Die Rinde - hilfreiches Erkennungsmerkmal

Themen: Rinde, Gehölze

Rinden-Potpourri: Lindenblättrige Birke (Betula maximowicziana), Eisenholzbaum (Parrotia persica), Gleditschie (Gleditsia triacanthos), Stewartie (Stewartia), Streifen- Ahorn (Acer tegmentosum), Mahagoni-Kirsche (Prunus serrula, von links nach rechts).

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Zeige mir deine Rinde … und ich sage dir, wie du heißt. Baumstämme sind oft unverwechselbar in ihrer Rindenfarbe und -struktur. Ein Kenner weiß auch ohne Blick in die Krone sofort, wen er vor sich hat. Buchen beispielsweise haben „aalglatte“ Borke, Robinien tragen lieber tief gefurcht. Bei Platanen oder Stewartien löst sich die äußere Schicht in großen Platten ab, sodass ein vielfarbiges Patchwork entsteht.

Birken beeindrucken mit weißer, manchmal aber auch mit kupferfarbener Borke, die sich papierartig dünn abschält. Die wohl wehrhaftesten Stämme besitzt die Amerikanische Gleditschie (Gleditsia triacanthos), auch Lederhülsenbaum genannt. Ihre starken Dornen am Stamm erinnern an mittelalterliche Folterinstrumente wie die „Eiserne Jungfrau“. Auch farbliche Abwechslung haben Borken und Rinden zu bieten: Der Sibirische Hartriegel (Cornus alba ‘Sibirica’) leuchtet an den jungen Zweigen intensiv rot, sein Verwandter (C. stolonifera ‘Flaviramea’) macht es ihm in Gelb nach. Zur Kopfweide erzogen, tragen die jungen Zweige der Britzer Weide (Salix alba ‘Britzensis’) leuchtendes Orange zur Schau. Bei den Schlangenhaut-Ahornen ist die Rinde sogar auffällig gestreift. Ihr Verwandter, der Zimt-Ahorn (Acer griseum), pellt seine zimtbraune Rinde in Rollen ab – fast schon Zimtstangen-Look! Ein echter Hingucker: Die Rinde der Mahagoni- Kirsche (Prunus serrula) schimmert in warmem Kupferbraun und löst sich in dünnen Streifen vom Stamm. Von wegen, triste Winterzeit!

Zwischen Borke und Baum ...

ein Synonym für die sprichwörtliche Zwickmühle, innere Zerrissenheit und den Wankelmut eines Menschen. Dabei ist die Borke durchaus etwas Beständiges, Dauerhaftes. Sie umkleidet den Baum wie einen Mantel und bietet so Schutz vor Kälte, Hitze, Wasserverlusten oder Verletzungen. Sie gewährt „Untermietern“ wie Insekten oder Käferlarven einen Unterschlupf – sehr zur Freude von Specht, Kleiber oder Meise.

Stellt man sich den Stamm eines Laubbaumes im Querschnitt vor, so liegt hinter der äußeren Borke die Bastschicht. Bast und Borke bilden die Rinde mit der Wachstumsschicht, dem Kambium. Mit Hilfe dieser ringförmigen Zone kann das Gehölz mit zunehmendem Wachstum ungehindert in die Breite gehen. Hier liegen auch die Versorgungsleitungen des Baumes. Sie transportieren Wasser und Nährstoffe von den Wurzeln in die Blätter. Auf dem Rückweg befördern die Leitungsbahnen energiereiche Stoffwechselprodukte von den Blättern in Richtung Wurzeln. Also wichtige Lebensadern für Baum und Strauch! Kaum auszudenken, wenn die Rinde eines Gehölzes verletzt wird – je großflächiger, desto ungünstiger für die Pflanze.

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Für Gartenbesitzer deshalb ein Muss, umsichtig mit dem Rasenmäher zu hantieren, weiträumige Abstände bei Zufahrten und Wegen einzuhalten. Bei Bauarbeiten mit Baumaschinen gönnen Sie Ihren Bäumen und Sträuchern dicke Schutzpolster oder Sie setzen kleinere Pflanzen nötigenfalls um. Selbstverständlich sollte es sein, weder Nägel noch andere Haltevorrichtungen in den Baum zu schlagen! Auf Dauer einschnürende Seile oder Drähte sind ebenfalls tabu. Über den verletzten Schutzmantel dringen Krankheitskeime ein. Verstopfte oder leck geschlagene Leitungsbahnen drehen dann dem Baum tatsächlich bald „den Saft ab“.

Karin Wachsmuth

 

Weitere schöne Rindenträger:

Gehölze mit strauchartigem Wuchs Eigenschaften

Sommerkamelie, Stewartia pseudocamellia: Borke rötlich, platanenartig abblätternd
Streifen-Ahorn, Acer tegmentosum/pensylvanicum: weiß(-blaue) Rindenstreifen
Schlangenhaut-Ahorn, Acer capillipes/rufinerve: grün-weiße Streifen an Ästen und Stamm
Zier-Brombeere, Rubus coreanus ‘Dart’s Mahagony’: mahagonifarbene, bewehrte Zweige
Blauholzige Brombeere, Rubus cockburnianus: bläulich bereifte Zweige
Hartriegel, z. B. Cornus ‘Midwinter Fire’/‘Kesselringii’: verschiedenfarbige Zweige
Pfaffenhütchen, Euonymus europaeus: vier Korkleisten an grünen Zweigen
Drachen-Weide, Salix udensis ‘Sekka’: verbänderte, gewundene Zweige

Gehölze mit baumartigem Wuchs Eigenschaften

Birke, Betula albosinensis/utilis var. jaquemontii: weiße bis kupferne, z. T. abrollende Borke
Persischer Eisenholzbaum, Parrotia persica: in Mustern abblätternde Rinde
Amur-Kirsche, Prunus maackii: kupfern glänzende, abrollende Borke
Schuppenrinden-Hickorynuss, Carya ovata: schuppig abblätternde Borke
Amberbaum, Liquidambar styraciflua: mit Korkleisten besetzte Rinde
Robinia pseudoacacia ‘Tortuosa’: bizarr gedrehte Zweige

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