Freude und Ärger mit dem Bambus

Jahrzehntelang war ein Bambus sein zuverlässiger Begleiter im Garten. Eines Tages verlor er ihn und dazu seinen Lieblingsspaten, ebenfalls ein treuer Begleiter durch Jahrzehnte. Dr. Konrad Näser hat mit Bambus seine Erfahrungen gemacht.

Ein hartnäckiger Bambus

Unter Gärtnern gilt es als unehrenhaft, seinen Spaten abzubrechen. Das jedenfalls bekam einst jeder Junggärtner mit auf den Weg. Gut, dass das keiner gesehen hat. Dabei wollte ich nur unseren Schirmbambus roden. Er war abgestorben und stand nun im Wege.

Ich hätte es mir denken können: Einen 40 Jahre alten Bambus kann man nicht einfach mit dem Spaten herausheben. Dieser Schirmbambus, Fargesia murielae, gehörte zu den „alteingesessenen“ Pflanzen in unserem Garten. Drei Meter war er hoch, und der Hauptweg führte unter seinem „Schirm“ entlang.

Die Entdeckung der Bambussämlinge

Wissen Sie, was Kehrpflanzen sind? Die Bambusse gehören dazu. Immer fällt etwas herunter, was weggefegt werden muss. Eines Tages entdeckte ich beim Kehren einige unbekannte Pflänzchen. Nanu! Ich bückte mich und sah zum ersten Mal in meinem Gärtnerleben Bambussämlinge.

Mein Blick ging nach oben. Tatsächlich, der Bambus blühte, ganz oben. Die Sämlinge waren der Beweis, dass ich zwei Jahre lang das Blühen da oben verschlafen hatte. Weitere zwei Jahre später war der große Bambus abgestorben.

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Bambusblüte und die Folgen

Das ist leider so. Bambusse blühen nur einmal in ihrem Leben. Wenn sich die Blühphase auch über vier Jahre hinziehen kann, danach ist endgültig Schluss. Alle 80 bis 100 Jahre soll das passieren.

Zweifel an dieser Jahresangabe sind erlaubt. Jede Bambusart hat ihren eigenen Rhythmus. Mit der Spitzhacke habe ich schließlich meinen Bambus gerodet. Erst später fiel mir eine elegantere Lösung ein: Bei meiner Nachbarin blühte der Bambus auch.

Wie man ungewollten Bambus los wird

Ihr gab ich dann den Rat, alle Triebe einfach ebenerdig abzuschneiden und dann 20 cm gute Gartenerde über den Wurzelstock zu schütten. Gesagt, getan, drei große Steine als Rückwand, einige kleinere auf dem Hügel verteilt – angelegt war der Steingarten, der nun schon 15 Jahre hält. Darunter können alle Bambuswurzeln in Ruhe verrotten.

Falls es doch noch einmal ein paar Austriebe gibt, dann sind es nur Nottriebe ohne lange Lebenschance. Die Sämlinge haben allerdings nun viele Jahrzehnte Zeit, sich üppig zu entwickeln, bevor die nächste Blühwelle kommt.

Ich pflanzte zwei augenscheinlich gut wachsende Sämlinge als Windschutz ans Bienenhaus. Diese Aufgabe meistern sie bestens, und sie sind längst zu respektablen Exemplaren herangewachsen.

Züchteraktivitäten nach der Bambusblüte

Seit der ersten Blühwelle sind auch die Züchter aktiv. Längst gibt es überall neue „garantiert nicht blühende Sorten“ vom Schirmbambus. Doch lange Zeit hörte man auch Klagen, es seien noch „schwarze Schafe“, also Pflanzen aus der Blühgeneration im Handel. Das scheint vorbei zu sein.

Dennoch lohnt es, sich beraten zu lassen. Es gibt unter den neuen Sorten zierliche, robuste, hohe, niedrige, fast alle sind winterhart, wintergrün und wuchern nicht. Mein Favorit für kleine Gärten ist die Sorte ‘Bimbo’. Mittlerweile hat das Blühen auch andere Bambusarten erreicht, z. B. den hohen Fontänen-Schirmbambus, Fargesia nitida.

Vor- und Nachteile der Rohrbambusse

Vorerst noch verschont blieben die meisten Rohrbambusse, die als Phyllostachys- Arten bekannt sind. Irgendwann sind aber auch sie dran. Bis dahin kann man mit ihnen eindrucksvolle „Tropenidylle“ schaffen.

Doch sie haben ihre Nachteile: Die Winterhärte reicht nicht überall aus. Außerdem bilden sie keine so dichten Horste wie Fargesia und senden Ausläufer in die Umgebung. Das kann lästig werden, wenn eine Rhizomsperre fehlt. Der eigentliche Schmuck sind ihre dicken Bambusrohre, die bei 4 bis 6 cm Durchmesser leicht 4 Meter hoch werden können.

Die Stängel sind je nach Art unterschiedlich gefärbt, z. B. gelb, rot, silbrig und sogar weiß-grün. Es gibt bei ihnen Jahre des ruhigen Wachstums, doch plötzlich werden sie mobil und senden Ausläufer in die Umgebung, die z. B. auf der anderen Wegseite emporkommen oder die Folie eines nahen Teiches durchstoßen. Mein Urteil: für kleine Gärten ungeeignet!

Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei "Karl Foerster" in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr.Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen. Mehr über den Karl-Foerster-Garten erfahren Sie im PotsdamWiki.

» Im Reich der Stauden: Die Wiesenraute

Mögen Sie etwa Quecke?

Warnen möchte ich vor dem Zwerg-Bambus, Pleioblastus pygmaeus, und seinen nahen Verwandten. Nur Queckenliebhaber oder Parkbesitzer mögen ihn. Er ist wintergrün und wächst 50 cm hoch, eigentlich geschätzte Eigenschaften.

Doch er bedeckt mit harten unterirdischen Ausläufern schnell und dicht große Flächen, kriecht in jede Ritze, selbst in Trockenmauern und ist kaum wieder weg zu bekommen – eine Gefahr. Lassen Sie sich bloß nicht zum Kauf überreden, auch nicht von dem Argument „bester Unkrautunterdrücker“ beeindrucken. Wer macht schon den Bock zum Gärtner!

Was halten Sie von einer Bambushecke?

Vielleicht eine gute Idee, wenn man sich an Liguster und Thuja einfach übergesehen hat. Junge Pflanzen von neuen Fargesia-Sorten werden im Abstand von etwa einem Meter gepflanzt. Wässern und Düngen nicht vergessen!

Nach drei Jahren ist ein dichter Schutz gegen Blicke und Wind entstanden, je nach Sorte 150 bis 300 m hoch. Der Bambus ist immergrün und verträgt jeden Schnitt. Als Sichtschutz zum Nachbarn oder zum Abgrenzen einzelner Gartenbereiche eine gute Alternative, oder?

Ein gemütliche Oase der Ruhe

Mit Bambus und Gräsern, ergänzt durch einige Sonnenstauden, entsteht im Handumdrehen ein lauschiger Platz für Mußestunden. Das leise Murmeln eines Brunnens unterstreicht die meditative Atmosphäre.

Mitwirkende sind zum Beispiel: Rudbeckia maxima, Chinaschilf (Miscanthus chinensis) ‘Gracillimus’, Schirmbambus, Königskerze (Verbascum olympicum), Chinaschilf ‘Silberfeder’, Hartriegel (Cornus alba ‘Sibirica’) und Chinaschilf ‘Morning Light’. Außerdem Heiligenkraut, der nicht wuchernde Zwergbambus Sasa tsuboiana und Blauschwingel.

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Extra-Wissen

Bambus ist eine monokarpe Pflanze. Was das heißt? Monokarpe Pflanzen blühen und fruchten nur einmal in ihrem Leben. Danach sterben sie ab. Monokarp sind auch echte Einjährige, also Pflanzen die nicht nur durch winterliche Kälte einjährig sind.

Mehrjährige monokarpe Pflanzen wie der Bambus oder auch die Agave erstarken über Jahre, und sobald sie genügend Reserven haben, wird ein Blütenstand hervorgebracht. Aus dem entstehen Früchte, bis sämtliche Energievorräte verbraucht sind und die Pflanze abstirbt. Durch Rückschnitt vor der Fruchtbildung kann die Lebensdauer mitunter um ein oder mehrere Jahre verlängert werden. 

Sorten vom Schirmbambus, die über Jahrzehnte nicht blühen werden:

Name
Wuchshöhe
Wuchs
‘Bimbo’
1,5 m
dichtbuschig, zierlich, stark überhängend
‘Dragon’
3 m
starkwüchsig, für Halbschatten
‘Falke’
2,5 m
schmal wachsend, leicht überhängend, für Halbschatten
‘Flamingo’
2,5 m
mittelstark wachsend, gut für Hecken
‘Fresena’
3 m
schmalwachsend, leicht überhängend, frosthart
‘Frya’
2,5 m
wüchsig, leicht überhängend, frosthart
‘Green Arrows’
3,5
aufrecht, starkwüchsig
‘Jumbo’
3 m
starker Wuchs, für hohe Hecken
‘Schwan’
2 m
bis unten belaubt, Halbschatten, gut für Hecken
‘Standing Stone’
3 m
aufrecht, starkwüchsig
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