Die wunderbare Welt der Farne

Filigranfarn und Wurmfarn

Schattengesellschaft: Filigranfarn und Wurmfarn mit Akelei, Elfenblume, Haselwurz und einer Bauernhortensie.

Farne sind langweilig grün, sie haben keine Blüten und sie wuchern. Wieviel Vorurteil und Halbwissen! Immergrüne Farne sind wahre Gartenschätze, vor allem für den Schatten.

Immer wieder ärgere ich mich, wenn frei erfundene Pflanzennamen es dem Käufer unmöglich machen, später noch einmal nachzuschlagen. Manchmal aber kann ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen: Im Herbst gibt es auf Pflanzenmärkten dunkelbraune Knollen mit der vielversprechenden Bezeichnung "Blühender Farn". Später entpuppen sich die Wunderknollen als Gartengloxinie, Incarvillea. Sie hat sehr wohl farnähnliche Blätter, und die typischen rosaroten Gloxinien-Blüten. Nein, ein Farn ist das jedenfalls nicht. "Seit Jahren habe ich einen sehr schön blühenden Farn im Beet, den Namen kenne ich nicht." Damit konfrontierte mich einmal eine Gartenliebhaberin. Der vermeintliche Farn ließ sich schließlich als Wiesenraute (Thalictrum delavayi) enttarnen. Diese schöne Blütenstaude hat Blätter, die entfernt an den Frauenhaarfarn (Adiantum) erinnern, die dazu aber Massen von zierlichen, hell lilia Blütchen entwickeln. Nun, ich lobe mir bei all diesen "Pseudofarnen" doch die echten Farne, Schattenhelden in feuchtkühlen Bereichen und ideale Partner zu Blütenstauden mit ähnlichen Ansprüchen.

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Zugegeben, Blüten haben die echten Farne nicht. Aber den Vorwurf Wucherer muss sich lediglich der Trichterfarn (Matteuccia) gefallen lassen. Um so mehr fesseln mich die schönen immergrünen Arten, die den winterlich kahlen Garten schmücken. Sattgrüne Wedel den ganzen Winter hindurch haben nur wenige Farne. Es sind die "echten" Immergrünen. Da sie meist einheimisch sind, trotzen sie allem Wetter. Ein Zwerg unter ihnen ist der Streifenfarn (Asplenium trichomanes). Er gibt sich etwas eigenwillig bezüglich des Standortes: In Felsritzen finden ihn die Bergwanderer, in kalkhaltigen Mauerfugen gedeiht er in Mittelgebirgsgegenden. Noch kleiner ist die Mauerraute (Asplenium ruta-muraria).

Ich fand sie jüngst wieder im Erzgebirge in den Stufenritzen der St. Annenkirche. Ebenfalls in Mauerfugen, auf alten Baumstubben oder zwischen Steinen breitet sich der Tüpfelfarn aus. Auf der Unterseite seiner dunkelgrünen, kurzen Wedel sind deutlich die rotbraunen Sporenlager (Tüpfel!) zu entdecken. Deutlich üppiger, aber ohne zu wuchern wächst der Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium). Er liebt einen geschützten Schattenplatz auf lehm- und kalkhaltigem Boden. Am schönsten finde ich die gewellte Sorte 'Undulatum'. Zu den immergrünen "Großen" gehören die Schildfarne (Polystichum). Sie verkörpern mit bis 70 cm langen Wedeln typische Farngestalten. Eingewachsen an einem schattigen, humosen Standort können sie Jahrzehnte alt werden.

Ein Fremdling unter ihnen ist der Bärentatzenfarn (Polystichum polyblepharum) aus Japan. Seine im Austrieb und auch noch später braunfilzigen Wedel sind ein besonderer Schmuck. Er möchte etwas geschützt und auf gutem Humusboden stehen, sonst wirkt er kümmerlich. Ein vitalerer Vertreter der Gattung ist der Glanz-Schildfarn (Polystichum aculeatum) mit kräftigen, doppelt gefiederten Wedeln. Die vorjährigen Wedel sind noch grün, wenn sich im April der helle Kranz des Neuaustriebs aus der Pflanzenmitte entrollt. Als Nachbarn zu diesem Ereignis passen Leberblümchen, Krokusse, Elfenblumen und Buschwindröschen: ein prachtvoller Frühlingsanblick. Der wertvollste Schildfarn ist für mich der Brutwedelfarn (Polystichum setiferum), wegen der zarten Fiedern auch Filigranfarn genannt. Das Besondere an ihm sind die winzigen neuen Pflänzchen (Bulbillen), die sich im Herbst in den Achseln der Fiederblättchen bilden. Allerdings entdeckt man sie nur in feuchten Jahren und an gut gepflegten Exemplaren. Vielleicht schauen Sie sich auf der gegenüberliegenden Seite an, wie ich diese Bulbillen zur Vermehrung nutze. Unbedingt zum Nachahmen zu empfehlen! Viel Erfolg damit wünscht
Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei "Karl Foerster" in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen.

Mehr über den Karl-Foerster-Garten erfahren Sie im PotsdamWiki.
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