Groß und stark im Schatten: Schaublattlaufen

Hosta George Smith

Starke Persönlichkeiten füllen Räume. Und brauchen viel Platz, um überhaupt erst wirken zu können. So wie die XL-Hosta ‘George Smith’, die spielerisch von Frauenmantel und Glockenblumen umgarnt wird.

Seit die Schatten in unserem Garten immer länger werden, halte ich Ausschau nach großen und kräftig wachsenden Schattenstauden. Also schon viele Jahre.

Wenn man schon so lange gärtnert wie ich, ist man nicht mehr so leicht zu überraschen. Aber im vorletzten Jahr erlebten wir mal wieder einen echten Höhepunkt: In unseren Wunderbeeten hatten wir eine neue Schaublatt-Sorte (Rodgersia) mit dem Namen ‘Bloody Mary’ zur Beobachtung ausgesetzt.

Der eigenartige Name hatte die Neugier geweckt. „Ach“, klärte mich unlängst eine Besucherin auf, sie war deutlich jünger als ich: „Das ist doch ein beliebtes Getränk aus Wodka und Tomatensaft, kennen Sie das etwa nicht?“ Ach so, ja, ich blickte schlicht. Nun gut, es gibt auch eine fleischfressende Pflanze mit dem Namen ‘Bloody Mary’, die Kannenpflanze Nepenthes.

Eindrucksvoller Austrieb

Mein Schaublatt hatte ich aus einer englischen Gärtnerei mitgebracht. Und in England lebte vor vielen hundert Jahren die „Namenspatronin“ unserer drei so verschiedenartigen Objekte: die englische Königin Maria I., Tochter Heinrich VIII. Während ihrer Regierungszeit von 1553 bis 1558 hatte sie aus religiösen  Gründen mehrere Hundert Todesurteile vollstrecken lassen und deshalb den Beinamen „Bloody Mary“ erhalten.

Das neue Schaublatt macht diesem Namen alle Ehre! Es treibt kupferrot aus, blüht blutrot, hat rote Samenstände und schließlich noch eine rote Herbstfärbung. Mehr geht nicht. Botanisch stammt es von Rodgersia pinnata ab. Sein deutscher Name weist auf die besondere Schauwirkung der großen, meist fingerartig gefiederten und zudem gezackten Blätter hin. 80 cm hohe Blütenstängel sind möglich. Eine wahrhaft imposante Schattenstaude. Dennoch gehört ‘Bloody Mary’ eher in die mittelhoch wachsende Gruppe.

» Kontraste im Garten

Anspruchslose Blattschönheiten

Mein Liebling war bis dato die hohe Zackenblatt-Rodgersie, Rodgersia podophylla: brauner Austrieb, im Sommer edel gezackte, grüne Blätter und viele cremeweiße Blüten an lockeren Rispen. Sie tritt nun an die zweite Stelle.

Noch früher liebte ich die Arbeitstiere unter den Rodgersien: Rodgersia aesculifolia mit großen grünen Kastanienblättern und Rodgersia sambucifolia mit Blättern wie ein Holunderbusch.

Beide habe ich an schattigen Stellen schon seit Jahrzehnten. Sie sind genügsam, langlebig, anpassungsfähig und gesund. Ihre cremeweißen Blütenrispen wirken etwas derb, sind aber dennoch nicht ohne Eleganz. Die neue Rote übertrifft sie nun bei Weitem.

Blätter wie ein grüner Regenschirm

Die größten Blätter in unserem Garten hat allerdings das Tafelblatt, Astilboides tabularis, eine nahe Verwandte der Rodgersie. Die ganzrandigen Blätter erreichen schon einmal 50 cm Durchmesser bei 80 cm Höhe. Fast sehen sie aus wie ein grüner Regenschirm: Der Stiel setzt immer in der Blattmitte an. Geht es der Pflanze gut, dann treibt sie’s schon mal auf 120 cm Höhe: mit astilbenähnlichen Blütenständen, bestehend aus cremeweißen Einzelblütchen mit Mandelduft. Lässt man sie aber hungern und dürsten, bleiben die Blüten aus, und die Blätter bringen es lediglich auf 20 cm Durchmesser.

Ich verstehe gar nicht, warum ich alle diese robusten Blattstauden in so wenigen Gärten antreffe, während die  massigen Hosta-Riesen allgegenwärtig zu sein scheinen. Ja, auch diese Gruppe großer Blattschmuck-Stauden für Schatten und Halbschatten soll nicht übergangen sein. Obwohl ich selbst nicht so viel mit  ihnen anfangen kann. Sie passen irgendwie nicht so recht in unsere Art der Gartengestaltung, sind mir fast zu protzig und beherrschend.

» Faszinierende Farne

Riesen-Hosta brauchen Platz

Zu meinen erklärten Lieblingen gehört dennoch seit Jahren auch eine Riesen-Hosta, es ist ‘Green Acres’. Nur wenige Gärtner haben sie heute noch. Ihre großen, grünen, fast einen Meter hohen und breiten Blattbüsche sehen mit ihrer Nervatur aus wie die grünen Ackerflächen Irlands, ein wundervoller Anblick.

Liebhaber solcher Riesen-Hosta mögen aber bedenken: Als echte Persönlichkeiten beanspruchen sie einen solitären Platz, um zu wirken. Sie mögen wunderbar in die halbschattigen Bereiche sehr großräumiger Gärten passen. Nein, so viel Raum kann und möchte ich nicht erübrigen.

Einen Tipp kann ich mir dennoch nicht verkneifen: Hosta treiben spät aus, im Frühjahr sieht es an den Stellen noch  wochenlang kahl aus – da wäre ein idealer Platz für kleine Vorfrühlingsblüher, wie Winterling, Krokus, Lerchensporn, Blausternchen und Schneestolz.

» Hosta-Mania

Extra-Tipp: Wer passt zu diesen Riesen?

Gern pflanze ich in den Hintergrund die August-Silberkerze, Cimicifuga racemosa var. cordifolia, und davor kleinere Hosta-Sorten.

Als Unterpflanzung eignen sich Schaumkerze, Golderdbeere, Gefleckte Taubnessel und im Frühjahr die vielen Zwiebel- und Knollengewächse, die diese Fläche beleben, bevor die Riesen ihre Blätter ausbreiten.

Große, kräftige Blätter und üppige Blüten gibt es übrigens nur, wenn genügend Nährstoffe und Wasser zur Verfügung stehen. Eine Bodendecke aus Mulch und im Frühjahr eine nicht zu kleinliche Kompostgabe, eventuell im Mai/Juni eine zweite Düngergabe – das hilft weiter. Bei sommerlicher Trockenheit das Bewässern nicht vergessen.

Fünf fürs Schaulaufen

• Kastanien-Schaublatt, Rodgersia  aesculifolia (Blüte cremeweiß)
• Prinz-Henri-Schaublatt, Rodgersia henrici (hellrosa)
• Fieder-Schaublatt, Rodgersia pinnata,  Sorten: ‘Chocolate Wings’ (rosarot), ‘Bloody Mary’ (rot), ‘Weiße Auslese’ (cremeweiß)
• Zacken-Schaublatt, Rodgersia podophylla (cremeweiß), Sorten: ‘Pagode’, ‘Smaragd’, ‘Rotlaub’
• Holunder-Schaublatt, Rodgersia sambucifolia (cremeweiß), Sorte: ‘Rothaut’ (hellrosa)

Dr. Konrad Näser
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