Efeu – immergrüner Kletterer

Vorsicht bei schadhaften Fassaden, da Efeu in Risse eindringen kann. Türen und Fenster freischneiden!

Efeu ist anschmiegsam – am Mauerwerk, an Bäumen oder am Boden. Deshalb ist er seit der Antike Sinnbild für Freundschaft und Treue. Außerdem galt er auch als Symbol der Heiterkeit und Geselligkeit. Seine immergrünen Blätter verkörpern ewiges Leben. Viel Symbolik. Doch es gibt auch handfeste Gründe, sich Efeu in den Garten zu holen: seine reichhaltige Farben- und Formenvielfalt beispielsweise. Damit bedeckt er zuverlässig Problemzonen des Gartens, z. B. schattige Flächen unter Gehölzen oder die Nordseite von Gebäuden. Tatsächlich gedeiht Efeu auch an sonnigen bis halbschattigen Standorten – solange der Boden feucht genug ist. Apropos Boden: Der Kletterer bevorzugt zwar kalkhaltige, humose Lehmböden, wächst aber auch auf sandigeren Böden, wenn sie nährstoffhaltig und nicht zu trocken sind. So schmückt das immergrüne Laubkleid als Bodendecker, als Fassadenbegrünung, als Stamm- oder Laternenmantel unser privates und öffentliches Grün.

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Als immergrüne Zierde von Gärten hat Efeu eine lange Tradition: Schon im antiken Italien und Griechenland holte man ihn aus der Natur in die Gärten, und bereits dort waren Varianten mit weiß oder gelb gemusterten Blättern bekannt. In Deutschland begann Efeu erst Mitte des 16. Jahrhunderts, die Gärten zu erobern. Jedoch fand der wuchsfreudige Kletterer in den getrimmten Anlagen des Barock und der Renaissance nur wenige Freunde. Populärer wurde der Efeu als Gartenpflanze erst in den weiträumigen Landschaftsparks ab 1750. Das weckte den Züchter-Ehrgeiz: Bald darauf gab es bereits mehr als 200 Spielarten! Heute existieren rund 1000 schwach- bis starkwachsende Efeu-Sorten – mal mit weiß, mal gelb panaschiertem, mal mit rötlich überlaufenem Laub und mannigfaltigen Blattformen. Sie werden meistens aus Stecklingen vermehrt. Manche Efeu-Arten, etwa der heimische Hedera helix und seine Auslese ‘Woerner’, gelten als sehr frostfest. Andere benötigen geschützte Standorte, um sich zu fleißigen Klettermaxen zu entwickeln. Dazu gehört der großblättrige Kolchische Efeu aus dem Kaukasus (H. colchica). Der wüchsige, manchmal kletterfaule Atlantische bzw. Irische Efeu (H. hibernica) gedeiht in wintermilden Gebieten bzw. mit Winterschutz. Die Verwandten des Kanaren-Efeus (H. canariensis) sind dagegen Zimmerpflanzen. Als niedrige Sträucher eignen sich aus Kopfstecklingen der Altersform gewonnene Pflanzen (H. helix ‘Arborescens’). Sie klettern nicht, sondern beeindrucken durch ihren buschigen Wuchs, die ovalspitzen bis rautenförmigen Blätter und die Herbstblüte.

Efeu selbst vermehren

Das gelingt Ihnen mit Stecklingen in feuchter Erde. Beachten Sie: Aus Jungtrieben gewonnene Pflanzen können dank Haftwurzeln kriechen und klettern, bei geeigneten Bedingungen sogar Blütentriebe ausbilden. Eine Efeu-Pflanze, die durch vegetative Vermehrung aus einer Altersform hervorgegangen ist (unser Foto zeigt die Blattform), wird niemals Kriechsprosse mit Haftwurzeln ausbilden.

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Besonderes aus dem Reich des Efeus

• Efeu bildet zwei Sprosstypen mit unterschiedlichen Blattformen aus: Zunächst kriechende oder kletternde Triebe mit Haftwurzeln und drei- bis fünflappigen Blättern. Später wurzellose, nicht kletternde Triebe mit ungeteilten, spatel- bis rautenförmigen Blättern.
• Dank kräftiger Haftwurzeln klettert Efeu ohne Rankhilfe bis zu 20 m hoch.
• Es kann bis zu 20 Jahre dauern, bevor er erstmals an der Altersform der Triebe blüht. Die späte Blüte (September/Oktober) ist wichtige Nahrung für Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge.
• Die Früchte entwickeln sich bis April des Folgejahres. Lieblingsfutter von Gartenrotschwänzen, Amseln, Rotkehlchen, die den Samen verbreiten.
• Efeu gilt in Nordamerika, Australien und Neuseeland als eingeschlepptes, stark wucherndes Unkraut und wird dort intensiv bekämpft.
• Aus den Blättern des nicht blühenden Efeus wird ein wirkames Medikament gegen Husten und Bronchitis gewonnen. Deshalb wurde wurde Efeu 2010 zur Heilpflanze des Jahres gekürt.
 

Das sollten Sie über Efeu wissen

• Sämtliche Pflanzenteile des Efeus sind giftig.. Schon nach dem Verzehr von zwei bis drei Beeren können Vergiftungserscheinungen auftreten, z. B. Verdauungsbeschwerden oder Kopfschmerzen. Größere Mengen der bitteren Beeren verursachen Schock und Atemstillstand. Häufig sind auch Hautreizungen nach Kontakt mit Blättern und Trieben. Deshalb sind Handschuhe bei der Gartenarbeit mit Efeu empfehlenswert.
• Efeu schmarotzt nicht und erwürgt die Bäume auch nicht. Er dringt also nicht mit seinen Wurzeln in andere Pflanzen ein, um ihnen Nährstoffe oder Wasser zu entziehen. Er benutzt sie lediglich als Kletterhilfe. Allerdings können durch sein Gewicht im Laufe der Jahre Äste abbrechen oder sogar Bäume umstürzen. Das immergrüne Efeulaub kann Teile des Wirtsbaumes vom Licht abschotten und ihn so schwächen.
• Efeu ist sehr konkurrenzstark. Die meisten Gewächse schaffen es im Schattenbeet nicht, sich gegen Efeuwurzeln zu behaupten. Pflanzen Sie in seinem Umfeld nur ebenso zähe Vertreter wie Kirschlorbeer, Rodgersie oder Wald-Geißbart.
• Efeu verankert sich mit seinen Haftwurzeln direkt im Mauerwerk. Weil Efeu ohne Rankhilfe klettern kann, lassen sich mit ihm gut Gebäudefassaden begrünen. Allerdings sollte sich die Fassade in einem guten Zustand befinden. Hat der Putz dauerfeuchte Risse, versucht die Pflanze, diese Wasserquellen zu erschließen. Die kleinen Haftwurzeln bilden sich zu Wurzeln um, die in die Risse wachsen und den Putz mit der Zeit durch ihr Dickenwachstum sprengen. Intakte Efeu-Fassaden halten dagegen lange, weil das dichte Blätterkleid den Putz vor Witterungs- und Temperatureinflüssen schützt.
• Efeu klettert nicht auf jedem Untergrund. Efeu verweigert die Kletterarbeit an glatten Rundprofilen (z. B. von Metallzäunen), an weiß gestrichenen Fassaden und Betonwänden. Von stark reflektierenden Flächen wenden sich die Triebe ab, um dem grellen Licht zu entgehen. Hier hilft ein dunklerer Anstrich. Auf einer porösen, stark saugenden Unterlage wie Kalksandstein fehlt die Feuchtigkeit, die der Efeu zum Haften benötigt. Und frische Betonwände haben einen zu hohen pH-Wert, den der Efeu nicht mag. Es dauert, bis die Haftwurzeln hier Halt finden.
• Efeu rechtzeitig in die Schranken weisen! An Fassaden sollten Sie aufpassen, dass die Triebe nicht zwischen Dachziegeln hindurchwachsen, Fenster zuranken oder Regenrinnen verstopfen. Haftwurzelreste lassen sich nämlich nur mühsam entfernen.
 
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