Alte Apfelsorten mit Aroma

Wer einen Apfelbaum pflanzt, kann sich über die Blütenfülle im Frühling und später im Jahr über selbstgeerntete leckere Früchte freuen – und hat vielleicht sogar eine Herbstapfelsorte im Garten, die im Handel gar nicht oder nur selten erhältlich ist: ‘Gravensteiner’ oder ‘Geheimrat Oldenburg’ sind ihre klangvollen Namen.

Alte Apfelsorten sind selten im Handel

Gerade alte Sorten stehen hoch im Kurs, denn jede hat ihren eigenen Geschmack! Erinnern Sie sich noch an die guten Sorten aus Kindertagen? An den säuerlichen, frühreifen ‘Klarapfel’ oder den köstliche ‘Gravensteiner’? Wie schade, dass man diese Sorten nur auf einem Bio-Wochenmarkt oder beim weit entfernten Obstbauern findet. Selbst den früher überall erhältlichen ‘James Grieve’ muss man suchen, denn seine leckeren Früchte sind den Supermarktketten einfach zu druckempfindlich.

Apfelsorten für jedes Kleinklima

Ein weiteres Plus der alten Sorten mit dem charakteristischen Aroma: Sie sind selten Auslöser von allergischen Reaktionen, während Verbraucher beim Verzehr neuer Sorten wie ‘Gala’ und ‘Pink Lady’ häufig von Problemen berichten. Wer die alten Äpfel liebt, baut sie am besten selbst an. Für jedes Kleinklima gibt es die richtige Sorte – ob Seewind, trockener Sandboden, feuchte Gegend oder kühles Mittelgebirge. Denn bis in die 1960er Jahre war die Selbstversorgung in unseren Gärten üblich und der Apfel das wichtigste Obst.

Im September reifende Apfelsorten

Unser Vorschlag zeigt Züchtungen, die erst im September reif werden – nach den großen Sommerferien. Denn was nutzen Frühsorten wie ‘Klarapfel’ oder ‘Helios’ mit Reife im Juli/August, wenn die Ernte nach der Rückkehr aus Italien mehlig und fad am Boden liegt? Unsere Apfelparade von ‘Seestermüher Zitronenapfel’ bis ‘ Dülmener Rosenapfel’ hält sich zudem einige Wochen länger – gerade, wenn man die reifen Früchte im kühlen Schuppen oder in Folienbeuteln im Gemüsefach des Kühlschranks lagert. Bei sehr großem Ertrag lohnt das Einmachen. Sehr praktisch ist auch das Einfrieren von frischem Saft in gebrauchten, gesäuberten PET-Flaschen.

Unterschied zwischen Spindelbusch und Hochstamm

Um sich auch in kleineren Gärten über Sortenvielfalt zu freuen, sind Bäume auf einer schwachwachsenden Unterlage erste Wahl. Die sogenannten Spindelbüsche tragen schon nach zwei bis drei Jahren. Hochstämme auf Sämlingsunterlage kämen dagegen erst nach gut zehn Jahren in den Ertrag. Dann aber bald mit solch riesigen Erntemengen, dass sich nur eine lange lagerfähige Winterapfelsorte lohnen würde.

Herbst – beste Pflanzzeit für Gehölze

Die Pflanzzeit für die Apfelbüsche beginnt ab Mitte Oktober – klären Sie beim Einkauf in der Baumschule vor Ort am besten auch gleich die Frage nach dem passenden Bestäuber, damit sich am neuen Baum bald Früchte zeigen. Im Vergleich zum großen Garten auf dem Land hat man als Pächter eines Kleingartens den Vorteil, dass meist ein ‘Cox Orange’-Exemplar als gängiger Befruchter mit in der Anlage steht. Ein besonderer Service lohnt auch eine weitere Anfahrt: lehrreiche Apfelschauen bieten wie die Obstbaumschule Hermann Cordes in Holm/Kreis Pinneberg auch andere Fachbetriebe ab Ende September an. Bei der möglichen Verkostung findet man aus der Sortenvielfalt gut seine persönlichen Favoriten heraus. Arne Janssen» Erfolgreiche Partnervermittlung

Apfelsorten im Porträt – Vielfalt mit Historie

Erläuterung: P = Pflückreife, G = Genussreife1 ‘James Grieve’ Edinburgh, 1893, P: Mitte August, G: sofort, bis Oktober, zur Saftgewinnung, nur kurz haltbar, genügend süß, mit feiner Säure, sehr aromatisch gewürzte Frucht.2 ‘Prinz Albrecht von Preußen’ Sachsen, 1865, P: Ende September,  G: Oktober bis Dezember, robuste Wirtschaftssorte mit reichlich Ertrag,  saftreich, angenehm mildsäuerlich. 3 ‘Seestermüher Zitronenapfel’ entdeckt in Seestermühe / Schleswig-Holstein um 1930, P: Mitte September, G: sofort, hält sich kühl gelagert bis Mitte  November, süßsäuerlich, große Früchte, Ersatz für ‘Granny Smith’. 4 ‘Geheimrat Oldenburg’ Hessen, 1897, P: September, G: Oktober bis Ende Dezember, für gute Böden, süß, leichtes, aber fast exotisches Aroma.5 ‘Dülmener Rosenapfel’ Dülmen, um 1870, P: Mitte September,  G: sofort, bis November, aromatisch, duftig, kräftiger Wuchs, guter Ertrag. 6 ‘Moringer Rosenapfel’ Moringen bei Göttingen, um 1857, P: Ende September, G: sofort, bis Mitte Dezember, süßweinig, wie alle Rosenäpfel mit einer feinen, typischen Würze. 7 ‘Gravensteiner’ Gravenstein/ Dänemark, vor 1669, P: Ende August, G: sofort, bis Ende Oktober, typischer Duft, edel gewürzt,  früher weltweit angebaut, jetzt durch Sorten mit  längerer Lagerfähigkeit und stoßfesteren Früchten ersetzt.

Extra-Tipp: Für Vorrat sorgen!

Wenn alte Bäume in guten Jahren viel tragen, macht man die Äpfel haltbar:  Apfelringe lassen sich im Backofen trocknen, Saft und Kompott füllt man kochendheiß in vorgewärmte Flaschen und Schraubgläser. Das ist meist praktischer und schneller als das Einkochen in klassische Weck-Gläser, sieht aber nicht so gut aus. Ob Tulpen- oder Sturzglas, die Formen aus Omas Zeit sind schön zum Verschenken.