Bärenklau – Architekt im Staudenbeet

Ganz klein, nur 30 cm hoch, bleibt die Zwerg-Art des Bärenklaus: Acanthus syriacus. Sie ist in Deutschland bisher noch kaum bekannt.

Die Rabatte ist ja schon ganz schön. Aber irgendwie fehlt noch ein Hingucker. Ein Solist, der alle Blicke auf sich lenkt. Pflanzen Sie einen Bärenklau! Doch mit Bedacht ...

Wer zum ersten Mal, vielleicht im Sommerurlaub auf Kreta, ganz unvermutet auf einen Bären- klau trifft, wird entzückt sein. Mit seinen stattlichen Blütenkerzen, dem Aufsehen erregenden Blattschmuck, überhaupt dieser wahrhaft ornamentalen Statur, fügt er sich perfekt in die hier übliche, verschwenderische, subtropische Pracht aus Palmen, Agaven, Baumfarnen. Sein markantes Blattwerk galt den alten Griechen gar als Vorlage für die Ornamente, mit denen sie Kapitelle und Säulen schmückten. Genau die richtige Pflanze also, um das Urlaubsgefühl auch im Garten gedeihen zu lassen! Doch folgt sogleich der ernüchternde Gedanke: Kommt so etwas bei uns denn durch den Winter? Nun, in diesem Fall hat die Natur ein Einsehen mit uns Nordlichtern. Der Bärenklau (Acanthus) ist mit einer robusten Konstitution gesegnet und übersteht selbst –20 °C. Nur in sehr rauen Gegenden ist bei Kahlfrösten eine Decke aus Reisig notwendig.

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Überhaupt kommt das Mittelmeergewächs in unseren Breiten bestens zurecht, bevorzugt zwar sonnige, trockene Standorte, gedeiht aber eigentlich überall, auch im lichten Schatten auf frischem Boden. Nur ausgesprochen nasse, vor allem winternasse Standorte behagen ihm nicht. Doch sollte man, bei aller Anspruchslosigkeit, sein künftiges Quartier mit Bedacht wählen! Der Bärenklau braucht Platz und verschafft ihn sich dank seiner stattlichen Statur zur Not auch selbst. Vor allem aber bleibt er, einmal gepflanzt, beharrlich an Ort und Stelle. Umsiedlungsversuche sind häufig zum Scheitern verurteilt – dafür treiben aus den im Boden verbliebenen Wurzelresten munter Sprösslinge. Am schönsten kommt seine imposante Gestalt vor einer dunklen Gehölzkulisse zur Geltung, als Solitär auf einer Rasenfläche, als strukturgebender, gestaltender Aspekt im Beet (mit einem Pflanzabstand von etwa 80 cm) oder auch im Kübel.

In unseren Breiten sind vor allem drei Arten erhältlich. Acanthus mollis, der Pracht-Bärenklau, ist der Pompöseste von allen. Etwa 1,5 Meter wächst er hoch, mit üppiger Laubrosette, deren einzelnes Blatt alleine schon einen Meter messen kann. Das Laub ist dabei recht variabel gestaltet, mal sehr breit mit schwacher Buchtung, mal etwas schmaler mit tiefer Zahnung. Ausgesprochen attraktiv und glänzend dunkelgrün gefärbt ist es immer. Zuweilen scheint sich dieser Bärenklau allerdings auf der Blätterpracht auszuruhen und gibt sich dann ein wenig blühfaul.

Ganz im Gegensatz zu seinen etwas schmaler gebauten Verwandten, dem Ungarischen Bärenklau (Acanthus hungaricus) und dem Stachligen Bärenklau (Acanthus spinosus). Von Juli bis Anfang September schieben sie zuverlässig überaus eindrucksvolle, bis zu einem Meter lange Blütenstände. Jeweils bestückt mit etwa 50 duftenden, weiß-violett gefärbten Kapuzenblumen. Noch lange nach der Blüte bleibt ihr markanter Fruchtstand ein Hingucker im winterlichen Garten. Auch diese Arten bilden beeindruckende Blattrosetten mit deutlich gelapptem, sehr markantem Laub, das beim Stachligen Bärenklau in wehrhaften Spitzen ausläuft. Über den Winter zieht es ein – es sei denn, Sie entscheiden sich für die Kübelkultur. Frostfrei, aber kühl überwintert, behält der Bärenklau dann ganzjährig sein Laub. Auf dass Sie sich gerade in der kalten Zeit am mediterranen Charme der Pflanze erwärmen können.

Kerstin Ackermann

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