Azaleen – Ziergehölze mit Blüten voller Leuchtkraft

blühende Azalee in zartem Farbton

Anmutig und zart zeigen sich manche Azeleen, andere beeindrucken mit Blüten in leuchtenden Farben mit großer Fernwirkung. Fotos: iVerde

Was strahlt denn aus der Ferne so goldgelb vor Nachbars Hecke? Warmes Orangerot und reines Weiß leuchten weiter hinten im Garten?

Wer zwischen Anfang Mai und Mitte Juni die Sommergrünen Azaleen für sich entdeckt, traut seinen Augen kaum: Wie kein anderes Gehölz bringen sie jetzt Farbe in unsere Rabatten. Mit ihnen wird geklotzt und nicht gekleckert. Besonders die bekannten Knap-Hill-Hybriden überzeugen, weil ihr knalliger Flor schon vor dem Laub erscheint.

Zarte Töne kommen eher von Neuzüchtungen oder den Viscosum-Sorten. Sie blühen kleiner, dafür aber als Letzte im Azaleenreigen und mit wundervollem Duft. Ihre zarte Erscheinung kommt dem naturhaften Gartentrend eher entgegen. 

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Die Züchtung der Azaleen - ein Blick in die Geschichte

Auch Pflanzenzüchtung ist eben eine Sache der Mode, wie die Historie der Sommergrünen Azaleen zeigt. Um 1830 war Belgien mit seinen Genter Hybriden das Zentrum: elegant, teils gefüllt, kleinblütig und farbenreich – zeitweise soll es sogar um die 500 Sorten gegeben haben.

Um 1870 entstanden dann in England die heute noch marktbestimmenden Knap-Hill-  Hybriden. Aus der berühmten Baumschule Waterer kamen sie nach 1945 in deutsche Betriebe. Mit bisher ungekannter Leuchtkraft, warmen, tiefen Tönen von Gelbgold bis Abendrot und großen Einzelblüten traten sie ihren Siegeszug an. Nicht zuletzt wegen leichter Vermehrbarkeit durch Stecklinge anstatt Veredelungen wie bei den Genter-Hybriden bestimmen sie noch heute das Sortiment der Baumschulen.

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Standortansprüche der Azaleen

Bei vielen Praktikern hat sich der alte Name „Azalea“ gehalten, obwohl Botaniker die Sträucher zu den Rhododendren zählen. Schon ihr weiches und sommergrünes Laub hat nicht viel mit den lederblättrigen Verwandten gemein, und Azaleen wachsen zudem gern in der Sonne. Hier zeigen sie im Herbst eine zweite „Blüte“ mit tiefroter Blattfärbung vor dem Laubfall. Die Sträucher sind auch dadurch sehr frostfest und eignen sich für winterkalte Höhenlagen.

Allein die Bodenansprüche teilen sie mit den Rhododendren: Lockere, humose Erde mit einem niedrigen pH-Wert ist die Basis für Erfolg. Das Pflanzloch wird doppelt so breit wie tief ausgehoben und der Boden zur Hälfte mit Torf oder Rhodohum veredelt. Sehr gut hilft auch die Streu aus trockenen Nadeln, die man unter alten Fichten- oder Kiefernhecken hervorholt und statt Torf zur Bodenverbesserung einsetzen kann. Mit Humuserde fühlen sich die Azaleen auch auf Balkon und Terrasse wohl.

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Luftig und sonnig

Ob im Topf oder im Beet – ihr Standort im Garten sollte stets offen und sonnig sein. Das reduziert den Befall mit Echtem Mehltau, mit dem leider das Gros der Sorten seit den 1990er Jahren zu kämpfen hat. Sollte man aber deswegen auf die wunderschönen Blütensträucher verzichten? Auf keinen Fall, denn ihr Blütenaspekt und die leuchtenden Farben sind einfach einmalig.

Besser verpflanzt man alte Exemplare an Plätze mit freier West-Ost-Ausrichtung und hilft sich in hartnäckigen Fällen mit Thiovit Jet von Compo, Asulfa Jet von Dr. Stähler oder Cueva von Neudorff – allesamt unbedenkliche und nicht bienengefährliche Fungizide auf Schwefel- bzw. Kupferbasis.

Tipps der Spezialisten

Wer noch freien Platz im Beet hat, kann natürlich besser eine der hier vorgestellten Sorten wählen: Sie sind fast mehltaufrei und von der Baumschule Stöckmann empfohlen. Andere Spezialisten wie Hachmann setzen auf ihre neuentwickelte „Köpfchen“-Serie. Hobbie führt viele Viscosum-Hybriden, und die Firma Böhlje empfiehlt historische Rustica-Hybriden.

Zur Blütezeit sind die Schaupflanzungen in diesen Baumschulen ein Besuchermagnet. Zudem kann man vor Ort Farben auswählen, den Blütenduft schnuppern und die Lieblingspflanze im Container gleich mit nach Hause nehmen.

Junge Pflanzen sind anfangs noch recht sparrig, direkt nach der Blüte lassen sich ihre steilen Triebe um ein Drittel einkürzen. Im Alter wachsen sie ganz ohne Schnitt zu mannshohen, eleganten Sträuchern. Ein wenig organischer Rhododendrondünger – im März unter den äußeren Zweigen verstreut – sorgt für Vitalität. Mineraldünger wie Blaukorn ist tabu, weil er die Blätter weich und pilzanfällig macht. Vorsicht ist auch bei automatischer Beregnung im Garten geboten: Das „Wasser von oben“ ist, wie beim Buchsbaum, oft der Grund für schwere Pilzerkrankungen.

Bei der Gestaltung im Hausgarten pflanzt man Azaleen als Glanzpunkte vor ruhige Koniferen, einzeln an die Terrasse oder in den sonnigen Bereich eines Moorbeetes. Hier gesellen sich Segge ‘Ice Dance’, Frauenmantel, Götterblume (Dodecatheon) und Kerzen-Knöterich ‘Pink Elephant’ dazu. In halbschattigen Bereichen umspielen Farn, Astilbe ‘Rheinland’, Funkie und Steinbrech die ausladenden und grazilen Gehölze, die von Frühjahr zu Frühjahr ein immer üppigeres Blütenfeuerwerk entzünden.

Arne Janssen

3 Fragen an Björn Ehsen

Als Gärtnerischer Leiter des Parks der Gärten im niedersächsischen Bad Zwischenahn kennt er sich mit dem aktuellen Gehölzsortiment aus.

Gibt es bei den Azaleen einen neuen Trend, Herr Ehsen? Ja – das kann man sagen. Doch es ist mehr Notwendigkeit als eine Mode. Seit Mitte der 1990er Jahre beobachten wir eine Anfälligkeit vieler Sorten gegenüber Echtem Mehltau. Zum Ende des Sommers sind ihre Blätter so weiß, als hätte man sie mit Mehl überstäubt. Über mehrjährige Sortenversuche haben wir die derzeit robustesten Züchtungen gefunden: Klassiker wie die Knap-Hill-Hybriden ‘Persil’ oder ‘Homebush’, die Pontica-Hybride ‘Pucella’ oder die neuere ‘White Melody’ behaupten sich. Noch gesünder wachsen Züchtungen mit Viscosum-Blut wie ‘Quiet Thoughts’ oder ‘Soir de Paris’.

Leuchten die neuen Viscosum-Hybriden denn so intensiv durch den Garten wie die alten Knap-Hill-Hybriden? Nein – ihre Blüten sind kleiner, erscheinen aber später und duften viel intensiver. Während die Knap-Hill vor dem Laubaustrieb blühen, erscheint hier der Flor erst mit oder nach den Blättern und verlängert die bunte Zeit bis in den Hochsommer.

Muss ich alte Azaleen jetzt roden? Wer seine Rosen mit einem Funigzid gegen Blattpilze spritzt, kann die Azaleen gleich mitbehandeln. Besser ist aber der richtige Standort: Durch Umpflanzen an einen sonnigen und gut durchlüfteten Platz trocknet das Laub der Pflanzen schneller ab, und Echter Mehltau kann hier keinen Schaden anrichten.


Extra-Tipps und Wissenswertes

Die Ursprünge der Sommergrünen Azaleen
Rhododendron luteum ist die Mutter aller Sommergrünen Azaleen. Früher wurde sie auch Azalea pontica genannt und entstammt der Türkei und dem Kaukasus. Hier wächst sie bis auf 2300 Meter Höhe – ein Beweis für ihre Frosthärte. Bereits 1753 wurde sie vom schwedischen Naturforscher Carl von Linné als Azalea lutea erwähnt. Um 1792 kamen erste Pflanzen nach England.

Noch im Sortiment
Diese Klassiker werden in Baumschulen und Gartencentern als Standard verkauft: ‘Golden Eagle’ (1) im orangegelben Ton, ‘Klondyke’ (2) in Gold und ‘Persil’ (3) als weiße Sorte mit Auge. Auch die leuchtende ‘Gibraltar’ (4) und ‘Homebush’ (5) mit ballförmiger Blüte gehören dazu. Doch 1, 2 und 4 haben Probleme mit Mehltau. Pflanzen Sie doch lieber die neuen und robusten Züchtungen.

Farben für Romantiker
Anmutig und zart zeigen sich Sorten in Lichtorange oder Rosatönen. Schneiden Sie ruhig alle paar Tage kleine Zweige für die Vase, um diese überschwängliche Zeit voll zu genießen. Die Sträucher blühen überreich, vertragen den „Raub“ problemlos.

Gehölze mit Duft
Am Sitzplatz sorgen Azaleen wie ‘Raimunde’ für Freude, weil sich an warmen Tagen ihren Duft verströmt. Farne, Storchschnabel und Akelei bieten sich als robuste Gesellschaft an.

Überraschung zum Ende der Saison
Azaleen bezaubern im Herbst mit einer prächtigen Laubfärbung. Die Pflanzen bereiten sich auf ihren Winterschlaf vor und bauen ihr grünes Chlorophyll aus den Blattzellen ab. Dabei treten andere Zellstoffe in den Vordergrund: Im Schatten färben Karotinoide das Azaleenlaub leuchtend gelb, an einem sonnigen Standort treten Anthocyane hervor und lassen die Blätter rot erstrahlen.

Farbenvielfalt nutzen
Die Farbpalette der robusten Sorten lässt keine Wünsche übrig! Ob feurige Rabatten in Gelb-Orange-Warmrot oder romantische Pflanzungen in Weiß-Rosa-Pink – für jedes Konzept finden sich die passenden Partner.


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