Überwältigend ist das sonnengelbe Meer, wenn sich im Frühling fast über Nacht Hunderte Löwenzahnblüten auf der zuvor grünen Wiese zeigen. Foto: GartenFlora

Löwenzahn im Garten – Gemüse, Unkraut und Heilpflanze

Für die einen ist der Löwenzahn ein hartnäckiges Unkraut, für die anderen ein wertvolles Wildgemüse. Blätter, Blüten und Wurzeln haben medizinisch wie kulinarisch ­etwas zu bieten und Insekten lieben die Blüten als ergiebige Pollen- und Nektarquelle.

Pflanze mit vielfältigem Nutzen – der Löwenzahn

Wiese mit blühenden Obstbäumen und Löwenzahn
Auf der eigenen Obstwiese darf der Löwenzahn ungehindert blühen. Die rechtzeitige Mahd hält ihn im Zaum. Foto: GartenFlora

Welche große Rolle der Löwenzahn, oft etwas genauer als Wiesen-Löwenzahn oder Gewöhnlicher Löwenzahn bezeichnet, im Leben der Menschen gespielt hat, verrät sein botanischer Name Taraxacum officinale. Der Namensbestandteil officinale geht auf das lateinische Wort officina im Sinne von Labor oder Apotheke zurück. Er verweist darauf, dass der Löwenzahn bereits in alter Zeit wegen seiner Heilwirkung geschätzt und in Apotheken verkauft wurde.

Auch in vielen anderen botanischen Namen von Pflanzen, die schon früh als Heilpflanze oder für kosmetische Zwecke verwendet wurden, findet sich dieser Hinweis, wie beim Echten Salbei, Salvia officinalis, oder der Ringelblume, Calendula officinalis. Der botanische Name Taraxacum officinalis ist eindeutig – ganz anders die deutschen Bezeichnungen: Im Volksmund ist er unter anderem als Pusteblume, Kuhblume, Butterblume und Sonnenwirbel bekannt.

Wildgemüse und Kaffee-Ersatz

Der weiße Pflanzensaft ist nicht, wie manchmal vermutet wird, giftig. Ganz im Gegenteil: Die Pflanze wird schon lange als Wildgemüse verwendet und mit den gelben Blüten wurde früher Butter gelb gefärbt. Der Löwenzahn ist für viele wegen seiner vielen positiven Eigenschaften sogar ein heimisches Superfood.

Alle Teile vom Löwenzahn sind essbar: Blätter, vor allem der zartbittere Frühlingsaustrieb, Blütenknospen, Blüten und Wurzel. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen der Pflanze gehören Vitamine, Glykoside, Inulin, Bitter- und Mineralstoffe.

In der Naturheilkunde geschätzt

Dem Löwenzahn wird eine Fülle guter Eigenschaften als Heilpflanze nachgesagt, unter anderem, dass er den Stoffwechsel aktiviert und bei Verdauungsbeschwerden sowie gegen Müdigkeit und Abgeschlagenheit hilft. Er wurde in der traditionellen Medizin in früheren Jahrhunderten auch gegen viele andere Beschwerden und Krankheiten eingesetzt. Ein Tee aus Löwenzahnkraut und -wurzeln soll die Leber-, Nieren- und Gallentätigkeit anregen und für eine bessere Durchblutung des Bindegewebes sorgen.

Überraschend ist die Verwendung der Löwenzahnwurzel als Kaffee-Ersatz in schlechten Zeiten, ähnlich wie die Nutzung von Zichorienwurzeln: Dazu wurden die Wurzeln geerntet, gesäubert, in Stücke geschnitten, getrocknet und anschließend in einer Pfanne geröstet, um sie schließlich zu Kaffeepulver zu vermahlen.

Löwenzahn im Garten – Pfahlwurzel vollständig entfernen

Rund 200 Fallschirmsamen bilden eine kugelrunde "Pusteblume"
Rund 200 Fallschirmsamen bilden eine kugelrunde „Pusteblume“. Foto: GartenFlora

Mit seiner tiefgehenden Pfahlwurzel verankert sich der ausdauernde Löwenzahn in Stauden- und Gemüsebeeten, häufig auch im Rasen. Schnell bricht die Wurzel beim Ziehen oder Hacken ab. Darum möglichst tief graben und vollständig bergen. Werden nur die Blätter von der Pflanze gerupft, bildet sich aus dem Wurzelstock wieder eine neue Pflanze. Es lohnt sich also, mit einem Löwenzahnstecher ans Werk zu gehen, um die Wurzeln vollständig aus dem Boden zu entfernen.

Selbst ein kleines Wurzelstück treibt wieder kräftig aus. Die Samen bewirken ein Übriges: Die wohlbekannte Pusteblume entlässt Samenkörner an winzigen Fallschirmchen weit in die Umgebung. Es dauert nur ein paar Tage, bis die sonnengelbe Blüte zu einem fluffigen Pusteblumenball wird. Dann reicht ein leichter Windhauch, und die Fallschirmchen fliegen auf und davon. Jede Blüte entlässt in wenigen Tagen rund 200 Fallschirmsamen in die Freiheit.

Löwenzahn als Flüssigdünger und Bienenweide

Der Löwenzahn kann zu einem erstklassigen Stickstoffdünger für starkzehrende Gemüse und Stauden werden. Dazu wird der ausgestochene Löwenzahn in ein großes Fass mit Wasser gegeben, so dass er verjauchen kann. Nach etwa drei Wochen ist ein guter Flüssigdünger entstanden, der vor dem Ausbringen noch im Verhältnis 1:10 verdünnt wird.

Meerschweinchen
Meerschweinchen lieben Löwenzahn. Foto: Sabine Rübensaat

Bienen, Schwebfliegen und Käfer machen im Frühling gern auf den Löwenzahnblüten halt, denn hier gibt es ein reiches Angebot an Pollen und Nektar. Nach dem Pflücken lässt man den Korb mit den Blüten noch ein paar Minuten im Freien stehen, damit Käfer und andere kleine Krabbeltiere fliehen können.

Auch einige Vierbeiner lieben den Löwenzahn: Kaninchen und Meerschweinchen lassen ihr Trockenfutter garantiert liegen, wenn sie frische Löwenzahnblättchen vorgelegt bekommen. Kinder sammeln die Blätter mit Begeisterung, wenn sie die anschließend selbst verfüttern dürfen.

Löwenzahn für Feinschmecker

Junger Löwenzahn in einem Karton gebleicht
Wenn junger Löwenzahn gebleicht wird, bleiben die Blätter zart und schmecken milder. Foto: GartenFlora

Als Garten-Löwenzahn bieten Saatguthändler Auslesen beziehungsweise Sorten an, die weniger bitter sind. Löwenzahn-Liebhaber setzen auf diese Kulturformen, die ganz offiziell ins nährstoffreiche Gemüsebeet einziehen dürfen. Ab März wird gesät, im Sommer ist Erntezeit. Wird er als Jungpflanze abgedeckt und gebleicht, ist der Gemüse-Löwenzahn noch milder.

Während der Löwenzahn bei uns wegen seines Ausbreitungsdrangs unbeliebt ist, lieben ihn die Franzosen und bauen Sorten mit größeren Blättern an. Da muss man nicht lange sammeln, bis man eine ausreichende Salatportion hat, sondern erntet einfach eine große Staude. Kartoffeln, Eier, Sahne, Schmand oder Speck helfen, die Bitterkeit der Blätter abzumildern.

Löwenzahn bleichen

Im Herbst ausgegrabene Wurzeln in einen mit Sand ­gefüllten Eimer stecken und kühl lagern. Gegen Ende des Winters angießen, später die wachsenden Blätter mit einem Eimer oder großem Blumentopf ab­decken (Bleichen), damit sie zart bleiben und milder schmecken.

Viele kulinarische Verwendungsmöglichkeiten

Die ausgestochenen, geputzten Löwenzahnrosetten können zur Hauptzutat eines entschlackenden Frühjahrssalates werden. Möglichst jung gepflückt, schmecken die Blätter roh in Salaten. Ältere Blätter sind deutlich bitterer und werden gedünstet. Getrocknete, im Mixer zerkleinerte Blätter eignen sich als Würze zum Streuen über Salate, in Quark und in anderen Gerichten.

Auch die Blüten sind vielseitig einsetzbar, zum Beispiel in Eierpfannkuchen ausgebacken. Lecker sind gebratene Löwenzahnknospen – die größeren Knospen kurz in Öl anbraten reicht schon. Die kleinen, noch am Rosettengrund liegenden Knospen lassen sich in Essig oder Salz haltbar machen – in heißen Essigsud können sie zu „falschen Kapern“ eingelegt werden.

Weitere Delikatessen mit Löwenzahn

  • Frühlingsbutter
  • Löwenzahn-Gelee
  • Löwenzahn-Likör
  • Löwenzahn-Pesto
  • Löwenzahn-Honig

Löwenzahn-Honig ist ein Klassiker, um die Blüten zu verwenden. Er ist kein richtiger Honig, sondern eine Art eingekochter, zähflüssiger Zuckersirup. Die Pollen geben ihm einen eigenen, typischen Geschmack. Er schmeckt leicht karamellig und passt überall da, wo auch Honig eingesetzt wird. Löwenzahn-Honig lässt sich gut mit anderen Aromaträgern abwandeln, zum Beispiel mit Vanille, Zimt, Orangensaft oder Orangenschale.

Verwechslung vermeiden – auf Hüllblätter achten

Rauer Löwenzahn auf einer Wiese
Rauer Löwenzahn – Leontodon hispidus. Foto: GartenFlora

Neben dem weitverbreiteten Gewöhnlichen Löwenzahn mit dem botanischen Namen Taraxacum officinale gibt es Pflanzen, die ihm sehr ähnlich sehen: Sie gehören jedoch, wie der Raue Löwenzahn – Leontodon hispidus – zur Gattung Leontodon und sind eher in bergigen Regionen verbreitet.

Beide blühen gelb, doch Taraxacum officinale blüht eher, im Allgemeinen im April und Mai. Der Raue Löwenzahn – Leontodon hispidus – blüht dahingegen von Mai bis in den Sommer hinein.

Ein Unterschied wird beim Blick auf die grünen Hüllblätter, die den Blütenstand umgeben, deutlich: Diese grünen Hüllblätter sind beim Gewöhnlichen Löwenzahn – Taraxacum officinale – nach unten gebogen.

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