Färberkamille – damit der Sommer nie vergeht

Färberkamille (Anthemis tinctoria)

Astern gehören ganz ohne Zweifel in jeden "Garten der vier Jahreszeiten". Bei aller Schönheit haftet diesen typischsten aller Herbstblüher aber auch ein leicht wehmütiges Image an, ein scheinbar untrügliches: Das-war’s-schon-wieder-mit-dem-Sommer ...

Dauerblüher in sonnigem Gelb

Es sei denn, ein sonniger Stimmungsaufheller leuchtet unbekümmert aus ihrer pastellfarbenen Mitte. Eine zeitlose Gute-Laune-Pflanze, die Wärme und Strahlkraft des Himmelsgestirns für sich gepachtet zu haben scheint: die Färberkamille (Anthemis tinctoria). Ihre margeritenartigen Blütenkörbchen harmonieren perfekt mit den kleineren Korbblüten der Astern, setzen zugleich aber goldgelbe, zitronengelbe oder auch cremeweiße Farbakzente – immer jedoch mit kräftig gelber Blütenmitte.

Von Mai/Juni bis zum ersten Frost werden unermüdlich neue Blumen nachgeschoben. Und zupft man ab und an ein Sträußchen – was aufgrund der Langlebigkeit in der Vase durchaus empfehlenswert ist – spornt sie das nur zu noch üppigerem Flor an.

September - der Monat der Entscheidung

Allerdings neigt die Färberkamille dann dazu, mit den letzten Blüten ihre eigentlich für die kalte Jahreszeit benötigte Energie zu verpulvern. Mehr schlecht als recht kommt sie dann durch den Winter – wenn überhaupt.

Spätestens Ende September sollten Sie sich daher entscheiden, ob Sie mit einem beherzten Schnitt dem Flor ein Ende bereiten und die Pflanze zu jungen Bodentrieben anregen. Oder ob Sie die letzten Blütentupfer in Ruhe ausklingen lassen und aus den reifenden Samen gegebenenfalls neue, allerdings nicht unbedingt sortenreine Pflanzen nachziehen. Eine wirklich sortenreine Vermehrung gelingt problemlos über Stecklinge, die im Frühjahr oder zeitigen Herbst gewonnen werden.

» Blatt und Blüte: Der Duft des später Sommers

Ideal für die Färberkamille: wenig Wasser, viel Sonne

Jeder noch so entschlossene Rückschnitt nutzt allerdings nichts, wenn die Pflanze auf winterfeuchtem Grund wächst. Auf zu viel Nässe reagiert die an sich so anspruchslose Färberkamille generell sehr empfindlich. Daher sollte sie in möglichst steinigen oder sandigen, eher humusarmen Boden gesetzt werden. Am liebsten an einem vollsonnigen, warmen Plätzchen.

Regelmäßiges Gießen oder gar Düngen fordert sie nicht. Sie macht sich damit auch bei Südbalkonbesitzern beliebt, die nach ihrem Sommerurlaub noch etwas Lebendes im Kasten erwarten.

Verschiedene Gelbtöne

Die ‘Dwarf Form’ zum Beispiel eignet sich als kompakte, halbkugelige Zwergform (30–40 cm Höhe) bestens für die Kultur im Topf oder auch im Steingarten. Ihre doppelt so hohe Wildform, die bei zeitiger Saat mitunter schon im Aussaatjahr in Blüte kommt, ist ein gern gesehener Gast in ausdauernden Blumenwiesen.

Als eine der besten Sorten fürs Beet wurde die cremegelbe ‘Sauce Hollandaise’ prämiert. Ebenso wie die goldgelbe ‘Grallagh Gold’ erreicht sie 80 cm Höhe und wächst damit allen übrigen Schwestern über den Kopf.

Die 30–50 cm hohe, zitronengelb blühende ‘E. C. Buxton’ und die cremeweiße ‘Susanna Mitchell’ gefallen durch ihre dezente Farbgebung, die sich leicht in verschiedenste Staudenbeete integrieren lässt. Während die tiefgelbe ‘Kelwayi’ (50 cm) als leuchtender Farbklecks zwischen pastellfarbenen Astern auftrumpft.

Allen gemein ist ihr aromatisches, mitunter sehr filigranes Laub, das inbesondere bei ‘Susanna Mitchell’ ein edles Silbergrau aufweist. Übrigens: Sollten Sie sich, wie oben beschrieben, für den beherzten Rückschnitt entscheiden, nutzen Sie die abgeernteten Blüten der "Färberkamille" doch, um Ihrem weißen Shirt etwas Farbe zu verleihen. In Essigwasser gekocht, gelingt das bestimmt.

Kerstin Ackermann

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