Echinacea – Helden mit Hut

Ein verwegenes Arrangement aus den Scheinsonnenhüten Sunset (lachsfarben) und Sun-down (orange) mit Cosmea und Argentinischem Eisenkraut.

Mit seinem breitkrempigen Hut, standfest, in geradezu stoischer Gelassenheit der sengenden Sonne trotzend, erinnert der Scheinsonnenhut ein wenig an alte Cowboyhelden. Schließlich stammt er auch aus den Savannen und Steppen Nordamerikas. Von Ende Juni bis weit in den September hinein bringt der unermüdliche Dauerblüher hier die Prärie zum Leuchten – in einem strahlenden, zugegebenermaßen wenig cowboygemäßen Rosarot, das (von einer einzigen Ausnahme abgesehen) allen Wildarten der Echinacea-Gattung zu eigen ist. Oft heißt er deshalb einfach „Roter Sonnenhut“.

Echinacea tomato soupAngesichts der schier unüberschaubaren Farbvielfalt, die dank neuer Züchtungen in den letzten Jahren auf den Markt geschwemmt ist, erscheint das etwas kurz gedacht: Gelbe, orangefarbene, lachsfarbene und knallrote Züchtungen gibt es heute, roséfarbene und weiße, einige mit gefüllten Blüten, manche wechseln gar die Farbe (‘Hot Summer’ von Gelb über Orange zu Rotorange), ganz zu schweigen von den ungezählten Kombinationen, die sich aus der Verschiedenfarbigkeit des kegelförmigen Blütenbodens und den langen schmalen, oft leicht überhängenden Zungenblüten ergeben. Hier hat sich ein Eldorado für Sammler aufgetan.

» Der Duft des späten Sommers

Die Übersicht zu wahren ist schwer, zuweilen selbst für Händler. Und so sollte man der Sortenfülle mit einer gewissen Gelassenheit begegnen, etwa zwischen ‘Coconut Lime’ und ‘Milkshake’ (beide weiß und gefüllt) nicht unbedingt nach Unterschieden suchen und auch Höhenangaben später im Garten nicht mit dem Zollstock kontrollieren. Das Gros der Sorten erreicht etwa 80 cm Höhe, darunter die besonders bewährten, purpurrosa gefärbten Klassiker ‘Augustkönigin’ und ‘Magnus’. Nur ausgesprochene Zwergsorten wie ‘After Midnight’ (dunkelmagenta), ‘Kim’s Mop Head’ (weiß) oder ‘Kim’s Knee High’ (rosarot) bleiben mit etwa 40 cm Höhe deutlich kleiner. Standfest und auch frosthart sind sie ausnahmslos alle. Nur in besonders rauen Gegenden sollten sie bei anhaltenden Kahlfrösten eine leichte Decke aus Reisig bekommen.

Um möglichst lange, also etwa vier bis fünf Jahre, Freude an ihrer Pracht zu haben, ist ein sonniger Standort auf gut durchlässigem, gern mit Schotter durchsetztem, zugleich aber nährstoffreichem Boden wichtig. Längere Durststrecken im Sommer werden problemlos gemeistert, nasse Füße im Winter führen dagegen allzu schnell ins Jenseits. Wichtig ist auch: Trotz seines im wahrsten Sinne des Wortes raubeinigen Auftretens ist unser Cowboyheld gar kein Kämpfertyp. Im Gegenteil. Im Beet wird er von starkwüchsiger Konkurrenz erbarmungslos niedergemacht, denn mit seiner eher spärlichen, hauptsächlich bodennahen Beblätterung hat er nur wenig entgegenzusetzen. Soll er am besten also alleine stehen? Ein „lonesome Cowboy“?

» Schmucklilien – Sommertraum in Blau

Echinacea albaAber nein. Die laubarmen, wenn auch häufig hübsch rot überlaufenen Stängel sollten zumindest weiter unten verdeckt werden. Und was steht einem Präriegewächs besser zur Seite als Gräser? Ganz ideale Partner sind spät austreibende, knie- bis hüfthohe Gräser wie Haarschotengras (Bouteloua) oder Liebesgras (Eragrostis). Sie dürfen dem Scheinsonnenhut vergleichsweise dicht auf die Pelle rücken, während wintergrüne oder sehr früh austreibende Gräser aus Konkurrenzgründen Abstand wahren müssen.

Das wunderschöne Federgras (Stipa tenuissima) gehört zum Beispiel dazu, oder auch das weitgefächerte Reitgras (Calamagrostis). Weitere effektvolle Begleiter sind Pflanzen, die zu den eher waagerechten Blütentellern der Echinacea aufregende Kontraste setzen. Etwa durch vertikale Blütenkerzen (Kandelaber-Ehrenpreis, Prachtscharte, Duftnessel) oder schirmartigen Wuchs (Wolfsmilcharten, Fetthenne). Besonders spannend sind Kombinationen mit so ungewöhnlich gefärbten Sorten wie ‘Sundown’, ‘Art’s Pride’ (beide orange) oder ‘Sunset’ (lachsfarben). Beschwingt, fröhlich, feurig leuchten sie aus einem Meer von gelblaubigen Begleitern wie Gelbem Dost ‘Thumbles Variety’ oder dem Storchschnabel ‘Blue Sunrise’. Ein spannungsgeladenes, mystisches, fast düster anmutendes Bild ergibt sich dagegen mit dunkellaubigen Gewächsen wie Purpur-Kerbel ‘Ravens Wing’ oder Bronze-Bartfaden ‘Husker Red’.

Lassen Sie sich von der Vielfalt der Scheinsonnenhüte inspirieren, probieren Sie Neues. Selbst wenn ein Farbarrangement mal gar nicht gelingen sollte: Allerspätestens im Winter, wenn seine formschönen, „igeligen“ Samenstände dem sonst kahlen Garten Struktur verleihen, werden Sie froh sein, den kleinen Helden gepflanzt zu haben.
Kerstin Ackermann

Praxis-Tipp

Der Scheinsonnenhut zählt nicht zu den langlebigsten Stauden. Nach etwa vier Jahren sollte für Nachwuchs gesorgt werden. Von Wildarten (also Echinacea purpurea, E. paradoxa oder E. pallida) lassen sich Samen ernten und im Frühjahr unter Glas aussäen. Bei etwa 20 °C keimen sie innerhalb von zwei Wochen. Lichtkeimer, nicht mit Erde bedecken! Die Sorten vermehrt man dagegen über Wurzelschnittlinge. Dazu im Spätherbst eine kräftige Wurzel mittlerer Dicke in etwa 8 cm lange Teilstücke schneiden, mit Erde bedecken und feucht halte.

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