Die Pestwurz – besser als ihr Ruf

Das ist schon ein Kreuz mit diesem Namen. Da blüht man in der unwirtlichsten Jahreszeit, schiebt von Dezember bis Februar unverdrossen hübsch purpurfarbene Blütenstände aus dem Boden, bereichert die kühle Winterluft gar um herrlich duftiges Vanillearoma – und was ist der Dank? Pestwurz nennen sie einen!

So in etwa würde die hübsche Pflanze wohl denken, wenn sie es denn könnte. Tatsächlich weckt diese unglückliche Namenswahl allzu unschöne Assoziationen. Und so haben sich findige Gärtner verheißungsvollere Bezeichnungen für den 40 cm hohen Winterblüher Petasites fragrans einfallen lassen: Winterheliotrop, Duftwurz oder – immerhin – Vanillen- Pestwurz. Eine Erklärung für den rufschädigenden Titel ist wohl, dass das hübsche Geschöpf in früheren Zeiten als Heilpflanze eingesetzt wurde, gegen Kopfschmerzen, Entzündungen… und eben auch gegen die Pest. Mit fragwürdigem Erfolg, denn die Pyrrolizidine der Wildpflanze vergiften die Leber und gelten als krebserregend. Pestwurz-Extrakte, die heute in verschiedenen Phytopharmaka zum Einsatz kommen, entstammen daher allesamt einer besonderen, giftarmen Züchtung. In den Gartenwert der Pestwurz wurde hingegen kaum züchterische Arbeit investiert. Vielleicht ja, weil die ursprünglichen Wildarten schon so sehr überzeugen?

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Alle Mitglieder der Petasites-Gattung gefallen (neben der ungewöhnlichen Blüte) als ornamentale Blattschmuckstauden und anspruchslose Bodendecker. Die Vanillen-Pestwurz bildet bereits zeitgleich zur Blüte herzförmige, unterseits weich behaarte Blätter, die auch auf relativ trockenem Boden ein stattliches Terrain erobern und zuverlässig bedecken.

Andere Arten sind auf feuchten Grund angewiesen und geben so zum Beispiel wertvolle Bodendecker für den frischen, humosen Teichrand in Sonne oder Halbschatten ab. Die Gewöhnliche Pestwurz (P. hybridus) mit lang gestielten, herzförmigen, bis zu 60 cm langen Blättern und bis zu 40 cm langen Blütentrauben gehört dazu. Vor allem aber der Gigant unter den Blattschmückern: Die Japanische Pestwurz (P. japonicus var. giganteus), deren einzelnes, fast rundes Blatt einen Durchmesser von 1,2 m erreichen kann, getragen von einem bis zu 1,5 m hohen Stängel.

Bei so viel Potenzial hat es den Züchtern dann doch mal in den Fingern gejuckt. Und so entstand die Sorte Petasites japonicus ‘Nishiki-buki’, oftmals auch einfach als ‘Variegatus’ bezeichnet, mit weiß-gelb panaschiertem, unregelmäßig eingeschnittenem Laub. Verständlich, dass bei so viel Blattschmuck die Blüte dieser Sorte in den Hintergrund rückt.

Dennoch gilt bei ihr, wie auch bei allen anderen Arten: Ein Rückschnitt der verwelkten Blüten- und späteren Samenstände ist sehr ratsam, um dem Ausbreitungsdrang der Pestwurz Einhalt zu gebieten. Auch über ihre Rhizome vermögen die Pflanzen Neuland zu erobern. Wer dies nicht möchte, sollte das Pflanzloch großzügig mit Teichfolie oder einer anderen Rhizomsperre auskleiden – oder alljährlich, am besten im Herbst, die vom angestammten Pflanzplatz entflohenen Rhizome ausgraben. Bei denen der Vanillen-Pestwurz empfiehlt es sich, diese in Töpfen im kalten Gewächshaus zu überwintern und ab Januar wärmer zu stellen. So erhalten Sie, mitten im Winter, ganz außergewöhnliche Topfpflanzen, deren bezaubernder Duft jeden noch so irreführenden Namen ganz schnell vergessen lässt.

Kerstin Ackermann

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