Torffreie Pflanzerde

Torffreie Pflanzerde

Hochwertige torffreie Erden gibt es mittlerweile in jedem Gartencenter zu kaufen. Bild: Neudorff.

Was ist eigentlich Torf?

Moorböden sind wassergesättigt und daher sauerstoffarm. Das hat zur Folge, dass sich die hier wachsenden Torfmoose, Seggen und Wollgräser nach dem Absterben kaum zersetzen: Sie werden zu Torf. Auf diese Weise entsteht pro Jahr eine etwa ein Millimeter starke Torfschicht. Die Ausbildung einer Torflage von einem Meter Dicke braucht also 1000 Jahre!

Warum wird Torf so häufig im Gartenbau verwendet?

Torf speichert viel Wasser und ist leicht. Doch sein pH-Wert ist für Pflanzen viel zu sauer (Ausnahme: Moorbeetgewächse). Und er liefert keine Nährstoffe. Daher müssen sämtliche Torfprodukte vor ihrer Verwendung gekalkt und aufgedüngt werden. Diesen Kalk- und Nährstoffmangel sehen Gärtner durchaus als Vorteil an: So lässt sich künstlich exakt der Wert einstellen, der erwünscht ist. Dafür werden schon mal weitere ungünstige Eigenschaften des Torfs in Kauf genommen: Torf zeigt nur eine geringe Wiederbenetzbarkeit. Ist er einmal ausgetrocknet, nimmt er danach Feuchtigkeit nur noch sehr schlecht auf. Insbesondere Schwarztorf bietet wenig Strukturstabilität: Das Substrat sackt nach einiger Zeit zusammen. Aufgrund seiner geringen Luftkapazität kann zudem Staunässe auftreten.

Warum ist Torfabbau problematisch?

Da Torf kaum nachwächst, werden Moore durch Torfabbau dauerhaft vernichtet. Mit ihnen verschwinden die Lebewesen des Moores, die Bekassine, der Moorfrosch, der Sonnentau. 95 Prozent ihres ursprünglichen Lebensraumes in Deutschland sind mittlerweile zerstört. Auch für den Menschen hat der massive Torfabbau Auswirkungen: Moore wirken als Wasserrückhalteflächen. Gehen sie verloren, können zunehmende Überschwemmungen auch in Siedlungsgebieten die Folge sein. In Mooren ist doppelt so viel CO2 gespeichert, wie in den Wäldern weltweit. Das bedeutet: Durch Torfabbau entweichen innerhalb kurzer Zeit hohe Mengen klimaschädlicher Gase. So trägt der Torfabbau mit rund 4,5 Prozent zur gesamten Treibhausgas-Emission Deutschlands bei.

Ist Bio-Erde torffrei?

Nicht immer! Bio-Erden sind zwar organisch gedüngt, können aber bis zu 90 % Torf enthalten. Auch der Begriff „torfreduziert“ sagt nicht allzu viel: Bis zu 80 % Torfanteil sind hier möglich. Nur wenn „torffrei“ auf der Verpackung steht, enthält die Erde wirklich gar keinen Torf.

Welche Stoffe können den Torf ersetzen?

Es gibt einige schnell nachwachsende, organische sowie mineralische Torfersatzstoffe. Ebenso wie der Torf selbst haben sie ihre Vor- und Nachteile. Durch eine gute Komposition der einzelnen Substrate entstehen sehr wertvolle, torffreie Pflanzerden. Mittlerweile führen ausnahmslos alle namhaften Anbieter von Erdsubstraten diese im Sortiment.

» Die wichtigsten Torfersatzstoffe und mineralischen Zuschlagkomponenten

Das bedeutet im Einzelnen

• Geringe Strukturstabilität: Einige Substrate mit hohem Kompostanteil können im Laufe der Zeit sacken (ähnlich wie Schwarztorf ). Der Grund: Die Mikrolebewesen des Komposts zersetzen die organische Substanz. Dabei werden wertvolle Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar gemacht. Masse und Volumen des Substrates nehmen aber etwas ab. Am Ende der Vegetationsperiode sollte also gegebenenfalls Erde nachgefüllt werden. Gleiches gilt für Substrate mit hohem Holzfaser-Anteil. Wirklich von Bedeutung ist dies aber nur bei Kübelpflanzen, die mehrere Jahre in der gleichen Erde gedeihen.
• Hohe Luftkapazität und geringe Wasserkapazität: Erden mit z. B. hohem Holzfaser-/ Holzhäcksel-Anteil haben eine lockere Struktur und halten Wasser nur schlecht. Staunässe ist hier quasi ausgeschlossen, was insbesondere bei Balkon- und Kübelpflanzen sehr von Vorteil ist. Allerdings trocknen die Substrate auch schneller aus. Das heißt: Häufiger gießen mit jeweils nur geringen Mengen Wasser.
• Stickstoff-Festlegung: Bei der Umsetzung kohlenstoffreicher Holzfasern wird dem Substrat Stickstoff entzogen. Daher sollten Erdprodukte mit hohem Holzfaser-Anteil mit Hornspänen oder –mehl gedüngt werden.
• Hohe Austauschkapazität: Salz- und Nährstoffschwankungen werden ausgeglichen, so dass sowohl Überdüngung als auch Nährstoffauswaschungen vermieden werden. Auch der pH-Wert bleibt stabil.
• Kokos hat sich in Versuchen als idealer Torfersatz erwiesen, selbst in Reinform: In Anbauversuchen mit reinen Kokosstaub-Substraten wurden gleiche Pflanzenqualitäten erzeugt wie mit Torfsubstraten. Gegenüber dem Torf hat Kokos zudem zwei Vorteile: Der pH-Wert ist (auch ohne Kalkung) wesentlich pflanzenfreundlicher und die Wiederbenetzbarkeit ist deutlich besser. Als Kokossubstrat werden die faserigen Schalenschichten verwendet, die den innersten Kern der Kokosfrucht (bekannt als „Kokosnuss“) umgeben. Es handelt sich dabei also um ein Abfallprodukt. Kokosstaub hat aufgrund seiner sehr feinen Konsistenz übrigens eine höhere Wasserkapazität als die Kokosfaser, welche wiederum eine höhere Luftkapazität bietet.

» Gartenpraxis-Spezial: Gartenboden

Blumenerde zum Selbermischen

2 Teile reifer, gesiebter Kompost, 2 Teile Torfersatzstoffe wie Rindenhumus, Holzfaser, Kokosfaser, 1 Teil Sand in einer Schubkarre gut durchmischen und mit organischem Dünger aufgedüngen: Pro Schubkarre fünf bis sechs Hände voll Hornspäne untermengen. Eine halbe Handvoll Gesteinsmehl liefert Spurenelemente. Diese Mischung eignet sich für sämtliche Zwecke. Nur für Aussaaterde sollten Sie das Rezept ein wenig variieren: Verzichten Sie hier auf jeglichen Dünger. Der Samen enthält sämtliche Nährstoffe, die der Keimling braucht. Dünger würde nur die zarten Wurzeln verbrennen. Zudem sollte der in der Aussaaterde enthaltene Kompost nach Möglichkeit sterilisiert werden, um Unkrautsamen und Schaderreger abzutöten. Dazu wird die gut abgelagerte, circa drei Jahre alte Komposterde für 20 Minuten im Backofen auf 120 Grad erhitzt. Sie kann dazu auf dem Backblech ausgebreitet oder in einem Kochtopf gegeben werden.

Weitere Bestandteile, die Sie der selbstgemischten Erde zugeben können: Gartenerde (optimal geeignet ist zum Beispiel Erde von Maulwurfshügeln), Lauberde, Lehm, Ton oder Bentonit, Perlit, Blähton, Splitt etc.

» Kompost: Das Gold des Gärtners


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