Ginkgo – der Weltenbaum

Themen: Ginkgo
Ginkgo-Baum

Ehrfurcht gebietend breiten 200jährige Ginkgobäume ihr Blätterdach. Der älteste Ginkgo Europas steht in Utrecht.

Mit seiner urtümlichen Lebenskraft, dem unverwechselbaren Blatt und den Mythen, die sich um den Baum mit den wundersamen Heilkräften ranken, beflügelt der Ginkgo die Phantasie der Menschen.

Goethebaum, Fächerblattbaum, Entenfußbaum, Elefantenohrbaum, Mädchenhaarbaum oder Silberaprikose - viele Namen trägt der Baum, der die Zeit besiegte. Der Ginkgo ist ein Überbleibsel aus der Frühgeschichte der Erde, der letzte Vertreter einer längst ausgestorbenen Pflanzengrupppe. Charles Darwin hat ihn ein „lebendes Fossil“ genannt, zu einer Zeit, als der Ginkgo in Europa gerade eben wieder Fuß zu fassen begann.

Ein "lebendes Fossil", das in Ostasien überlebt hat

Denn war der Ginkgo vor Jahrmillionen rund um den Globus verbreitet, gab es ihn in der Neuzeit nur noch in einem kleinen Territorium in Ostasien. Er ist in China und Japan ein verehrter Tempelbaum. Dort wird er auch wegen der essbaren Nüsse und der Heilwirkung seiner Blätter und Samen kultiviert. Nachweislich seit 4000 Jahren werden in China Samen und Blätter als Mittel zur Behandlung von Wunden, zur besseren Durchblutung und zur Verbesserung der Gedächtnisleistung genutzt.

Einem deutschen Arzt und Botaniker verdankt Europa die Rückkehr des urweltlichen Baumes. Von einer Forschungsreise brachte er um 1700 aus Japan die ersten Samen des Ginkgo in die westliche Welt. Populär gemacht hat den Baum kein Geringerer als Goethe mit seinem Gedicht vom Ginkgo. Das Ginkgo-Blatt mit seiner unverwechselbaren Form wurde zum symbolträchtigen Gegenstand von Kunst und Literatur.

» Liaison fürs Leben: Der Hausbaum

Botanisch gehört der Ginkgo zu den Nadelgehölzen

Der Ginkgo ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Obwohl er wie ein Laubbaum aussieht und seine Blätter nach einer meist spektakulären, goldgelben Herbstfärbung verliert, wird er doch zu den Nadelgehölzen gerechnet. Es gibt männliche und weibliche Bäume. Dennoch wird man hierzulande nur selten auf ein weibliches Exemplar treffen.

Die mirabellenähnlichen Früchte verströmen zur Reifezeit einen unangenehmen Geruch, und so werden in Baumschulen fast ausschließlich männliche Bäume vermehrt. Hinzu kommt, dass es die Früchte in unseren Breiten ohnehin nicht bis zur Samenreife bringen. Der Frost setzt meist zu früh ein. Samen für die Aussaat importieren Gärtner deshalb aus Asien.

Vor 200 Jahren war das die einzige Möglichkeit, die begehrten Ginkgo-Bäume für Parks und Alleen heranzuziehen. Die Gärtner heute haben bessere Möglichkeiten: Der Ginkgo lässt sich auch aus Stecklingen und über das Veredeln vermehren. Und nur auf diese Weise kommen wir zu den begehrten klein bleibenden Sorten, die im Garten wachsen können oder sogar in größeren Töpfen.

Wenn Platz knapp ist, können auch besonders schmal wachsende Sorten in Frage kommen. Gut eignen sich beispielsweise die schlanke Sorte 'Fastigiata' oder der wie eine kleine Säule wachsende Ginkgo mit dem sehr passenden Namen 'Menhir'.

» Die Felsenbirne – fast vergessene Sommerfrüchte

Warum "Hexenbesen" ein Glücksfall sind

Ginkgo wächst langsam, dennoch wird er im Alter auch hierzulande ein 15 bis 20 Meter hoher Baum. Manchmal findet ein aufmerksamer Gärtner an einem solchen Baum besondere, andersartige Seitentriebe, Mutationen mit gestauchtem Wuchs oder besonderen Blättern. Hexenbesen nennt man sie in uncharmanter Manier.

In Wirklichkeit sind sie ein Glücksfall und die Ausgangsformen für die hübschen kleinen Gartensorten, die nicht höher als zwei bis vier Meter werden. Die bekannteste und am leichtesten zu bekommende Sorte solcher Herkunft ist ‘Mariken’, ein Winzling mit kugelförmigem, kompakten Wuchs, selbst nach vielen Jahren nur knapp meterhoch. Besonders schön sieht ‘Mariken’ auf einen Stamm veredelt aus.

Viele Sorten für den Topfgarten

Andere Zwerge: ‘Troll’, ‘Todds’, ‘Hexenbesen Leiden’, ‘Louis’. Daneben gibt es aber auch Auslesen, die nicht als Hexenbesen ihren Anfang nahmen und dennoch klein bleiben. Von jenen ist die aus Sämlingen selektierte Sorte ‘Anny’s Dwarf’ die beliebteste geworden. Sie hat wie ‘Mariken’ einen kugelförmigen Wuchs und wird meist auf einen Stamm veredelt. Zu ihrer Beliebtheit tragen auch die tief geschlitzten, außerordentlich schönen Blätter bei.

Wer der Faszination des Ginkgo heute verfällt, muss keinen parkähnlichen Garten haben. Die Zwerge, im japanisch inspirierten Garten ein Kleinod, wachsen sogar im geräumigen Topf. Und im Steingarten besonders gut. Dort nämlich finden sie den guten Wasserabzug vor. Eine der wenigen Bedingungen, die das vitale Gehölz stellt, das sogar die Dinosaurier und die Atombombe von Hiroshima überlebte.
Elke Pirsch

Extra-Wissen rund um den Ginkgo

Widerstandsfähiger Ginkgo

Der Ginkgo wirkt exotisch, ist jedoch sehr robust und widerstandsfähig. Er verträgt Hitze, trotzt Krankheiten und Insekten, ist stadtklimafest und übersteht hohe Luftverschmutzung. Darum wird er auch gerne im städtischen Raum, zum Beispiel an Straßen, gepflanzt.

Diese Widerstandskraft hat ihn zu einem Symbol für Lebenskraft und Energie gemacht. Der Ginkgo gilt auch als ein Zeichen der Hoffnung, denn diese Bäume haben eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit überstanden: Ein Ginkgo war der erste Baum, der nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima im August 1945 im darauffolgenden Frühling wieder austrieb, mitten im am stärksten zerstörten Teil der Stadt. Ein aus Samen dieses Baumes herangezogener Ginkgo wurde von den Stadtgärten Wien im Ginkgo-Goethe-Garten im Schulgarten Kagran ausgepflanzt.

Dem Baum werden vor Feuer schützende Eigenschaften nachgesagt. So sollen während eines großen Feuers nach einem Erdbeben 1923 in Tokio viele Bäume von den Flammen zerstört worden sein. Ginkgos haben jedoch überlebt und ein Tempel, der von Ginkgos umgeben war, wurde vom Feuer verschont. Man vermutete, dass die Blätter der Ginkgos den Tempel vor dem Verbrennen bewahrt haben.

Ginkgo-Blätter: Inspiration für Kunsthandwerker und Dichter

Das eigenwillige Erscheinungsbild und das große Interesse an neuen, nach Europa gebrachten Pflanzen führte dazu, dass Ginkgos gerne in herrschaftlichen Gärten gepflanzt wurden. Wegen seiner einzigartigen, markant geaderten und wie Fächer geformten Blätter war der Ginkgo ein in Künstlerkreisen beliebtes Motiv. Die Form des Ginkgo-Blattes wurde im Jugendstil gerne als Ornament verwendet; schmückte Hausfassaden, fand sich in den unterschiedlichsten Kunstschmiedearbeiten wieder und diente als Vorlage für Keramiken und Schmuckstücke.

Auch später haben die Blätter dieses Baumes Künstler inspiriert. Manche, wie Goethe, sahen das markante, oft in der Mitte tief eingeschnittene Ginkgoblatt als Symbol für die Zweiheit in der Einheit. In der Goethestadt Weimar gibt es ein Ginkgo-Museum, das die vielen Facetten des Ginkgos zeigt.

Weithin sichtbare Herbstfärbung

Wegen der auffallenden fächerartigen Blattform ist der Ginkgo vom Frühling bis zum Herbst ein besonderer Schmuck für den Garten. Auch die Farbe trägt zu seinem Zierwert bei. Sie sind nach dem Austrieb frischgrün, werden später etwas dunkler und färben sich im Herbst leuchtend goldgelb. Vor dem Laubfall sind Ginkgos darum schon von weitem an ihrer intensiven Herbstfärbung zu erkennen.

Pflegeleichter und robuster Baum

Ginkgos sind anspruchslos und pflegeleicht, und sie benötigen keine Schnittmaßnahmen. Die Sortenvielfalt und die dadurch bedingte Vielfalt an Wuchsformen und Höhen machen es möglich, für Gärten unterschiedlichster Größe den passenden Ginkgo zu finden.

Die Bäume haben eine hohe Standorttoleranz, gedeihen jedoch am besten auf gut durchlässigen und tiefgründigen Böden. Sie sind sehr winterhart und vertragen niedrige Temperaturen normalerweise gut. Junge Bäume können allerdings etwas frostempfindlich sein. Deshalb wird empfohlen, jüngere Ginkgos im Frühjahr zu pflanzen.


Pflanzenporträts, Tipps zum Zier- und Gemüsegarten, Gartenideen, inspirierende Fotos und vieles mehr.

»Verschenken Sie ein Jahresabo der GartenFlora und sichern Sie sich eine hochwertige Prämie!



Newsletter-Anmeldung

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Das Ratgebermagazin für Gartenliebhaber. Jeden Monat neu mit einer Vielzahl Tipps und Ratschlägen für den Zier- und Nutzgarten, mit Gestaltungsideen, Trends und Neuheiten rund um das Hobby Garten. Dazu wunderschöne Fotos aus liebevoll angelegten Privatgärten.

Editorial lesen Abonnieren

Aktuelle Ausgabe

ANZEIGE

ANZEIGE

GartenFlora Shop

ANZEIGE

Folgen Sie uns auf Facebook    Folgen Sie uns auf Twitter

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr