sich über dem dunklen, großen Laub besonders wirkungsvoll abheben. Herbst-Anemonen darf man getrost zu den Prachtstauden zählen, aber zu denen, die den halbschattigen Partien im Garten zu Glanz verhelfen – was sie für Gartenbesitzer besonders wertvoll macht. Je nach Sorte erheben sich die Stauden dort auf 60 bis 140 cm Höhe und bilden ansehnliche Horste. Ihre Blütenstängel verzweigen sich am Ende reichlich in lockere Rispen, auf denen die bis zu 8 cm breiten, einfachen oder halbgefüllten flachen Blütenteller schaukeln. Von August bis zum ersten Frost währt das Schauspiel, das enorme Fernwirkung entfaltet. Besonders im schräg einfallenden Gegenlicht der milden herbstlichen Sonne schimmern die zarten Blüten nahezu transparent – wie edles Porzellan!

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Schmucke Begleiter

Ohne passenden Hofstaat verbreitet jedoch keine Königin majestätischen Glanz. Auch die Herbst-Anemonen werden gerne von schmeichelhaften Partnern umgeben. Ihre Standortvorlieben und die Blütezeit teilt zum Beispiel der blaublütige Herbst-Eisenhut (Aconitum carmichaelii), dessen vornehme Farbe die pastell schimmernden Anemonenschalen edel aufleuchten lässt. Außerdem kontrastieren seine schlanken Kerzen perfekt mit den runden Scheiben der Herbst-Anemonen. Das gilt auch für die Silberkerzen (Cimicifuga racemosa) und den Schnee- Felberich (Lysimachia clethroides), die jedoch beide mit ihrem Rahmweiß eher die zarte Seite der Anemonen unterstreichen. Ton-in-Ton harmonieren Prachtspieren (Astilbe-Hybriden), ihre fedrigen Blütenbüschel gibt es in zahlreichen Schattierungen von Rosa, Purpur, Violett und Rot bis Weiß. Ihre Sorten variieren im gleichen Größenspektrum wie die der Anemonen – hier ist immer ein passender Begleiter zu finden. Aber auch halbschattenliebende Blattschmuckschönheiten untermalen Herbst-Anemonen äußerst charmant, etwa rotlaubige Purpurglöckchen (Heuchera-Hybriden) oder weiß panaschierte Funkien (Hosta-Hybriden). Als spektakuläre Anemonen-Kavaliere brillieren etliche Gräser. Diamantgras (Calamagrostis brachytricha), Chinaschilf (Miscanthus sinensis) und Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) laufen ebenfalls erst im Spätsommer und Herbst zur Hochform auf.
Ute Bauer

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Vorfahren aus China

Herbst-Anemonen sind keine eigene Art, sondern stehen für eine ganze Artengruppe. In unseren Gärten gedeihen allerdings fast ausschließlich Kulturformen, Kreuzungen aus verschiedenen Arten und Sorten. Eine der Urformen soll in der chinesischen Provinz Hupeh entdeckt worden sein, was zu ihrem botanischen Namen Anemone hupehensis führte. Europäer entdeckten aber auch in japanischen Gärten diese prachtvollen Blüher, so dass zwei Untergruppen entstanden: überwiegend rosa blühende Formen der Anemone hupehensis var. hupehensis und vorwiegend weiß blühende A. hupehensis var. japonica, deren Sorten als A.-Japonica-Hybriden im Handel waren. Im Laufe der Zeit sind jedoch durch Züchtung und Kreuzung so viele Sorten entstanden, dass auch der Fachmann oft nur noch von Anemone x hybrida spricht. Dazu zählen auch die Züchtungen, die aus Anemone hupehensis und Anemone tomentosa sowie Anemone vitifolia hervorgegangen sind.

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Sorten-Vielfalt

Die ersten Herbst-Anemonen gelangten im späten 19. Jahrhundert nach Europa. Erstmals beschrieben wurden sie 1908 durch den französischen Pflanzenliebhaber Victor Lemoine, und schon bald waren verschiedene Sorten auf dem Markt. Zu diesen historischen Klassikern zählen die weiß blühende ‘Honorine Jobert’, die zartrosa angehauchte ‘Königin Charlotte’ und die magentafarbene ‘Prinz Heinrich’. Alle drei sind noch heute im Handel und empfehlenswerte Gartenschönheiten. Letzte zählt zu den spätblühenden Sorten. Sie öffnet ihre gefüllten Blüten erst im September. Ebenso verhält sich die noch recht junge Sorte ‘Rosenschale’, deren rosa Blütenblätter am Rand und auf der Rückseite dunkler getönt sind. Zu den Frühstartern, die bereits im Juli blühen, gehören die hellrosa ‘Ouvertüre’, die sich trotz 110 cm Höhe als standfest erweist, sowie die pupurrosa ‘Praecox’, die mit 60 bis 80 cm Höhe zu den kleinsten Sorten gehört.

Schöne Samenstände

Beachten Sie bei der Sortenauswahl noch eine andere bezaubernde Eigenschaft vieler Herbst- Anemonen, die nicht bei allen gleichermaßen ausgeprägt ist: Einige bilden im Spätherbst aus den abgeblühten Köpfen flauschige Samenstände, die bis weit in den Winter hinein an den braunen Stängeln haften bleiben. Man schneidet sie deshalb erst im nächsten Frühjahr vor dem Neuaustrieb zurück. Zu diesen Flaumbildnern gehören zum Beispiel die ehrwürdige ‘Honorine Jobert’ und ‘Ouvertüre’. Auch Anemone tomentosa ‘Robustissima’, die ebenfalls der Formengruppe der Herbst-Anemonen zugerechnet wird, brilliert mit diesem charmanten Schmuck zum Saisonausklang.

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Pflanzzeit und Pflege

Die beste Zeit zum Umpflanzen wie auch zur Neupflanzung ist das Frühjahr (März/April). Dann haben die Wurzeln ausreichend Zeit, gut einzuwachsen, ehe die kräftezehrende Blütezeit beginnt. Beim Umpflanzen sollten Sie die Stauden unbedingt teilen, sonst wachsen sie nicht richtig an und beginnen zu kümmern. Neu gepflanzte Herbst-Anemonen freuen sich im ersten und zweiten Winter sowie in rauen Lagen generell über einen leichten Winterschutz. Man deckt dann den Wurzelbereich mit trockenem Laub oder Laubkompost und Fichtenreisig ab. Geben Sie Jungpflanzen zwei Jahre Zeit zum Einwachsen, danach erst entwickeln sie ihr volles Potenzial und beanspruchen kaum noch Pflege. Eine organische Düngung im Frühjahr in Form von Laubkompost tut den Stauden gut. In sommerlichen Trockenperioden empfiehlt sich zusätzliches Wässern. Hohe Sorten benötigen in windigen Lagen mitunter eine Staudenstütze.

Der Lieblingsplatz

Herbst-Anemonen leben gern im Schatten, dort wo es nur wenig direkte Sonneneinstrahlung, aber auch keine starke Wurzelkonkurrenz durch Bäume gibt. Sie sind zwar auch am Gehölzrand zu Hause, aber immer mit gebührendem Abstand. Bei guter Wasserversorgung gedeihen Herbst-Anemonen auch noch in sonnigeren Lagen. Gut heißt: reichliches und gleichmäßiges Wasserangebot, aber keine Staunässe oder Trockenperioden. Tropfwasser mögen sie ebenfalls nicht. Ideal sind durchlässige, lehmige, humusreiche Böden. Ein kühler Kopf und kühle Füße sind ebenso erstrebenswert für die Schönen aus Fernost. Wo es ihnen gefällt, breiten sie sich über kurze Ausläufer schnell aus. Ein einzelner Horst kann dann mühelos mehr als einen Meter Breite einnehmen. Kalkulieren Sie diesen Platzanspruch bei der Pflanzung gleich mit ein, denn Herbst-Anemonen können am selben Standort Jahrzehnte alt werden. Bedenken Sie beim Verpflanzen, dass jedes im Boden verbliebene Wurzelstückchen eine neue Pflanze hervorbringt – nicht unbedingt eine Empfehlung zum Umzug. Wem sie nach Jahren zu groß werden, der sticht die Horste vom Rande her mit dem Spaten einfach ab. Bestimmt gibt es den einen oder anderen Gartenfreund, der sich über so ein Pflänzchen freut.

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