Christrosen: Neue Sorten selbst entdeckt

Lenzrose 'Frohe Ostern'

Helleborus 'Frohe Ostern'

Über die Jahrzehnte gereifte Gärten bieten so manche Überraschung: Zwischen den Lenzrosen, die sich im Laufe der Zeit sehr reichlich vermehrt hatten, fand ich einen besonders auffallenden Sämling: Heute heißt er ‘Frohe Ostern’.

„Frohe Ostern!“ rufe ich, und das nicht etwa übern Zaun zur Nachbarin. Meine Lieblinge habe ich endlich entdeckt, den erkennenden Blick auf den immer noch recht spärlich bedeckten Boden geheftet.

Eine einzigartige Lenzrose

Ob meine Lieblings-Christrose wohl auch in diesem Jahr eine Punktlandung hinlegt? Ostern steht ins Haus, und die kleine Schönheit soll ihrem Namen Ehre machen. Ja, meine Favoritin heißt ‘Frohe Ostern’. Es ist eine meiner „Privatsorten“, eigenhändig habe ich sie aus verschiedenen Sämlingen ausgelesen und auf diesen Namen getauft, weil ich sie an einem Ostersonntag entdeckte.

Da ist sie auch schon: Dicht am Boden entwickeln sich jetzt die goldgelben Knospen. Um diese Zeit sind die vorjährigen Blätter bereits weggeschnitten. So leuchten die runden Knospen wie Ostereier im Nest. Langsam schieben sich die Stiele nach oben, dann  entfalten sich schöne, goldgelbe Blüten. Christrosen im April? Nun ja, es handelt sich genau genommen um Lenzrosen, Abkömmlinge der Art Helleborus orientalis. Sie blühen im zeitigen Frühjahr.

» Christ- und Lenzrosen

Die Faszination des Findens

Glücksmomente solcher Art sind es, die den Staudenzüchter in mir wiedererwachen lassen. Eigentlich habe ich ihn längst in den Ruhestand geschickt. Und doch hofft er noch immer, dass ihm die Göttin Flora in den beengten Verhältnissen seines Privatgartens eine Pflanze schenkt, die alles bisher Bekannte übertrifft.

Er erwartet dies von allen möglichen Sämlingen, die sich in den längst eingewachsenen Rabatten reichlich einstellen. Zum Beispiel von Phlox, Glockenblumen, Geißbart, Lungenkraut, Silberkerzen und vielen anderen.

Dieses Spiel mit den Sämlingen fasziniert mich. Es ist wie beim Lotto. Selbst bei kleinem Einsatz kann irgendwann ein großer Gewinn daherkommen. Obwohl meine lange Züchtererfahrung sagt: minimale Chance. Nahe null. Und doch greift Fortuna manchmal in das Glücksspiel ein.

Das geht dann so: Bei den Buschwindröschen fand ich eines Tages einige Pflanzen, deren Blüten sich im Abblühen rosa und sogar rot färbten. Ich war überrascht, als an der Stelle im nächsten Jahr noch intensiver rot gefärbte Typen erschienen.

Erfreut ging ich daran, einige dieser Pflanzen getrennt zu setzen und durch Teilen zu vermehren. Daraus entstand mein rot blühendes Buschwindröschen ‘Rotkäppchen’. Es wurde nicht der ganz große Wurf, da es sich durch Sämlinge schnell wieder in eine rosa-rote Mischung verlor. Aber ich wusste: Es wäre bei mehr Konsequenz auch stabil zu halten.

Neue Sorten und die Vermehrungsrate

Ein nachhaltigeres Erlebnis bescherte mir der Wald-Geißbart. Ich hatte mir eine kleine Sammlung verschiedener Arten und Sorten zugelegt und nah beieinander gepflanzt. Zwei Jahre später entdeckte ich ringsum Sämlinge. Einer davon hatte einen sehr zierlichen Wuchs, und seine Blütenstände bildeten ein fein verzweigtes Netzwerk.

Das gefiel mir: eine niedrig bleibende Pflanze, nicht wuchtig wie die Eltern, mit eleganten Blüten. Ich taufte sie ‘Netzwerk’. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass die Vermehrungsrate bescheiden blieb. Alles Gute ist eben selten beisammen!

An einer weiteren Schattenstaude hängt mein Herz, am Maiapfel. Es ist eine kleine Waldstaude aus dem Himalaya. Die Blätter treiben bronzebraun aus und sind später braun marmoriert. Dazu kommen weißrosa Blüten, aus denen rote Früchte entstehen. Alles in allem recht attraktiv.

Ein sehr intensiv marmoriertes Exemplar pflanzte ich separat und gab ihm den Namen ‘Edelbraun’. Nun bin ich dabei, von dem schönen Findelkind durch fortwährendes Teilen eine kleine Gruppe aufzubauen. Mal sehen, was daraus noch wird.

Doch auch ganz populäre Stauden sind vor meinen Züchterambitionen nicht sicher. Es ist kein Geheimnis: Die hohen Staudenphloxe sind wahre Samenbomben. Ausgerechnet zwischen dem Schnittlauch im Kräuterbeet stellte sich ein besonders wüchsiger Sämling ein. Ich ließ ihn blühen: rosa. Na ja, ziemlich normal.

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Die Suche nach dem passenden Namen

Doch dann, im zweiten Jahr, überraschte er mich. Da entwickelte sich ein üppiger Busch gesunder Triebe, 150 cm hoch, standfest, große, rosa Blüten und kein Mehltau. Das war doch etwas! Die Nähe zum Schnittlauch gab mir den Namen ‘Rosa Würze’ ein, doch ich erntete Protest von meiner lieben Frau: „Was für ein hässlicher Name für eine erfreuliche Pflanze“, meinte sie. „Kannst du dir nicht etwas Hübscheres ausdenken?“ Ich konnte, und so wurde daraus ‘Rosa Freude’. Die ersten Jungpflanzen gewann ich durch Teilung. Ein ambitionierter Freund machte sich an die Stecklingsvermehrung.

Nun, dieses Züchten nach dem Zufallsprinzip macht riesigen Spaß, hat aber seine Grenzen: Da habe ich also meine neue Sorte, sie bleibt jedoch meist in der privaten Nische. Man freut sich darüber, gibt sie an Freunde, Nachbarn, Besucher weiter. Schließlich habe ich keine Produktionsgärtnerei. Und es fehlt an Werbung. Hobbyzüchter habe ich früher Pflanzenenthusiasten dieser Ausprägung ein wenig diskriminierend genannt. Jetzt bin ich selbst einer.

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Züchter-Tipp

Die natürliche Variabilität von Sämlingen ist groß. Die Wahrscheinlichkeit, einen Treffer zu finden, erhöht sich, wenn nur Samen der besten Mutterpflanzen verwendet werden. Manchen Stauden aber, wie Glockenblumen, Sonnenhut, Sonnenauge und Phlox, biete ich Gelegenheit zur Selbstaussaat. Auch dabei gibt es überraschende Ergebnisse. Wichtig ist aber: Die Findelkinder selbst lassen sich nur durch Stecklinge oder Teilstücke „sortenecht“ weitervermehren. Bei Aussaat gäbe es wieder die ganze Bandbreite an Typen.

Dr. Konrad Näser
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