Eine Decke für den Boden

Ist der Giersch ein guter Bodendecker? Um Himmels Willen – nein. Sagen die Einen. Alles Ansichtssache, finde ich. Und entscheide mich dennoch lieber für einen Storchschnabel oder Frauenmantel.

Es war an einem lauen Sommerabend, als ich mit meiner Frau wieder einmal im nahen Foerster-Garten unterwegs war. Seit Jahrzehnten kennen wir die Stelle mit der dichten Decke von Golderdbeeren (Waldsteinia geoides) neben hohem Waldgeißbart und Salomonssiegel – eine sehenswerte Gruppe. Doch uns erwartete eine Überraschung! Kräftig grüne, doppelt dreiteilige Blätter überragten die Golderdbeeren: Giersch! Und da stand auch ein Etikett: "Aegopodium podagraria, Kulturbegleitflora". Der deutsche Name "Giersch" blieb unerwähnt. Kulturbegleitflora? Ja, mit etwas Humor kann man so nennen, was bei uns stets "Unkraut" hieß. Aber hinter dieser launigen Beschilderung steckt wohl mehr: Duldung, Aufwertung, Resignation, neuer Maßstab, anklagender Zeigefinger oder einfach nur "take it easy"? Da denke ich an den Besuch bei einem befreundeten Gartenenthusiasten. Große Flächen seines artenreichen Refugiums hatte er der weiß-grünen Variante des Giersch, Aegopodium ‘Variegata’, überlassen und erklärte mir, wie sehr er sich über diesen heiteren, lichten Unterton in seinen Pflanzungen freue.

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Aufwertung? Guter oder schlechter Bodendecker – das ist sicher relativ. Es kommt auf den Standort, den Zweck, die Pflege, nicht zuletzt auf die Sorte und auf den Gärtner selbst an. Zum Giersch nur noch so viel: Den nehme ich nicht leicht. In unserem Garten darf er nicht Fuß fassen. Ich vertreibe ihn mit größter Sorgfalt, auch seine weiß-grüne "Abart". Fragen Sie mich nicht nach Bekämpfungsstrategien. "Wehret den Anfängen", sage ich in diesem Fall. Bedenklich wird es, wenn Bodendecker schwächere Nachbarstauden überwachsen. Das geht rasch. Ich denke dabei an die "Schnellwachser", Balkan-Storchschnabel, Immergrün, Beinwell, Frauenmantel, Steinsame und Goldnessel. Allesamt gute Bodendecker, die ich empfehlen kann, aber sie sind nicht zu bremsen. Man muss sie kontrollieren. Ganz anders die „Braven“, wie Schleifenblume, Haselwurz, Elfenblume, Dickmännchen und Golderdbeere. Sie brauchen einen etwas längeren Anlauf, decken später aber zuverlässig ihre Fläche ab. Sind sie zusätzlich noch immergrün, dann "herzlich willkommen"!

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Und dann gibt es die Gruppe der "Duckmäuser", die es zwar können, aber wenn es schwierig wird, wenn der Standort nicht stimmt, wenn es zu feucht oder zu trocken ist, bleiben sie mickerig, fallen ganz aus oder lassen den "Fremdkräutern" den Vortritt. Mit ihnen, so schön sie sein können, gibt es schnell Ärger. Sand-Thymian, Sedum-Arten, Silberteppich-Ehrenpreis, Schecken-Knöterich und Silberwoll-Ziest sind solche Wackelkandidaten. Dazwischen irgendwo liegt noch die Gruppe der "Sonderbeauftragten", deren Schwächen man kennen muss, die aber an zusagender Stelle bestens mitspielen. Dazu zähle ich das Fiedermoos, das Kleeblättrige Schaumkraut, die Ranken-Schaumkerze und das Porzellanblümchen.

Doch zurück zum Anfang: Das aufwertende Etikett "Kulturbegleitflora" könnten noch weitere Bodendecker aus der heimischen Natur für sich beanspruchen. Neben dem Giersch auch Sauerklee, Gundermann, Münzkraut, Scharfer Mauerpfeffer und Wald-Erdbeere. Das ist sicher nur eine Frage der Einstellung.

Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei "Karl Foerster" in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen. Mehr über den Karl-Foerster-Garten erfahren Sie im PotsdamWiki.

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Extra-Wissen

Wie gut sind Bodendecker und was können sie? Ihre wichtigste Aufgabe ist es, den Boden zu bedecken. Offener Boden trocknet schnell aus, verunkrautet und verliert biologische und physikalische Eigenschaften. Also hält man ihn bedeckt, eben mit den Bodendeckern. Eine Mulchschicht tut’s auch, attraktiver ist meist eine standortgerechte Decke aus Pflanzen. Klar ist jedoch: Eine von Bodendeckern bewachsene Fläche lässt sich weder hacken noch graben. Aufkommendes "Unkraut" bedeutet Handarbeit. Wichtig ist daher: Ein Bodendecker soll schnell die zugewiesene Fläche bedecken. Dass er anschließend aufhört zu wachsen, gehört ins Fabelreich. Das heißt, man kann immer damit rechnen, dass der Teppichweber über die ihm zugedachten Grenzen hinauswächst.

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Konrad Näsers Favoriten

Die unschlagbaren Vier
    Balkan-Storchschnabel, Geranium macrorrhizum
    Beinwell, Symphytum grandiflorum
    Frauenmantel, Alchemilla mollis
    Steinsame, Lithospermum purpurocaeruleum

Warum setze ich sie an die Spitze? Sie wachsen schnell, sowohl in der Sonne wie im lichten Schatten, decken den Boden nahezu unkrautdicht ab und haben zudem schöne Blüten.

Vorsicht: Storchschnabel, Beinwell und Frauenmantel versamen sich gern.

Dicht hinter den Favoriten folgen
    Dickmännchen (Ysander), Pachysandra terminalis, wächst nicht auf jedem    Boden, gut im Schatten
    Immergrün, Vinca minor, gut im Schatten
    Maiglöckchen, Convallaria majalis, wuchert stark, verdrängend
    Rote Elfenblume, Epimedium x rubrum, für lichten Schatten

Die Langsamwachser, doch sie leisten beste Bedeckungsarbeit
    Gelbe Elfenblume, Epimedium perralderianum, immergrün, Halbschatten
    Schaumkresse, Arabis procurrens, immergrün, Sonne und Halbschatten
    Golderdbeere, Waldsteinia geoides, mehr horstig, für Halbschatten
    Haselwurz, Asarum europaeum, wächst noch im tiefen Schatten

Gute Bodendecker mit Sonderwünschen
    Fiedermoos, Leptinella (syn. Cotula) squalida, für feuchten Boden
    Kleeblättriges Schaumkraut, Cardamine trifolia, für feucht-kühlen Halbschatten
    Ranken-Schaumkerze, Tiarella cordifolia, für feuchten, humosen Halbschatten
    Porzellanblümchen, Saxifraga x urbium, für Halbschatten, langsamwachsend

Bodendecker, die ich nicht verwende
    Woll-Ziest, Stachys byzantina, nur für trockene, sonnige Stellen
    Schecken-Knöterich, Bistorta affinis, kahlt aus, erfriert bei Barfrost
    Sand-Thymian, Thymus serpyllum, erfordert zu viel Jätearbeit
    Goldnessel, Lamium galeobdolon, starker Wucherer
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